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04.07.2022

12:22

Konsumgüterkonzern

Persil-Hersteller Henkel streicht Hunderte Stellen in Deutschland

Von: Michael Scheppe

Der Dax-Konzern legt seine Konsumgütersparten zusammen. In den betroffenen Bereichen muss jeder zehnte Mitarbeiter gehen. Doch dabei soll es nicht bleiben.

Der Konsumgüterkonzern will in Deutschland 300 Stellen streichen.

Mitarbeiter von Henkel

Der Konsumgüterkonzern will in Deutschland 300 Stellen streichen.

Düsseldorf Im Zuge seines Konzernumbaus will Henkel in Deutschland zunächst 300 Stellen streichen. Das kündigte Vorstandschef Carsten Knobel in einem Interview mit der „Rheinischen Post“ an. Damit äußert sich der Persil-Hersteller erstmals konkret zum Umfang des Stellenabbaus auf dem Heimatmarkt.

Henkel hatte im Frühjahr angekündigt, bis Ende 2023 weltweit 2000 Arbeitsplätze streichen zu wollen. Hintergrund ist der Umbau der Konsumgütersparten zur neuen Unternehmenseinheit „Consumer Brands“. Konzernchef Knobel will das kriselnde Kosmetikgeschäft („Dial“, „Syoss“) mit dem besser laufenden Wasch- und Reinigungsmittelbereich und seinen bekannten Marken wie Persil oder Pril zusammenlegen.

Der Konzern beschäftigt in den beiden betroffenen Sparten weltweit 20.000 Mitarbeiter, 3000 davon in Deutschland. Weltweit wie in Deutschland ist also ungefähr ein Zehntel der Beschäftigten von Stellenstreichungen betroffen. Insgesamt hat Henkel mehr als 52.000 Mitarbeiter.

Konzernchef Knobel bekräftigte in dem Interview erneut, betriebsbedingte Kündigungen vermeiden zu wollen. Stattdessen solle mit betroffenen Mitarbeitern über andere Positionen im Unternehmen gesprochen werden, auch Regelungen über einen vorzeitigen Ruhestand seien denkbar.

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    Die Stellen sollen überwiegend in der Verwaltung und im Management wegfallen. Henkel hatte zunächst die Toppositionen in der neuen Sparte besetzt; nun gehe der Konzern jede Führungsebene durch, um Personalentscheidungen zu treffen, so Knobel.

    Weitere Stellenstreichungen nach 2023

    Bei den zunächst 2000 Stellen wird es bei Henkel nicht bleiben. In der Zeit nach 2023 sollen weitere Positionen vor allem in den Bereichen Produktion und Lieferkette wegfallen. Details dazu sind noch nicht bekannt.

    Mit dem Konzernumbau und den Stellenstreichungen reagiert Knobel auf die Probleme der seit Jahren schwächelnden Kosmetiksparte. Analysten hatten immer wieder kritisiert, dass das Geschäft im Vergleich mit Konkurrenten wie L’Oréal zu klein und nicht profitabel genug sei.

    Henkel ist vor allem im Massenkonsumgütergeschäft tätig. Hier sind die Margen geringer als etwa bei Luxusprodukten oder hochwertigen Hautcremes, die Henkel nicht im Angebot hat.

    Durch den Konzernumbau erhofft sich Knobel, konsequentere Portfolio-Entscheidungen zu treffen. „Wir können uns so einfacher von Marken trennen, die unsere Erwartungen an Bruttomarge, Umsatzwachstum und Marktposition nicht erfüllen“, sagte er im Mai im Interview mit dem Handelsblatt.

    Dadurch würden die Einnahmen steigen, man könne mehr Geld in neue und bestehende Marken investieren und so die Relevanz der Produkte im Handel erhöhen. Beobachter sind hingegen skeptisch: Für sie ist die Zusammenlegung der Sparten vor allem eine Defensivmaßnahme mit Vorteilen auf der Kostenseite, die nicht gleich zu steigenden Umsätzen führt.

    Henkel kämpft wie alle Konzerne der Konsumgüterbranche mit steigenden Rohstoffkosten und lückenhaften Lieferketten. Die Düsseldorfer rechnen in diesem Jahr mit zusätzlichen Kostenbelastungen in Höhe von rund zwei Milliarden Euro. Das schmälert den Gewinn. So gehen Analysten der DZ Bank davon aus, dass die Ebit-Marge im ersten Halbjahr auf 10,2 Prozent sinken werde. 2021 lag diese noch bei 13,4 Prozent.

    Henkel wird zusätzlich durch den Rückzug aus Russland belastet. Der Konzern erzielte in dem Land rund eine Milliarde Euro Umsatz, die künftig fehlen wird.

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