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25.01.2022

14:46

Konsumgüterkonzern

Dove- und Langnese-Hersteller Unilever streicht 1500 Stellen

Von: Michael Scheppe

Der Konsumgüterriese steht nach der gescheiterten Offerte für eine GSK-Sparte unter Druck. Nun plant Unilever einen großen Konzernumbau, Manager müssen gehen.

Der Konzern streicht bei den Führungskräften etliche Jobs. Reuters

Stellenstreichungen bei Unilever

Der Konzern streicht bei den Führungskräften etliche Jobs.

London Der Konsumgüterkonzern Unilever stellt sich neu auf und trennt sich von 1500 Führungskräften. Von den Stellenstreichungen betroffen sind rund 15 Prozent aller Beschäftigten im oberen Management, fünf Prozent sollen bei den Nachwuchsmanagern wegfallen. Bei der Belegschaft in der Produktion soll es keine Kürzungen geben.

Das teilte der Konzern, dessen Markenpalette mit Lebensmitteln (Knorr, Pfanni), Kosmetik (Axe, Dove) und Reinigungsmitteln (Coral, Domestos) das gesamte Spektrum im Konsumgütermarkt abdeckt, am Dienstag mit. Der britische Konzern erlebt nach einem gescheiterten Übernahmeversuch und dem Einstieg eines US-Investors turbulente Wochen.

Unilever-Vorstandschef Alan Jope, der die Firma und ihre 149.000 Beschäftigten seit 2019 führt, steht schon länger unter Druck, weil die Umsätze stagnieren und sich der Aktienkurs langsamer als bei der Konkurrenz entwickelt. Mit einem Umbau der Sparten und den Entlassungen versucht Jope nun, neues Wachstum zu generieren.

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    Es wäre die größte Übernahme seit Beginn der Pandemie und in der Geschichte von Unilever gewesen, doch sie scheiterte krachend. GSK wies das Angebot als zu niedrig zurück, und die Kritik von Unilever-Investoren und Analysten war ungewöhnlich harsch.

    Diesen Montag wurde bekannt, dass der aktivistischen Investor Nelson Peltz und sein New Yorker Hedgefonds Trian Partners bei Unilever einsteigt. Peltz war schon bei anderen Konsumgüterriesen aktiv und hat diese erfolgreich restrukturiert.

    Fünf statt drei Geschäftsbereiche

    Unilever verkündete am Dienstag eine Neuaufstellung seiner Geschäftsbereiche. Die Firma plant fünf neue Sparten für Schönheit und Wohlbefinden, Körperpflege, Haushaltspflege, Lebensmittel sowie Speiseeis. So könne man schneller auf neue Trends reagieren, begründete CEO Jope. Unilever will stärker auf die Bereiche Gesundheit, Schönheit und Hygiene setzen, weil sie ein höheres und nachhaltigeres Wachstum versprechen.

    Bislang hatte der Konzern sich in die drei Geschäftseinheiten Körperpflege, Lebensmittel und Reinigungsmittel aufgeteilt. Der bisherige Bereich Körperpflege, der am langsamsten gewachsen ist, wird also in zwei neue Einheiten gesplittet.

    Die Unterteilung der Lebensmittelsparte in zwei neue Einheiten bringt mehr Transparenz über das Wachstum der Speiseeissparte. Unilever vertreibt etwa Eiscreme unter den Marken Ben & Jerry‘s und Langnese. Marktbeobachter hatten darüber spekuliert, dass Unilever seine Eiscrememarken verkaufen könnte oder komplett aus dem Nahrungsmittelsegment aussteigen könnte.

    Der Hersteller Unilever plant eine Umstrukturierung und entlässt 1500 Manager. imago images/Future Image

    Magnum-Speiseeis

    Der Hersteller Unilever plant eine Umstrukturierung und entlässt 1500 Manager.

    CEO Jope sagte aber vergangene Woche, dass es keine Pläne gebe, die gesamte Lebensmittelsparte zu veräußern. Stattdessen will er verstärkt in vegane Fleischalternativen investieren und in das schnell wachsende Geschäft mit Vitaminen, Mineralien und Nahrungsergänzungsmitteln.

    Die Umbauschritte der Briten, die daran laut eigener Aussage ein Jahr gearbeitet haben, erinnern an die Umstrukturierung des amerikanischen Rivalen Procter & Gamble (Ariel, Pampers, Gillette) vor drei Jahren. Damals schuf das Unternehmen im Rahmen einer großen Umstrukturierung sechs ähnliche Geschäftseinheiten. Daran mitgearbeitet hat auch Investor Peltz, der zwischen 2018 und 2021 im Verwaltungsrat von P&G saß und nun bei Unilever eingestiegen ist.

    Beobachter reagieren mit Zurückhaltung

    Analysten bewerteten die Neuausrichtung zurückhaltend: Die neue Struktur mache zwar Verkäufe einfacher, schrieb Analyst James Edwardes Jones von der Royal Bank of Canada. Aber man bevorzuge, wenn Unilever sich darauf fokussieren würde, Kosteneinsparungen in ihre Marken zu reinvestieren. Außerdem gebe es keine Anzeichen für einen Kulturwandel, weil die Manager der neuen Einheiten allesamt aus dem Unternehmen stammen.

    Auch die Börse reagierte auf die Ankündigungen von Unilever kaum, die Aktie notierte leicht im Minus. In den vergangenen Tagen hatte das Papier noch eine regelrechte Achterbahnfahrt hingelegt: Nach dem Einstieg von Investor Peltz stieg der Kurs um bis zu acht Prozent, in der vergangenen Woche war der Wert nach der erfolglosen Übernahme von GSK etwa um diesen Wert gefallen. Ein Anteilsschein kostet derzeit zwischen 46 und 47 Euro.

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