Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

31.01.2022

15:01

Luftfahrt

Airlinemanager rechnen mit Buchungsboom im Sommer – und suchen verstärkt Personal

Von: Jens Koenen

Immer mehr Länder lockern die Coronamaßnahmen: Eurowings, Easyjet und Ryanair erwarten deshalb ein starkes Sommergeschäft und suchen neues Personal.

Die britischen Billigflieger rechnen für 2022 wieder mit einem fast normalen Reisebetrieb. Bloomberg

Ryanair- und Easyjet-Flugzeug

Die britischen Billigflieger rechnen für 2022 wieder mit einem fast normalen Reisebetrieb.

Frankfurt Die Lufthansa-Tochter Eurowings will in den kommenden zwölf Monaten 750 zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kabine und im Cockpit einstellen. Das kündigte Eurowings-CEO Jens Bischof am Montagmittag in einer Pressekonferenz an. „Wir erhalten mittlerweile täglich für Ostern und auch den Sommer Zehntausende Buchungen. Die Indizien für ein gutes Reisejahr verstärken sich“, sagte der Luftfahrtmanager. Bereits im abgelaufenen Jahr hatte Eurowings das fliegende Personal um 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgestockt.

Die Personalakquise ist der wohl deutlichste Beleg für die Zuversicht, die viele Airlinemanager trotz der gerade rollenden Omikron-Welle haben. Auch Rivale Easyjet geht davon aus, dass im Sommer deutlich mehr Flugtickets gebucht werden. Das Management nennt unter anderem die gelockerten Einreisebestimmung in Großbritannien als einen Grund für den Optimismus.

Easyjet erklärte deshalb am Montag, in den kommenden fünf Jahren 1000 Piloten einstellen zu wollen. Der irische Billiganbieter Ryanair wiederum will im Sommer mehr Flüge anbieten als vor Beginn der Pandemie. Die Kapazität, mit der man aktuell plane, liege derzeit 14 Prozent höher als 2019, sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary am Montag.

Airline-Manager wie Bischof von Eurowings verweisen auf die Erfahrung an Ostern im vergangenen Jahr. Damals wurden die Reisebeschränkungen in vielen Ländern aufgehoben, die Folge war ein regelrechter „Run“ auf Tickets etwa nach Mallorca. Um der starken Nachfrage Herr zu werden, hatte Lufthansa kurzzeitig sogar den Großraumjet Boeing 747 auf Flügen zur Balearen-Insel eingesetzt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Ob sich so etwas im laufenden Jahr wiederholen wird, ist noch offen. Doch erste Hinweise auf eine erneute Buchungswelle gibt es. So berichtet das Analyse- und Beratungshaus Travel Data + Analytics (TDA), dass seit dem Jahreswechsel verstärkt Flugtickets nachgefragt werden. Der Umsatz mit neuen Buchungen im Reisevertrieb läge in den ersten beiden Januarwochen 2022 über dem des gesamten Dezembers, erklärten die Experten von TDA.

    Bedürfnis nach Reisen steigt

    Dabei ist der Anteil der Buchungen für die wichtigen Sommermonate laut TDA bis Mitte Januar auf 64 Prozent gestiegen. „Die Tendenz stimmt“, heißt es bei TDA. „Je länger Kontaktbeschränkungen dauern, desto stärker wird das Bedürfnis zu reisen“, sagte Eurowings-Chef Bischof. „Wir haben das Auf und Ab schon im vergangenen Jahr erleben dürfen.“ Es sei absehbar, dass der Run kommen werde, sobald die Öffnungen verkündet seien. „Die Frage ist, wann, ob an Ostern oder erst zum Sommer“, so Bischof.

    Genauere Prognosen sind noch schwierig. Das hat Folgen für die Ticketpreise. Ryanair will das Geschäft zumindest in den nächsten Wochen, in denen sich viele Fluggäste wegen der Omikron-Welle noch zurückhalten werden, mit gesenkten Preisen ankurbeln.

    Doch sobald die Nachfrage steigt, hofft das Airlinemanagement, höhere Preise durchsetzen zu können. Das Kalkül dahinter: Da viele Fluggesellschaften noch nicht mit der vollen Kapazität fliegen, könnten die Tickets auf den besonders beliebten Strecken knapp werden. Das schafft Spielraum für teurere Tickets.

    Für die Luftfahrtmanager sind diese Wochen besonders schwer. Einerseits leiden sie stark unter der Pandemie. „Wir sind mittlerweile wieder in einem sehr schwierigen Winter, vor allem im Business-Segment“, sagte Eurowings-CEO Bischof. „Nur gut ausgelastete Flüge sollen abheben, es gilt, die Verluste zu begrenzen.“ Das sei auch für das Personal eine enorme mentale Belastung.

    Noch schreiben viele Airlines Verluste

    Wie schwierig die Situation ist, zeigen die aktuellen Zahlen von Ryanair. So zählte das Unternehmen im dritten Geschäftsquartal bis Ende Dezember 2021 rund 31,1 Millionen Reisende. Das sind immerhin fast viermal so viele wie ein Jahr zuvor im ersten Winter der Pandemie. Deshalb legte der Umsatz auf etwa 1,5 Milliarden Euro zu, wie aus den am Montag vorgelegten Zahlen hervorgeht. Dennoch musste die Airline das Quartal mit einem Verlust von 96 Millionen Euro abschließen, rund 70 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

    Auch für das laufende Geschäftsjahr, das bei Ryanair im März endet, geht O'Leary von einem Verlust zwischen 250 und 450 Millionen Euro aus. Noch vor wenigen Wochen hatte er nur ein Minus von bis zu 200 Millionen Euro prognostiziert.

    Gleichzeitig müssen die Fluggesellschaften mitten in dieser Verlustphase in den Ausbau ihres Angebots investieren und hoffen, dass es dann auch ausreichend Abnehmer findet. Eurowings-Chef Bischof ist aber zuversichtlich, dass das gelingen wird: „Das gute Referenzjahr könnte 2022 übertroffen werden“, zeigte sich Bischof optimistisch. Das starke Wachstum sei allerdings operativ eine Herausforderung, sagte der Airlinemanager mit Blick auf mögliche Verzögerungen an Flughäfen und bei Fluggesellschaften.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×