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04.07.2022

15:00

Kooperation

Bündnis in chaotischen Zeiten: Deutsche Bahn tritt der Star Alliance bei

Von: Jens Koenen

Der Staatskonzern ist das erste Schienenunternehmen in der Luftfahrt-Allianz. Ob die Kooperation hilft, mehr Kunden in den Zug zu locken, ist offen.

Die Bahn will sich als Alternative zum Flugzeug auf innerdeutschen Routen etablieren. IMAGO/Stefan Zeitz

Lufthansa Express-Rail von Berlin nach Frankfurt

Die Bahn will sich als Alternative zum Flugzeug auf innerdeutschen Routen etablieren.

Frankfurt Es ist ein besonderer ICE, der am Montagmittag in den Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens rollt. Er trägt das Logo des Luftfahrtbündnisses Star Alliance. Der Zug soll den Start in eine neue Ära dokumentieren. Die Deutsche Bahn wird der Allianz rund um Lufthansa als erstes Unternehmen außerhalb der Luftfahrt beitreten.

„Der heutige Tag bündelt die Kräfte von zwei verschiedenen Verkehrsanbietern und öffnet damit die Türen der Star Alliance über die eigene Welt der Fluggesellschaften hinaus“, sagte Star-Alliance-Chef Jeffrey Goh nach der Ankunft des Zuges. „Wir vernetzen unsere Angebote so, dass wir die jeweiligen Stärken unserer Verkehrsträger optimal nutzen können“, ergänzte Michael Peterson, Vorstand der Bahn für den Personenverkehr.

Angesichts der teils massiven Kapazitätsengpässe und Probleme sowohl im Luftverkehr als auch auf der Schiene ist es eine Partnerschaft, die Fragen aufwirft. Kann es wirklich gelingen, mit der neuen Kooperation Passagiere vom Flugzeug in den Zug zu locken?

Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister ist davon überzeugt: „Die erfolgreiche Lufthansa-Express-Rail-Kooperation ist dafür ein herausragendes Beispiel. Darauf basierend gehen wir jetzt konsequent den nächsten Schritt.“ Nach Angaben der Bahn sind durch die Kooperationen mit Airlines zwischen April und Juni mehr als doppelt so viele Flugreisende in den Zug gestiegen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

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    Schon seit vielen Jahren arbeiten Lufthansa und Deutsche Bahn zusammen. Im Frühjahr vergangenen Jahres hatten beide erklärt, diese Partnerschaft ausbauen zu wollen. Unter anderem sollen verstärkt Sprinter zwischen wichtigen deutschen Städten eingesetzt werden – ohne viele Zwischenhalte und mit kürzeren Reisezeiten.

    Von links: Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister, DB-Personenfernverkehrsvorstand Michael Peterson und Jeffrey Goh, Vorstandsvorsitzender der Star Alliance, stellten am Montag in Frankfurt die neue Partnerschaft vor. dpa

    Deutsche Bahn wird Mitglied der Star Alliance

    Von links: Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister, DB-Personenfernverkehrsvorstand Michael Peterson und Jeffrey Goh, Vorstandsvorsitzender der Star Alliance, stellten am Montag in Frankfurt die neue Partnerschaft vor.

    Damit will die Bahn eine Alternative für jene Flüge bieten, bei denen der Passagier nur von einer deutschen in eine andere deutsche Stadt reisen will. Auch die Zubringer zu Flughäfen wie dem in Frankfurt sollen verbessert werden, etwa durch eine bessere Abstimmung mit den Flugplänen.

    Die Luftfahrtbranche und die Deutsche Bahn gehen davon aus, dass – sollte der Umstieg inklusive Gepäck eines Tages wirklich reibungslos und komfortabel klappen – 20 Prozent der innerdeutschen Fluggäste vom Jet auf die Schiene gelockt werden könnten. Bezogen auf das Vorkrisenjahr 2019 wären das 4,3 Millionen Passagiere jährlich.

    Großer Druck durch die neuen Klimavorgaben

    Über die Star Alliance könnten weitere Fahrgäste dazukommen. In dem Bündnis arbeiten 26 Fluggesellschaften an mehr als 50 internationalen Drehkreuzen zusammen. Zudem ist der Druck, Kurzstreckenflüge so weit wie möglich zu reduzieren und zu ersetzen, gewaltig.

    Mit dem Programm „Fit for 55“ will die EU die Emissionen von klimaschädlichen Treibhausgasen bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 55 Prozent reduzieren. Der Luftfahrt sollen dazu unter anderem feste Quoten für die Beimischung von synthetischem Kerosin (SAF) vorgeschrieben werden.

    Die Branche ist zwar für den Einsatz von SAF, fürchtet aber erhebliche Nachteile, weil diese Vorgaben nur für europäische Airlines gelten sollen. Umso wichtiger ist es in ihren Augen zu zeigen, dass es auch andere Wege gibt, das Reisen klimaneutraler zu machen. „Durch attraktive innerdeutsche Verbindungen bei gleichzeitiger Verknüpfung mit internationalen Reiseketten leisten Deutsche Bahn und Star Alliance einen signifikanten Beitrag zur Reduktion der CO2- Emissionen im Verkehrssektor“, sagte Bahn-Vorstand Peterson.

    Für die Kunden der Allianz-Partner soll das Reisen mit beiden Verkehrsmitteln ab dem 1. August deutlich einfacher werden. Sie bekommen ein kombiniertes Ticket. Ihr Gepäck wird im Airail-Center am Flughafen Frankfurt schneller bearbeitet. Bis dorthin müssen sie es allerdings vorerst weiter selbst schleppen, an einer komfortableren Lösung arbeiten beide Seiten noch.

    Auch können nun über die gesamte Strecke Meilen bei den Bonusprogrammen der jeweiligen Airlines gesammelt werden. Und wer Business- oder First-Class-Kunde ist, kann die DB Lounges nutzen.

    Star-Alliance-Chef Goh kündigte an, solche Partnerschaften mit Bahn-Unternehmen über Deutschland hinaus ausbauen zu wollen. Das Potenzial dazu ist da. Auch im Ausland gewinnt die Zusammenarbeit von Zug und Flug an Bedeutung. Seit wenigen Tagen bietet zum Beispiel die Lufthansa-Tochter Swiss in Kooperation mit der Schweizer SBB mehrmals täglich eine Verbindung von München zum Flughafen Zürich an. Bislang gab es das sogenannte „Swiss Air Rail“ nur innerhalb der Schweiz.

    Wer hier Business- oder First-Class bucht, bekommt bei der SBB automatisch einen Platz in der ersten Klasse. Und es gibt Meilen: Vielflieger bekommen bis zu 1000 Meilen für Buchungen in der Economy- und Premium-Economy-Klasse. Business- und First-Kunden erhalten bis zu 1500 Meilen.

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