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05.08.2022

17:32

Lichttechnik

Nach Sonderkonjunktur: Designerleuchten-Firma Occhio sucht Investor für Wachstum

Von: Arno Schütze

Der Münchener Hersteller ist durch den „Cocooning“-Trend in der Pandemie stark gewachsen. Für die nächsten Schritte soll neues Investorengeld her.

Das Münchener Unternehmen hat mit seinen hochwertigen Leuchtmitteln in der Pandemie vom Trend zur Inneneinrichtung profitiert. Occhio

Occhio-Gründer Axel Meise (l.) und CEO Benno Zerlin

Das Münchener Unternehmen hat mit seinen hochwertigen Leuchtmitteln in der Pandemie vom Trend zur Inneneinrichtung profitiert.

Frankfurt Die auf hochwertige Designerleuchten spezialisierte Münchener Firma Occhio ist Finanzkreisen zufolge auf der Suche nach einem Investor, der Kapital für weiteres Wachstum zur Verfügung stellt. Die vor fünf Jahren eingestiegene Beteiligungsgesellschaft EMH Partners will einen Part ihrer Mehrheitsbeteiligung abgeben. Auch die Gründerfamilie Meise will ihre Anteile reduzieren, wie mehrere mit der Transaktion vertraute Personen sagten.

Die Investmentbank Goldman Sachs organisiert den Investorenprozess, der in den kommenden Wochen starten soll. Occhio, EMH und Goldman Sachs lehnten Stellungnahmen ab.

Die derzeitigen Besitzer hoffen auf eine Bewertung von mehr als 600 Millionen Euro, einschließlich Schulden. Das entspräche dem 15-Fachen des für 2022 erwarteten Betriebsergebnisses (Ebitda) in Höhe von etwa 40 Millionen Euro.

Mögliche Bieter verweisen auf ein allmähliches Abflachen der Bautätigkeit und der allgemeinen konjunkturellen Entwicklung, was die Nachfrage nach Luxusleuchten und damit Occhios Bewertung schmälern werde. Sie erwarten entsprechend eine deutlich niedrigere Bewertung.

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    Der Markt für Lampen und Beleuchtung ist allein in Europa gut 50 Milliarden Euro groß, gilt aber als schwierig: Er ist stark fragmentiert, mit wenigen globalen Marken, und die Massenanbieter verbuchen nur wenig Wachstum.

    Der österreichische Zumtobel-Konzern zum Beispiel erwartet für das Geschäftsjahr 2021/22 ein Umsatzplus von drei bis sechs Prozent und eine Rendite (Ebit-Marge) von vier bis fünf Prozent. Signify, die ehemalige Lampensparte von Philips, hat dasselbe Umsatzziel, sieht bei der Marge (Ebita) allerdings rund elf Prozent in diesem Jahr.

    Der deutsche Hersteller Osram, der von der österreichischen AMS übernommen wurde, geht in seinem Leuchtengeschäft bis 2026 von einem Erlösplus von lediglich null bis drei Prozent aus. Nachdem sich die Firma von wenig rentablen Produkten getrennt hat, wird eine bereinigte Ebit-Marge von zwölf bis 17 Prozent angepeilt.

    Ausnahme sind Hersteller teurer Designleuchten wie Occhio, die ebenso Luxusprodukte für Privathaushalte anbieten wie hochwertige Beleuchtungskonzepte für Unternehmen. Das 1999 gegründete Unternehmen wuchs in den vergangenen Jahren zweistellig. Verbuchte die Firma Finanzkreisen zufolge im Geschäftsjahr 2020 bei 72 Millionen Euro Umsatz rund zehn Millionen Euro Betriebsgewinn, waren es vergangenes Jahr rund 30 Millionen Euro bei 120 Millionen Euro Umsatz

    Investoren drängen in die Branche

    Wettbewerber im Luxussegment berichten von ebenfalls starkem Wachstum. Die italienische Design Holding der Investoren Carlyle und Investindustrial etwa hat sich in den vergangenen Jahren ein Portfolio an Lampen- und Möbelmarken zusammengekauft.

    Das Ziel: ein „LVMH des Design“ zu schaffen, wie Firmenchef Daniel Lalonde sagt. Die Gruppe verbuchte 2021 bei 676 Millionen Umsatz ein Ebitda von 161 Millionen, jeweils gut 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Lampensegment bietet die Holding Marken wie Flos oder Louis Poulsen an.

    Auch Firmen wie Artemide mit der bekannten „Tolomeo“-Leuchte oder Foscarini mit der im Mai gekauften deutschen Firma Ingo Maurer mit der Marke „Zettel'z“ freuen sich Branchenkreisen zufolge weiterhin über stabile Wachstumsraten und Gewinne.

    Das „Cocooning“ während der Coronapandemie spielte dabei eine Rolle. Viele wohlhabende Privatkunden nutzten die Lockdowns, um das Eigenheim zu verschönern und das Homeoffice mit hochwertigen Arbeitsleuchten auszustatten. „Wir scheinen eine Sonderkonjunktur zu haben“, hatte der Gründer Axel Meise nach Ausbruch der Coronapandemie im Handelsblatt-Interview erklärt.

    Mithilfe des Investors EMH internationalisierte Occhio in den vergangen Jahren sein Geschäft. Zuletzt eröffnete die Firma im April einen Flagshipstore in Schanghai, inklusive VIP-Raum für Teezeremonien. Im Herbst 2021 übernahmen die Münchener das Wiener Unternehmen LR Innovation Lab.

    Wie in anderen Branchen gestaltet Private Equity auch hier zunehmend den Markt. Zuletzt hatte Ende Juli die Hamburger Private Assets AG den Beleuchtungsanbieter Insta Lighting gekauft.

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