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25.07.2022

12:25

Logistikkonzern

Kühne+Nagel profitiert vom Logistikchaos – Chef Trefzger verabschiedet sich mit Gewinnsprung

Von: Jakob Blume

Der neue Chef, Stefan Paul, übernimmt einen hochprofitablen Konzern. Nun muss er Kühne+Nagel auf ein Ende der Logistik-Sonderkonjunktur vorbereiten.

Kühne + Nagel Bloomberg/Getty Images

Logistikzentrum von Kühne + Nagel in Deutschland

Der designierte CEO Stefan Paul hat die Lkw-Frachtsparte auf Gewinn getrimmt.

Zürich Kühne+Nagel profitiert vom weltweiten Logistikchaos. Der führende Händler von Frachtkapazitäten mit Sitz im Schweizer Ort Schindellegi hat im ersten Halbjahr seinen Gewinn von 764 Millionen Schweizer Franken auf 1,6 Milliarden Franken mehr als verdoppelt. Der freie Cashflow kletterte um 300 Prozent auf 1,7 Milliarden Franken. Das sind Mittel, die Kühne+Nagel etwa für Dividenden oder Tilgungen zur Verfügung stehen.

Detlef Trefzger, der zum 1. August den Chefposten bei Kühne+Nagel an seinen Vorstandskollegen Stefan Paul übergibt, sagte: „Die Unsicherheiten und Herausforderungen in den globalen Lieferketten setzten sich 2022 fort.“ Die Corona-Lockdowns in China sorgen für weiter hohe Kosten, besonders in der Seefracht.

Als weltgrößter Vermittler von Frachtkapazitäten konnte Kühne+Nagel diese Kosten erfolgreich an die Kunden weitergeben. „Auf Basis unserer digitalen Plattformen und Industrielösungen sowie des unermüdlichen Einsatzes unserer Mitarbeitenden konnten wir effiziente und komplexe Logistiklösungen für unsere Kunden realisieren“, erklärte Trefzger.

Die Seefracht ist der größte und am schnellsten wachsende Geschäftsbereich. Der Umsatz legte dort gegenüber dem ersten Halbjahr 2021 um 88 Prozent auf rund 9,9 Milliarden Franken zu. Der Vorsteuergewinn (Ebit) kletterte sogar um 140 Prozent auf 1,2 Milliarden Franken.

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    Das Logistikchaos in den Häfen Chinas und Europas lotste viele Kunden auf die firmeneigene Digitalplattform Sea Explorer. Kühne+Nagel-Kunden können ihre Lieferketten dort mithilfe von Echtzeitdaten neu planen. Die Nachfrage dürfte weiter hoch bleiben. Ein von Kühne+Nagel entwickelter Indikator, der die Wartezeiten in den Häfen weltweit misst, deutet auf eine weiterhin angespannte Lage in der Seefracht hin.

    Margen in See- und Luftfracht bei bis zu 62 Prozent

    Auch in der Luftfracht boomt es. Der Nettoumsatz kletterte im ersten Halbjahr um 59 Prozent auf 6,3 Milliarden Franken. Der Vorsteuergewinn verdoppelte sich auf 826 Millionen Franken. Kühne + Nagel teilte mit: „Im Geschäftsbereich Luftfracht führten vor allem die Sperrung des russischen Luftraums sowie der Lockdown in Schanghai zur kurzfristigen Umdisponierung vieler Routen.“

    Kühne+Nagel: Chef der Lkw-Frachtsparte Stefan Paul Kühne + Nagel

    Stefan Paul

    Der langjährige Chef der Lkw-Frachtsparte tritt im August den Posten als Vorstandschef an.

    Das Unternehmen erklärte: „Entsprechend hoch war im ersten Halbjahr 2022 der operative Aufwand“ – und damit die Marge des Logistikkonzerns. Kühne + Nagel misst diese als Verhältnis aus Ebit und Rohertrag. Diese lag in der Seefracht bei 62 Prozent, in der Luftfracht bei 51 Prozent.

    Positiv fällt auch die Bilanz der Lkw-Frachtsparte aus, die jahrelang als Problembereich bei Kühne + Nagel galt. Dort kletterte der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent, der Vorsteuergewinn verbesserte sich um 48 Prozent. Die Marge beträgt nur knapp zwölf Prozent, die Profitabilität bleibt damit weit hinter der See- und Luftfracht zurück.

    Neuer CEO überzeugt mit Gewinn der Lkw-Fracht

    Dass die Lkw-Frachtsparte einen positiven Ergebnisbeitrag liefert, gilt als Verdienst des designierten CEOs Stefan Paul. Der deutsche Manager war 2013 von DHL zu Kühne + Nagel gewechselt und hatte im Vorstand die Ressorts Lkw-Fracht und Vertrieb übernommen.

    Seine Erfolgsbilanz brachte ihm die Ende 2021 bekannt gegebene Nominierung zum Vorstandschef von Kühne + Nagel ein. Als CEO muss Paul den Konzern auf ein Ende der Logistik-Sonderkonjunktur vorbereiten.

    Zwar erwartet Jörg Wolle, Verwaltungsratspräsident von Kühne + Nagel, auch im zweiten Halbjahr eine hohe Nachfrage nach den Logistikdienstleistungen des Konzerns. Doch Vontobel-Analyst Michael Foeth geht davon aus, dass der Mix aus schwachem Wirtschaftswachstum und hoher Inflation auch Kühne + Nagel treffen wird. „Wir erwarten eine anhaltend schwache Entwicklung der Frachtvolumen und eine allmähliche Verringerung der Frachtraten, wodurch die starke positive Dynamik der letzten Quartale etwas zurückgehen wird.“

    Dagegen stemmt sich der Konzern mit Investitionen in Technologie und Digitalisierung – beispielsweise der digitalen Seefracht-Logistikplattform. Zudem hilft Kühne + Nagel der Ausbau der sogenannten Kontraktlogistik. Die Sparte beinhaltet Lösungen für den Onlinehandel. Gerade erst hat der Logistikkonzern den Grundstein für ein Verteilerzentrum für Adidas in Italien gelegt, mit dem der Sportartikelkonzern seine Waren in Südeuropa verteilen will. Das Geschäft mit Logistikzentren verläuft weniger schwankend als die See- und Luftfracht. Weitere Logistikdeals mit großen Kunden könnten unter Pauls Führung folgen.

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