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18.05.2022

15:03

Logistik

Container-Reederei auf Einkaufstour: CMA CGM wird Ankeraktionär bei Air France

Von: Christoph Schlautmann

Die weltweit drittgrößte Reederei nutzt ihre Milliardengewinne, um Ankeraktionär bei dem Luftfahrtkonzern zu werden. Der Einstieg folgt einer ambitionierten Strategie.

Die Reederei aus Marseille steigt als Ankeraktionär bei Air France-KLM ein. dpa

Containerschiff von CMA CGM auf der Elbe

Die Reederei aus Marseille steigt als Ankeraktionär bei Air France-KLM ein.

Düsseldorf Der französische Reedereiriese CMA CGM nutzt seine überbordenden Gewinne im Seefrachtgeschäft, um als Ankeraktionär bei der Fluggesellschaft Air France-KLM einzusteigen. Das gaben beide Konzerne am Mittwoch bekannt. Der Schifffahrtskonzern aus Marseille soll dabei neun Prozent an der Fluggesellschaft übernehmen.

Die Investition könnte im Zuge einer geplanten Kapitalerhöhung von Air France-KLM erfolgen, die schon Mitte Februar angekündigt worden war. Auf der Hauptversammlung am 24. Mai soll anschließend ein Reedereivertreter in den Verwaltungsrat gewählt werden.

Der Einstieg dürfte CMA CGM mehr als eine halbe Milliarde Euro kosten. Zwar bewertet die Börse Air France-KLM aktuell lediglich mit 2,67 Milliarden Euro, nachdem die Airline während der Coronapandemie tief in die roten Zahlen geraten ist. Die Konzernspitze aber peilt eine Kapitalerhöhung über vier Milliarden Euro an, um die französischen Staatshilfen für Air France zurückzuzahlen. Das vereinbarte Aktienpaket würde dadurch erheblich teurer.

An Geld aber mangelt es dem Seefahrtskonzern, der noch vor wenigen Jahren mit hohen Verlusten ringen musste, heute nicht mehr. Das abgelaufene Geschäftsjahr schloss CMA CGM mit einem Nettogewinn von 17,9 Milliarden Euro ab, was dem Zehnfachen des Vorjahres entsprach.

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Standort erkennen

    Der durch Hafenschließungen immer wieder gestörte Seeverkehr hat dazu geführt, dass sich die weltweiten Frachtraten seit Sommer 2020 zeitweise mehr als versechsfacht haben. Das hat die Kassen der global agierenden Containerreedereien massiv gefüllt.

    Für CMA CGM, nach den Rivalen MSC und Maersk die drittgrößte Containerreederei der Welt, ist der geplante Einstieg bei der französisch-niederländischen Fluggesellschaft jedoch nicht nur eine Kapitalanlage, sondern auch ein strategisch wichtiger Schritt.

    „Diese Partnerschaft entspricht voll und ganz der Strategie von CMA CGM, ein führendes Unternehmen in der integrierten Logistik zu werden“, erklärte Vorstandschef Rodolphe Saadé am Mittwoch. „Sie ermöglicht es uns, die Entwicklung unserer gerade gegründeten Luftverkehrssparte erheblich zu beschleunigen.“ Nun werde man die Reederei gemeinsam mit Air France-KLM „unter den weltweit führenden Akteuren in der Luftfracht“ positionieren.

    Reedereikonzerne kaufen kräftig zu

    Wie vielen anderen Containerreedereien reicht den Franzosen das Transportgeschäft auf See nicht mehr aus. Seit Sommer nutzen insbesondere die marktführenden Reedereien MSC, Maersk und CMA CGM ihre dank der hohen Frachtraten erzielten Gewinne, um die Reichweiten ihrer Lieferkette auszubauen.

    Zugekauft wird im Landverkehr, bei Lagereianbietern und Hafenterminals, besonders aber im Luftfrachtgeschäft. So verbündete sich der Genfer Rivale MSC Anfang des Jahres mit der deutschen Lufthansa, um nach der Alitalia-Nachfolgegesellschaft Ita Airways zu greifen, Hapag-Lloyd-Großaktionär Klaus-Michael Kühne stieg vor wenigen Wochen mit knapp über zehn Prozent bei der Lufthansa ein.

    Auch die dänische Reederei Maersk kündigte ein neues Luftfrachtangebot unter dem Namen „Maersk Air Cargo“ an. Man wolle mit eigenen Kapazitäten „von der Fabrik bis aufs Sofa“ liefern, begründete Maersk-Logistikchef Aymeric Chandavoine kürzlich die Einkaufstour.

    Mit der am Mittwoch bekannt gegebenen Industriekooperation treibt nun auch CMA CGM den Plan weiter voran, durchgängige Versand- und Logistiklösungen für die Kunden zu entwickeln. Der Startschuss fiel dazu bereits 2019, als man den Kontraktlogistiker Ceva übernahm. Kontraktlogistiker bieten üblicherweise Lagereidienstleistungen, Retourenlogistik und Speditionsdienste.

    Grafik

    Mit einem Gesamtbudget von zehn Milliarden Euro ging die Investitions- und Einkaufstour der französischen Reederei 2021 weiter. Drei Milliarden Dollar stellte Vorstandschef Saadé zur Verfügung, um einen Teil des US-IT-Unternehmens Ingram Micro zu übernehmen, darunter 59 Logistikzentren beiderseits des Atlantiks. In Los Angeles erwarb man für 1,8 Milliarden Dollar das Containerterminal Fenix Marine Services.

    Mit rund einer halben Milliarde Euro kaufte CMA CGM zudem im April 2022 den Autotransporteur Gefco, der zuvor Stellantis und dem russischen Bahnunternehmen RZD gehört hatte. Um tiefer ins E-Commerce-Geschäft einzudringen, griff die Reederei Ende Januar zudem nach einer Mehrheitsbeteiligung am französischen Paketdienst Colis Privé. Mit ihm schließt sie die Lücke bis zum Endkunden.

    DB Schenker zählt schon zur Kundschaft

    Auch den Einstieg ins Luftfrachtgeschäft besiegelte der Seefahrtskonzern bereits im vergangenen Jahr. Im März 2021 gründete Saadé die „CMA CGM Air Cargo“, die bislang mit vier Airbus 330F von Air Belgium betrieben wird. Zwei Frachtflieger vom Typ Boeing 777F sollen in wenigen Wochen folgen, vier weitere Airbus 350F sind für 2025 und 2026 bestellt.

    Mit ihrem 2021 gestarteten Aircargo-Geschäft hat die französische Reederei bereits prominente Kundschaft gefunden. „Wir nutzen deren Luftfrachtkapazitäten bereits seit mehreren Monaten“, sagte DB-Schenker-Vorstand Thorsten Meincke dem Handelsblatt.

    Die beiden französischen Konzerne wollen ihre Kräfte bündeln. Reuters

    Frachttransport einer Air-France-Maschine

    Die beiden französischen Konzerne wollen ihre Kräfte bündeln.

    Das eigene Luftfrachtnetz will die Reederei nun für mindestens zehn Jahre mit Air France-KLM vereinen. „Air France-KLM und CMA CGM werden sich der Frachtflugzeugkapazität der jeweiligen Fluggesellschaften anschließen und exklusiv betreiben“, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung. Die Flotte werde zunächst aus zehn Frachtflugzeugen bestehen, zwölf weitere seien bestellt. Die kommerzielle Partnerschaft umfasse außerdem die Frachtraumkapazitäten der Air-France-KLM-Passagiermaschinen, den sogenannten Belly-Stauraum.

    All dies kommt einer Kampfansage gleich. Mit einem jährlichen Frachtvolumen von 1,2 Millionen Tonnen zählte Air France-KLM zuletzt zu den Top Ten der Branche.

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