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05.08.2022

10:29

Logistik

Deutsche Post erleidet unerwartet starken Einbruch im Onlinehandel

Von: Christoph Schlautmann

Der Bonner Dax-Konzern übertrifft dennoch die Erwartungen der Analysten, weil das Frachtgeschäft weiterhin überraschend stark wächst.

Die Schwäche im Onlinehandel bereitet der Paketsparte Sorgen. Reuters

Deutsche Post

Die Schwäche im Onlinehandel bereitet der Paketsparte Sorgen.

Düsseldorf Der starke Einbruch im deutschen Onlinehandel dämpft das Wachstum von Deutscher Post DHL. Der europäische Marktführer im Paketgeschäft verlor hierzulande im zweiten Quartal 10,7 Prozent an Umsatz zum Vorjahr, was in der Kernsparte „Post und Paket Deutschland“ das Betriebsergebnis um fast ein Viertel auf 242 Millionen Euro zurückgehen ließ.

Auch das seit Jahren wachsende Expressgeschäft, mit dem DHL weltweit zeitkritische Sendungen im Übernachtgeschäft zustellt, zeigte erstmals Wachstumsschwächen. Zwar stieg der Umsatz weiter, unterm Strich sank aber das Betriebsergebnis um 6,5 Prozent. Konzernchef Frank Appel erklärte: „Belastend wirkten sich die temporären Lockdowns in China aus.“

Der Gesamtkonzern übertraf dennoch die Erwartungen der Analysten. So schaffte Deutsche Post DHL zwischen April und Juni einen Gewinn pro Aktie von 1,20 Euro, nach 1,05 Euro im zweiten Quartal des Vorjahres. Analysten hatten lediglich mit knapp einem Euro gerechnet.

Auch der Quartalsumsatz von 24 Milliarden Euro übertraf die Erwartungen. Allerdings stammten diesmal 530 Millionen Euro aus der Erstkonsolidierung des Spirituosen-Spediteurs Hillebrand, den der Konzern im vergangenen Jahr erworben hatte.

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    Die Ertragszuwächse kamen wie bereits zu Jahresbeginn aus der Fracht- und Speditionsdivision. Diese glichen den Rückgang im Paketgeschäft mehr als aus. Die von Tim Scharwath geführte Sparte, die vor wenigen Jahren noch als Sanierungsfall galt, profitierte von den hohen Frachtraten insbesondere im See- und Lufttransport. So wuchs der Quartalsumsatz um 55,8 Prozent auf 8,16 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis verdoppelte sich auf 746 Millionen Euro. Auch das Lagereigeschäft, das der Konzern unter dem Titel „Supply Chain“ führt, wuchs kräftig.

    Prognose steigt sogar leicht

    CEO Appel sagte: „Das gut ausbalancierte Portfolio des Konzerns entfaltete im zweiten Quartal 2022 erneut seine Stärke.“ Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr, nach der das Betriebsergebnis in einem Korridor von plus/minus fünf Prozent die Marke von acht Milliarden Euro erreichen soll, behielt er bei. Eine leichte Korrektur gab es sogar nach oben. „Bei einer unverändert fortgesetzten Geschäftsentwicklung hält der Konzern ein Ebit von mehr als 8,4 Milliarden Euro für möglich“, erklärte er.

    Beendet wird dabei das nationale Geschäft in Russland, also die Beförderung innerhalb des Landes. „Wir haben diese Entscheidung vergangene Woche getroffen“, sagte Appel. Finanzchefin Melanie Kreis erwartet daher Wertberichtigungen im laufenden dritten Quartal führen werde. Die Größenordnung entspreche der Wertberichtigung aus dem Auftaktquartal. Damals hatten die gesunkenen Geschäftserwartungen in Russland zu Wertminderungen in Höhe von 30 Millionen Euro geführt.

    Der wirtschaftliche Schaden ist überschaubar: Vor dem Ukrainekrieg erzielte die Post ein Prozent ihrer Umsätze dort. Es werde nun ein Sozialplan für die von der Entscheidung betroffenen Angestellten entwickelt, hieß es am Freitag. Im Im- und Exportgeschäft bestünden noch vertragliche Verpflichtungen, sagte Appel.

    Der Vorstandsvorsitzende gibt sich zuversichtlich. imago images/sepp spiegl

    Frank Appel

    Der Vorstandsvorsitzende gibt sich zuversichtlich.

    Trotz des guten Geasmtausblicks, den Appel gibt: Zuletzt hatten einige Anleger die Deutsche Post gemahnt. Das US-Analysehaus Bernstein Research erneuerte vor wenigen Tagen seine Bedenken: Der Logistikkonzern habe zwar im Hinblick auf die kommenden Jahre gute Perspektiven, kurzfristig aber bereiteten die Rückgänge bei den europäischen E-Commerce-Volumina Sorgen.

    Auch die Schere zwischen der bislang überbordenden Nachfrage und dem geringen Angebot an Flug- und Seefrachttransporten schließe sich allmählich wieder. Dies könnte die hohen Margen in der DHL-Frachtsparte bald unter Druck setzen. Bernstein-Analyst Alexander Irving bewertete die Aktie daher lediglich mit „Market-Perform“ und nannte ein Kursziel von 42,50 Euro, das nur knapp über dem aktuellen Wert liegt.

    Parallel dazu senkte die Schweizer Großbank UBS das Kursziel für die Deutsche Post von 60 auf 54,75 Euro, beließ die Empfehlung allerdings auf „kaufen“. Wegen der erwarteten Schwäche der Weltwirtschaft kappte Analyst Cristian Nedelcu zudem seine Ertragsschätzungen für 2023.

    Deutschlandweit war der Internethandel im Juni 2022 gegenüber dem Vorjahresmonat um 15,1 Prozent eingebrochen, wie das Statistische Bundesamt vor wenigen Tagen mitteilte. Als Grund nannten Experten des Handelsverbands Deutschland (HDE) die hohen Preissteigerungen durch den Ukrainekrieg, die bei den Konsumenten in den vergangenen Wochen zu einem Sparkurs geführt hätten. Der massive Rückgang gegenüber Juni 2021 war den Angaben zufolge das stärkste Minus binnen Jahresfrist seit 1994.

    Auch der US-amerikanische DHL-Konkurrent UPS litt im abgelaufenen Quartal unter den Folgen der Inflation, wie die Veröffentlichung seiner Zahlen vor wenigen Tagen zeigte. Allerdings rettete auch dort das boomende Frachtgeschäft mit den Firmenkunden die Erlöse.

    Bei einem Umsatzplus von 5,7 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar stieg das operative Ergebnis um 8,5 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar. Wie der etwas kleinere US-Rivale FedEx will sich Konzernchefin Carol B. Tomé auf Auslieferungen mit höheren Margen konzentrieren, um die wegen der Inflation schwindende Kauflust auszugleichen.

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