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23.03.2021

18:12

Lieferdienst

Hellofresh baut eigene Kühlwagenflotte auf

Von: Christoph Kapalschinski

Thomas Griesel, Mitgründer des Kochboxen-Versenders, nutzt den Wegfall eines Lieferpartners, um den Kunden mehr und schnelleren Service zu bieten.

Der Co-Chef von Hellofresh baut eine eigene Kühllogistik auf – und macht so aus der Not eine Tugend. PR

Thomas Griesel

Der Co-Chef von Hellofresh baut eine eigene Kühllogistik auf – und macht so aus der Not eine Tugend.

Hamburg Thomas Griesel traf die Nachricht überraschend: Ende 2020 verkündete die Otto-Gruppe das Aus für ihren schnellen Lieferdienst Liefery. Für Griesel ein Problem: Er ist einer der beiden Gründer und Vorstandschefs von Hellofresh und als solcher zuständig für die Logistik des Kochboxen-Versenders. Mitten im Corona-Boom des Bestelldienstes brach ein wichtiger Lieferpartner weg.

Schnell traf Griesel eine Entscheidung: Hellofresh baut eine eigene Lieferlogistik auf, statt allein auf Anbieter wie DPD und UPS zu bauen. „Unser Ziel ist es, bis zum dritten Quartal ein Drittel unserer Kunden in Deutschland selbst zu beliefern“, kündigte Griesel im Gespräch mit dem Handelsblatt an. Erste Auslieferlager sind bereits in Betrieb. Bislang liefern nur kleinere Spediteure als Subunternehmer aus, bald sollen jedoch eigene Hellofresh-Kühlwagen hinzukommen.

Der 34-Jährige verspricht sich von dem Projekt viel: „Eine eigene Flotte ermöglicht uns flexiblere Lieferzeiten und mehr Nachhaltigkeit“, sagte er. In den Großstädten werden Zeitfenster von zwei bis drei Stunden möglich – bislang sind es oft halbe oder ganze Tage.

Zudem sollen es elektrisch betriebene Kühlwagen von Mercedes erlauben, auf Kühltaschen und Eisblöcke in den Boxen zu verzichten. „Anders als große Logistiker können wir ganz neu starten und müssen keine Rücksicht auf bestehende Infrastruktur wie Dieseltransporter nehmen“, sagte Griesel.

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    Stemmen kann Hellofresh das Projekt auch wegen des großen Bestellplus in der Pandemie. Die Zahl der Kunden ist weltweit um 78 Prozent auf 5,29 Millionen gestiegen. Der freie Cashflow lag 2020 bei 499 Millionen Euro, nachdem im Vorjahr noch 11,8 Millionen Euro verbrannt worden waren.

    Der rasche Aufbau der Logistik koste „mehrere Millionen Euro“, sagte Griesel. Innerhalb von zehn Wochen hat sein Team Auslieferlager in Berlin, Hamburg, Köln, Düsseldorf, München und Wien angemietet und eröffnet.

    Dorthin liefert die zentrale Produktion aus Verden bei Bremen. Anschließend geht es per Transporter zu den Kunden, gesteuert durch eine eigene Routenplanungs-App, die den Kunden erstmals genaues Tracking ermöglicht. Dabei hilft, dass Hellofresh in Belgien und den Niederlanden bereits ausschließlich mit eigenen Fahrzeugen ausliefert.

    150 Millionen Euro für Logistikausbau

    Griesel will mit dem neuen Modell auch die Konkurrenz, etwa von Marley Spoon, auf Abstand halten. „Es wird so noch schwieriger, unser Modell zu kopieren“, sagte er. Schließlich müssen Angreifer auf die Standardangebote der Logistiker zurückgreifen – während gleichzeitig neue Modelle wie die superschnellen Online-Supermärkte Gorillas und Flink neue Servicestandards setzen.

    Sie bauen ganz auf eigene Fahrer, die innerhalb von Minuten liefern. Gerade bei der Neukundengewinnung ist es für Hellofresh daher wichtig, die Zeit von der Bestellung bis zur ersten Lieferung zu verkürzen. Derzeit sind es noch mehrere Tage.

    Zugleich steigt die Komplexität. Griesel will neue Kunden erreichen, indem er etwa unter der Marke Every Plate günstigere Boxen anbietet. Zudem will er mehr Desserts und Snacks verkaufen und Frühstücksangebote machen.

    Derzeit sind allerdings die Kapazitäten wegen des Kundenzuwachses am Rand der Leistungsfähigkeit, sodass Hellofresh bereits das Neukundenmarketing zeitweise zurücknahm. Griesel hat daher für den weltweiten Ausbau der Logistik inzwischen mehr als 150 Millionen Euro für 2021 eingeplant.

    Griesels Lebenslauf liest sich fast prototypisch für einen Berliner Gründer. Der rheinische Lehrerssohn und Stipendiat der Studienstiftung hat die Unternehmeruni WHU im rheinland-pfälzischen Vallendar besucht. In dem 9000-Seelenort hat er mit seinem heutigen Co-CEO Dominik Richter zusammen in einer Wohngemeinschaft gelebt. Vormieter der Wohnung: die Gründer von Zalando.

    Den Modeversender und Hellofresh – das Unternehmen ist zehn Jahre alt – verbindet viel. Beide Gründerteams wurden vom Start-up-Konzern Rocket Internet unterstützt. Und beide gelten als Anwärter für den Dax, wenn der Leitindex im Sommer auf 40 Unternehmen vergrößert wird.

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