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11.05.2022

14:00

Lieferdienst

Seriengründer Stumpe kauft Online-Hofladen Frischepost

Von: Katrin Terpitz

PremiumDer Footprint Club aus Berlin will weitere nachhaltige regionale Direktvermarkter aufkaufen. Der Markt für E-Food wächst, ist aber hart umkämpft.

Frischepost arbeitet mit regionalen Anbietern zusammen. Das zahlt ein auf Frische und Nachhaltigkeit. Frischepost

Vielfältiges Sortiment

Frischepost arbeitet mit regionalen Anbietern zusammen. Das zahlt ein auf Frische und Nachhaltigkeit.

Düsseldorf Morgens geerntet, am selben Tag auf dem Teller, mit diesem Versprechen wirbt Frischepost aus Hamburg seit 2015 um Kunden. Der Onlinehofladen vermarktet neben saisonalem Gemüse und Obst auch Fleisch, Backwaren, Milchprodukte, Säfte, Wein und weitere Spezialitäten direkt von Erzeugern im Umland.

Nun hat die Berliner Entwicklungsgesellschaft Footprint Club das Unternehmen mit 130 Mitarbeitern komplett übernommen, wie das Handelsblatt vorab erfuhr. Dort wird Frischepost Kernstück der Strategie, Footprint Club zur führenden nachhaltigen E-Food-Plattform zu machen.

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Gründerin Eva Neugebauer, 33, wird alleinige Geschäftsführerin. Co-Gründerin Juliane Willing und Interims-CEO Tom Mayer, Ex-Digitalchef von Kik, bleiben beratend tätig. Alle 15 Gesellschafter, darunter Brigitte Mohn aus der Bertelsmann-Dynastie und der Fonds Bon Venture, verkauften ihre Anteile.

Ihre Geschäftsidee hatten die Gründerinnen im Anschluss an ihr BWL-Studium an der Unternehmer-Uni WHU in die Tat umgesetzt. Mehr als 2500 nachhaltige überwiegend regionale Produkte sind bei Frischepost im Sortiment. Diese werden mit einer eigenen E-Auto-Flotte in Mehrwegbehältern ausgeliefert. Inzwischen gibt es das Frischepost-Konzept auch in Berlin, Köln und im Rhein-Main-Gebiet.

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Standort erkennen

    Neugebauer, die zuletzt 21 Prozent an Frischepost hielt, erklärt die Gründe für den Verkauf: „Im aktuellen Wettbewerbsumfeld braucht es viel finanzielle Durchschlagkraft, um profitabel zu wachsen.“ Größe sei wichtig, um gegenüber dem konventionellen Lebensmittelhandel und dem Quick-Commerce zu bestehen.

    Schnelllieferdienste arbeiten nicht profitabel

    Investoren haben Milliardensummen in Schnelllieferdienste wie Gorillas, Flink, Picnic, Knuspr oder Bringmeister gesteckt. Keiner dieser aggressiv wachsenden Anbieter arbeitet hierzulande bisher profitabel – auch Online-Lieferpionier Rewe nicht. „Frischepost schreibt zwar noch keine schwarzen Zahlen, aber operativ sind wir seit drei Jahren profitabel“, sagt Neugebauer, ohne Details zu nennen. Der Umsatz habe sich 2021 verdoppelt.

    Die Gründerin bleibt bei Frischepost an Bord, Seriengründer Stumpe übernimmt mit seiner GmbH. Frischepost

    Eva Neugebauer und Michel Stumpe

    Die Gründerin bleibt bei Frischepost an Bord, Seriengründer Stumpe übernimmt mit seiner GmbH.

    Hinter dem neuen Eigentümer steht Seriengründer Michel Stumpe. Der 37-Jährige hat bereits drei Start-ups aufgebaut und an Strategen verkauft. Dazu gehört Mobile IQ, das Magazine und Zeitungen auf iPad und Smartphone bringt, Pressmatrix, das Publikationen digitalisiert, und Carjump (heute Free2Move). Über diese Plattform können Nutzer auf verschiedene Carsharing-Anbieter zugreifen. Das Start-up wurde 2016 an Autobauer PSA (heute Stellantis) verkauft.

    Den Footprint Club gründete Stumpe im November 2021 mit zwei Freunden. „Als Väter hatten wir das Bedürfnis, auf der Welt einen nachhaltigen Fußabdruck zu hinterlassen.“ Geschäftsziel: nachhaltige Lebensmittel für jedermann zugänglich machen. In den nächsten zwölf Monaten sollen neben Frischepost vier bis fünf weitere regionale nachhaltige E-Food-Firmen hinzukommen. Für 2023 peilt er bereits einen konsolidierten Jahresumsatz von 100 Millionen Euro an.

    Um ein Gefühl für die Branche zu bekommen, hatte Stumpe Ende 2021 „Alles vom Land“ gegründet. Die Firma vertreibt in Brandenburg nachhaltige Nahrungsmittel direkt von lokalen Erzeugern. „Beide Geschäftsmodelle lassen sich prima kombinieren“, findet Neugebauer. „Frischepost beliefert bisher Großstädter, ‚Alles vom Land‘ Kunden im Umland.“

    Die Expansion von Frischepost verlief bisher deutlich schleppender als erhofft. Der Franchisenehmer in München gab Ende März auf. „Er nannte den umkämpften Markt und persönliche Motive als Grund“, so Neugebauer. Sie schließt aber nicht aus, wieder in München aktiv zu werden.

    Deutschlandweit gibt es immer mehr regionale Onlinehofläden wie Wochenmarkt24, Marktschwärmer oder Einkaufen auf dem Bauernhof. Potenzial bietet der Markt nach Ansicht Stumpes genug. Frischepost bediene zwei große Trends: der zu regionalen nachhaltigen Produkten und der zum Onlineeinkauf.

    Lag der Anteil des Onlinehandels am Gesamtumsatz des deutschen Lebensmittelhandels 2021 noch bei nur zwei Prozent, könnte er bis zum Jahr 2030 auf bis zu acht Prozent steigen, schätzt das Handelsforschungsinstitut IFH. Damit würde sich der Onlineumsatz mit Lebensmitteln von 4,5 auf 22 Milliarden Euro fast verfünffachen. Frischepost hat bisher 30.000 Kunden, die pro Einkauf im Schnitt 70 Euro brutto ausgeben.

    Als Erstes will Stumpe die längst überfällige App für Frischepost an den Start bringen. Zudem baut er an einer digitalen Plattform für den Footprint Club. Darüber sollen alle Prozesse der künftigen E-Food-Firmen laufen – von Einkauf, Logistik und Warensteuerung bis Kundenakquise. „So können wir nachhaltig skalieren – ökologisch wie ökonomisch.“

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