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29.04.2022

14:43

Konsumgüterkonzern

Henkel rechnet mit weniger Gewinn – Kosten steigen um zwei Milliarden Euro, Aktie bricht ein

Von: Michael Scheppe

Steigende Materialkosten und der Rückzug aus Russland belasten das Geschäft des Persil-Herstellers. Der Konzern zieht sich zudem aus Belarus zurück.

Henkel, der Hersteller von Persil, hat im ersten Quartal einen Gesamtumsatz von rund 5,3 Milliarden Euro eingefahren. dpa

Persil

Henkel, der Hersteller von Persil, hat im ersten Quartal einen Gesamtumsatz von rund 5,3 Milliarden Euro eingefahren.

Düsseldorf Persil-Hersteller Henkel rechnet wegen steigender Rohstoffpreise und Mehrkosten für Logistik in diesem Jahr mit geringeren Gewinnen. Der Konsumgüterhersteller geht nun von einer Gewinnmarge in einer Bandbreite von neun bis elf Prozent aus. Zuvor hatte der Konzern eine Ebit-Marge von 11,5 bis 13,5 Prozent angepeilt. Das gab der Düsseldorfer Dax-Konzern am Freitag bekannt.

Henkel rechnet mit zusätzlichen Kostenbelastungen in Höhe von rund zwei Milliarden Euro – doppelt so viel wie bisher angenommen. 90 Prozent der Mehrkosten stammen aus gestiegenen Materialpreisen. Bei Rohstoffen wie Palmkernöl oder Pet-Plastik rechnet der Konzern im Schnitt mit Preissteigerungen im mittleren Zwanzig-Prozent-Bereich. Bislang war Konzernchef Carsten Knobel von einem niedrigen Zehn-Prozent-Bereich ausgegangen.

„Die durch die Covidkrise außerordentlich angespannte Situation an den Rohstoffmärkten und bei den Lieferketten hat sich durch den Krieg in der Ukraine noch einmal deutlich verschärft“, sagt Knobel. So etwas habe er in seinen 30 Berufsjahren noch nicht erlebt.

Auf die zusätzlichen Kosten will Henkel etwa mit Preiserhöhungen bei seinen Produkten reagieren. Allerdings, schätzt Knobel, kann der Konzern die steigenden Kosten in diesem Jahr nur zu 60 Prozent kompensieren, etwa, indem er die Preise an Handel und Industrie weitergibt. Das drückt den Gewinn.

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    Anleger reagierten mit einem Ausverkauf: Die Henkel-Aktien brachen im frühen Handel am Freitag in der Spitze um 10,5 Prozent auf 56,56 Euro ein und notieren damit so niedrig wie seit fast zehn Jahren nicht mehr.

    Henkel senkt Prognose: Aufgabe des Russland-Geschäfts belastet

    Wie Henkel kämpft die gesamte Konsumgüterbranche mit steigenden Preisen und leidet unter den Problemen der Lieferketten. Der Krieg in der Ukraine sorgt zudem für steigende Energiekosten. Schon am Donnerstag hatte Henkels Konkurrent Unilever (Dove, Axe, Knorr) mitgeteilt, im zweiten Halbjahr mit Kosten von 2,7 Milliarden Euro zu rechnen – 1,2 Milliarden Euro mehr als anvisiert.

    Anders als Henkel haben Unilever und Beiersdorf ihre Gewinnerwartungen allerdings nicht nach unten korrigiert. Henkel erklärt das auch mit dem Rückzug aus Russland. Der Konzern hatte Mitte April vor dem Hintergrund des Angriffskriegs nach langem Zögern seine Geschäfte in Russland eingestellt. Henkel war wie kein anderer Dax-Konzern in Russland investiert, erzielte dort fünf Prozent seines Konzernumsatzes, rund eine Milliarde Euro, und beschäftigt in elf Werken 2500 Mitarbeiter.

    Ein Drittel der pessimistischeren Prognose sei auf die Einstellung des Russland-Geschäftes zurückzuführen. Wegen des Rückzugs rechnet Henkel mit „signifikanten Auswirkungen“ auf die Finanzen, kann diese aber noch nicht näher beziffern. Das hängt auch vom weiteren Vorgehen ab. Der Konzern prüfe, die Geschäfte ganz einzustellen, sie zu verkaufen, auch eine Übernahme durch das Management sei denkbar, so Knobel. Henkel drohen Abschreibungen im mittleren dreistelligen Millionenbereich.

    Henkel kündigte am Freitag auch an, seine Tätigkeit in dem mit Russland verbündeten Belarus zu beenden. Das Geschäft dort fällt allerdings kaum ins Gewicht: Die 100 Beschäftigten in dem Land erzielen deutlich weniger als ein Prozent des Konzernumsatzes, Produktionsstätten hat Henkel in Belarus keine.

    Henkel ist operativ gut ins Jahr gestartet

    Trotz der pessimistischen Aussichten ist der Konsumgüterkonzern besser als erwartet ins Jahr gestartet. Henkel erzielte ein organisches Umsatzwachstum von 7,1 Prozent. Analysten hatten mit einem Plus von vier Prozent gerechnet. Auch andere Konsumgüterfirmen wie Nivea-Hersteller Beiersdorf oder Unilever haben starke Geschäftszahlen vermeldet. Die Firmen erholen sich von der Pandemie, weil Verbraucher infolge der Lockerungen wieder mehr Kosmetik kaufen.

    „Solche Dimensionen haben wir noch nicht erlebt“, sagt der Henkel-Chef zu den Kostensteigerungen. Henkel

    Carsten Knobel

    „Solche Dimensionen haben wir noch nicht erlebt“, sagt der Henkel-Chef zu den Kostensteigerungen.

    Allerdings profitieren die Konzerne vor allem von Preiserhöhungen, die sie an Industrie, Handel und somit die Verbraucher weitergegeben haben. So erhöhte Henkel die Preise um neun Prozent, während das Absatzvolumen um 1,9 Prozent fiel. Bei den Wasch- und Reinigungsmitteln stiegen die Preise sogar um zehn Prozent, bei Kosmetika um fünf Prozent. Auch Unilever und Beiersdorf steigerten ihre Umsätze vor allem durch Preiserhöhungen.

    Dadurch getrieben rechnet Henkel in diesem Jahr zumindest mit steigenden Umsätzen. Die Düsseldorfer gehen von einem organischen Plus von 3,5 bis 5,5 Prozent aus. Zuvor lag die Prognose bei zwei bis vier Prozent. Henkel begründet das vor allem mit dem Industrieklebergeschäft. Diese Sparte ist für Henkel deutlich profitabler als der Verkauf von Kosmetika oder Reinigungsmitteln.

    Details zum Konzernumbau werden erwartet

    Die anderen beiden Sparten – Wasch- und Reinigungsmittel sowie Kosmetik – baut der Konzern gerade um. Das kriselnde Kosmetikgeschäft will CEO Knobel mit dem besser laufenden Wasch- und Reinigungsmittelbereich und seinen bekannten Marken wie Persil und Pril zusammenlegen. Henkels Kosmetiksparte schwächelt seit Jahren. Analysten hatten immer wieder kritisiert, dass das Geschäft im Vergleich mit Konkurrenten wie L’Oréal zu klein und nicht profitabel genug sei.

    Von der neu formierten Einheit „Consumer Brands“ verspricht sich Knobel etwa schnellere Entscheidungen, gezieltere Innovationen und mehr Wachstum. Zudem hofft Knobel auf Synergien. So müssten nicht mehr wie bislang Vertriebler aus beiden Firmenbereichen mit den gleichen Kunden verhandeln.

    Firmenbeobachter sind skeptisch, auch weil ihnen noch Details zu den Plänen fehlen. Diese will der Dax-Konzern am kommenden Donnerstag vorlegen. Dann soll auch bekannt sein, wie viele Beschäftigte das Unternehmen im Zuge des Umbaus entlassen will.

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