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02.12.2021

04:16

Kosmetikfirma

Ströer stellt Asambeauty zum Verkauf – Pandemie als Wachstumstreiber

Von: Aylin Dülger, Arno Schütze

PremiumCEO Marcus Asam von Asambeauty hat in der Pandemie seinen Onlinehandel ausgebaut und modernisiert. Eigentümer Ströer sucht nun nach einem Käufer.

Rekordumsatz: Asambeauty - Pandemie als Chance zur Expansion

Marcus Asam

Die Unternehmensentwicklung gibt dem Asambeauty-Chef Anlass zum Optimismus.

Düsseldorf, Frankfurt Unternehmer Marcus Asam hat den Online-Kosmetikhändlers Asambeauty nicht nur erfolgreich durch die Pandemie gesteuert, für ihn war die Zeit geradezu ein Konjunkturprogramm. Und einer seiner Miteigentümer will diesen günstigen Zeitpunkt nun offenbar nutzen, um seinen Anteil für einen guten Preis zu verkaufen.

So hat Werbevermarkter Ströer, dem gut die Hälfte des Unternehmens gehört, Finanzkreisen zufolge die Investmentbank JP Morgan damit beauftragt, Optionen für die Firma zu prüfen, die auf 350 bis 400 Millionen Euro taxiert wird. Dies bestätigten dem Handelsblatt mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen. Asambeauty rechne für nächstes Jahr mit einem Betriebsergebnis (Ebitda) von rund 25 Millionen Euro und könnte einschließlich Schulden mit dem 14- bis 16-Fachen bewertet werden.

Als mögliche Käufer gelten Onlinehändler wie Zalando und Sephora, die sich Anfang des Jahres bereits für den von Pro Sieben zum Verkauf gestellten Parfümhändler Flaconi interessiert hatten. Ein Deal kam allerdings nie zustande. Ströer und JP Morgan lehnten Stellungnahmen ab. Auch Marcus Asam sagte auf Nachfrage: „Zu möglichen Verkaufsabsichten von meinem Mitgesellschafter Ströer kann ich leider keine Aussage machen.“

Die zurückliegenden Pandemiemonate haben immerhin das Potenzial des Unternehmens deutlich gemacht: Asambeauty blieben nicht nur Lieferengpässe erspart – die Firma hatte im Verlauf der Pandemie sogar einen enormen Bedarf an neuen Mitarbeitern. Die Zahl der Beschäftigten wächst und wächst – mittlerweile hat sie sich im vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt, auf rund 500.

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    Asams Erfolgskonzept: seine digitale Shoppingplattform. Seine Umsatzverluste im stationären Geschäft durch Lockdowns und verunsicherte Kunden hat er dadurch mehr als kompensiert.

    Teleshopping für die Generation Z

    Asambeauty setzte im vergangenen Jahr als eines der ersten Unternehmen der Branche den „Live-Stream-Shopping“-Trend aus Asien für den europäischen Markt um. Mit diesem Ansatz werden während einer Direktübertragung im Internet neue Kosmetikprodukte vorgestellt, erklärt und getestet. Über eine integrierte Software sind die Streams auch auf der firmeneigenen Website zu sehen.

    Die potenziellen Käufer können währenddessen spezifische oder anwendungsbezogene Fragen stellen, die Mitarbeiter mündlich oder im Chat beantworten. Gleichzeitig können sich die Kunden über eigene Erfahrungen austauschen und sich in der Community gegenseitig Tipps geben.

    Für Asam gehören Livestreams über Instagram und Co. inzwischen zum alltäglichen Business. „Mittlerweile senden wir mit unserem eigenen Team von Mitarbeitern, TV-Moderatoren und bekannten Influencern mehrmals wöchentlich“, sagt der Sohn des Gründerpaars Erich und Ingrid Asam. Auch der CEO selbst nimmt gelegentlich teil und berichtet über Produktneuheiten.

    Klar ist, dass der digitale Ansatz dem Unternehmen einen Vorteil verschafft hat: „Unsere Markenwelt wird besser erlebbar für unsere Kunden und wir können zusätzliche Kaufimpulse setzen“, sagt Asam. Denn während des Livestreams können Kunden das gezeigte Produkt direkt in den Warenkorb legen.

    Im Coronalockdown boomt der E-Commerce. Doch konnten Kunden in dieser Zeit die Produkte nicht in die Hand nehmen und testen. Und wie genau etwa ein Make-up oder ein Lippenstift auf der Haut aussehen, ist aber oft ausschlaggebend für die Kaufentscheidung.

    Zwar sind die Produkte auch beim Onlineshopping nicht berührbar – dafür können Kunden andere Nutzer nach ihren Erfahrungen fragen. Die starke Nachfrage im Bereich von E-Commerce spielte Asambeauty somit in die Karten – auch, weil sie ihre Produkte seit mehr als 20 Jahren per Teleshopping verkaufen und so bereits Erfahrungen mit dieser Art von Verkauf gesammelt haben.

    E-Commerce wächst weiter

    Der Internethandel bringt für die Unternehmen auf dem europäischen Markt enorme Umsatzpotenziale. Für viele ist das Internet mittlerweile der wichtigste Vertriebskanal – so auch für Asambeauty. Trotz großer Investitionen in Bereiche wie IT, Marketing und Infrastruktur konnte das Beauty-Unternehmen die Profitabilität im zweistelligen Prozentbereich halten. So erwirtschaftete die Firma im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz von 106,3 Millionen Euro.

    Der Umsatz stieg um etwa 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Selbst im stationären Handel, der 20 Prozent des Gesamtumsatzes beisteuert, konnte Asambeauty zulegen. Für das kommende Jahr erwartet das Unternehmen sogar ein Umsatzwachstum von 30 Prozent.

    Auch hinsichtlich der Mitarbeiterführung hat die Pandemie Asams Unternehmen einiges gelehrt. „Ich hätte mir davor wahrscheinlich nicht vorstellen können, von heute auf morgen fast die ganze Belegschaft ins Homeoffice zu schicken“, so der CEO. Jetzt hat sich Asam für ein dauerhaftes hybrides Arbeitsmodell mit Desksharing und mobilem Arbeiten entschieden. Seine Mitarbeiter wählen in Abstimmung mit der Führungskraft und ihrem Team, wann sie mobil und wann sie im Büro arbeiten.

    Auch die Einstellung der zahlreichen neuen Beschäftigten war in der Pandemie gewöhnungsbedürftig. „Recruiting und Onboarding mussten überwiegend digital stattfinden, was natürlich eine Umstellung war“, so Asam.

    Trotzdem sind weitere Einstellungen geplant, denn der Unternehmer will das Geschäft auch international weiter vorantreiben. „Wir haben zum Beispiel 2021 in den USA und China Tochtergesellschaften gegründet und eigene Teams vor Ort aufgebaut“, sagt Asam. In China setzen sie auf Drittanbieter-Plattformen wie den von der Alibaba Group betriebenen Onlineshop Tmall. Auch in Polen will Asambeauty noch dieses Jahr Fuß fassen. Insgesamt ist die Firma in etwa 60 Ländern vertreten.

    „Nur eine nachhaltige Unternehmensführung ist auch zukunftsfähig“

    Neben dem Ausbau des Onlinegeschäfts und der Internationalisierung hat die Firma auch im Bereich der Nachhaltigkeit klare Ziele: von umweltfreundlichen Verpackungen über Ökostrom für die Produktion und eine Zusammenarbeit mit der Klima-Kompensationsagentur Climate Partner bis hin zum Ausbau des sozialen Engagements.

    In Sachen Verpackung erhöht Asambeauty zum Beispiel den Anteil von recyceltem Plastik und setzt vermehrt Alternativen wie Glas ein. Der CEO hat eine klare Meinung: „Nur eine nachhaltige Unternehmensführung ist auch zukunftsfähig.“ Da das Thema eine immer größere Bedeutung für die Verbraucher hat, sind noch weitere Verbesserungen in Planung. Anfang kommenden Jahres will Asambeauty Nachfüllbeutel und Refill Cups mit in das Angebot aufnehmen. Zudem plant das Unternehmen eine eigene, zertifizierte Naturkosmetik-Linie. Das wünsche sich vor allem die Kundschaft.

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