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27.07.2022

10:24

Luftfahrt

Auf dem Weg zum emissionsfreien Fliegen: Triebwerks-Spezialist MTU investiert in Wasserstoff

Von: Jens Koenen

Der Dax-Konzern forciert Studien für die fliegende Brennstoffzelle. Im Militärbereich muss MTU wertberichtigen, weil der Bund bei der Konkurrenz einkauft.

Der Dax-Konzern MTU investiert kräftig in die Erforschung und Entwicklung von Wasserstoff-Antrieben für Flugzeuge. dpa

Wartungsarbeiten an einem Triebwerk

Der Dax-Konzern MTU investiert kräftig in die Erforschung und Entwicklung von Wasserstoff-Antrieben für Flugzeuge.

Frankfurt Der Münchener Triebwerks-Spezialist MTU macht Tempo bei der Entwicklung nachhaltiger Flugzeugantriebe. Das Unternehmen investierte im ersten Halbjahr 2022 mit 135 Millionen Euro 32 Prozent mehr in die Forschung und die Entwicklung als in der ersten Hälfte des Vorjahrs. Das geht aus dem Halbjahresbericht hervor, den das Unternehmen am Mittwochmorgen publizierte.

Das Geld fließt unter anderem in Studien, mit denen der Dax-Konzern künftige Antriebe mit Wasserstoff und fliegenden Brennstoffzellen erforschen und entwickeln will. Die hohen Forschungs- und Entwicklungsausgaben würden belegen, „dass wir in die Zukunft einer nachhaltigen, emissionsfreien Luftfahrt und damit in die Zukunft der MTU investieren“, sagte CEO Reiner Winkler. Winkler übergibt die Leitung des Unternehmens am Jahresende an Technikvorstand Lars Wagner.

Die Luftfahrt steht beim Thema Klimaschutz unter großem Druck. Die EU-Kommission arbeitet an strengen Emissionszielen. Alternativen zum Verbrenner sind in der Luftfahrt aber rar. Der Einsatz von Batterien ist in größeren Verkehrsflugzeugen mangels ausreichender Leistung vorerst nicht möglich. Deshalb setzen Unternehmen wie MTU oder Airbus auf Wasserstoff. Doch bis solche Antriebe zugelassen und marktfähig sind, wird es noch viele Jahre dauern. MTU geht mit den Investitionen also eine gewisse Wette auf die Zukunft ein.

Die kann sich das Unternehmen leisten. Das operative Ergebnis schnellte in den ersten sechs Monaten um 53 Prozent auf 290 Millionen Euro in die Höhe. Die Ergebnismarge liegt bei 11,5 Prozent. Der Umsatz stieg um 23 Prozent auf 2,47 Milliarden Euro. „Marktdaten wie die Entwicklung der Verkehrszahlen im Passagier- und Frachtbereich und die Nachfrage nach neuen Flugzeugen deuten auf eine nachhaltige Erholung unserer Branche hin“, gibt sich CEO Winkler zuversichtlich.

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    Airbus und Boeing erwarten starke Flugzeugnachfrage

    Die beiden großen Flugzeughersteller Airbus und Boeing hatten vor Kurzem ihre langfristigen Prognosen für den Flugzeugmarkt aktualisiert. Boeing geht davon aus, dass in den kommenden zwei Jahrzehnten weltweit 41.170 Passagier- und Frachtmaschinen ausgeliefert werden. Rivale Airbus – für dessen Kurz- und Mittelstreckenjet A320 liefert MTU Triebwerkskomponenten – kalkuliert den Bedarf bis zum Jahr 2041 auf 39.490 Flugzeuge.

    Dazu will Airbus die Produktion der A320-Familie deutlich hochfahren. Die Ziele sind ehrgeizig. Aktuell werden 50 Flugzeuge im Monat gebaut, im Sommer kommenden Jahres sollen es 65 sein, so viel wie niemals zuvor. Für 2025 peilt der Flugzeugbauer dann sogar 75 Jets pro Monat an.

    Doch Zulieferern wie dem Triebwerkshersteller Pratt & Whitney ist das zu schnell. Erst 2026 könne man die eigene Produktion entsprechend hochgefahren haben, teilte das Unternehmen vor wenigen Tagen mit. Schon jetzt stehen Flugzeuge bei Airbus, die im Grunde fertig sind, die aber mangels Triebwerken nicht ausgeliefert werden können.

    Ein verzögerter Hochlauf bei den Motoren würde auch MTU treffen. Das Unternehmen produziert Niederdruckturbinen und Verdichter. Beides wird in Jet-Triebwerken wie zum Beispiel dem PW1100G-JM-Motor von Pratt & Whitney eingebaut. MTU-Winkler betonte, man sei für die Steigerung der Produktionszahlen gerüstet. „Wir sehen uns in der Lage, diesen Hochlauf zu stemmen. Die Lieferketten sind angespannt, aber unsere sind stabil, weil wir immer mehrgleisig fahren.“

    Eine Entscheidung der Bundesregierung stört das Geschäft

    Die zweite große Sparte ist die Wartung dieser Triebwerke. Daneben gibt es noch ein militärisches Geschäft. MTU ist zum Beispiel am geplanten europäischen Luftkampfsystem FCAS beteiligt. Im Militärgeschäft verhagelt eine Entscheidung der Bundesregierung die guten Geschäftsaussichten von MTU etwas.

    Das Unternehmen musste eine Wertberichtigung in Höhe von 24 Millionen Euro vornehmen. Der Grund: Die Bundeswehr soll nicht den Hubschrauber King Stallion von Sikorsky bekommen, sondern den Chinook von Boeing. Am Antrieb des Sikorsky ist MTU beteiligt, an dem des Chinook nicht.

    Dennoch bestätigt MTU die bisherige Prognose. Danach soll der Umsatz im laufenden Jahr 5,2 bis 5,4 Milliarden Euro betragen. Das bereinigte Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern soll im „mittleren 20er-Prozentbereich“ zunehmen. Auch für die nächsten Jahre sieht es gut aus. So konnte MTU auf der Luftfahrtmesse in Farnborough Aufträge in Höhe von 600 Millionen US-Dollar einsammeln. Der Auftragsbestand liegt damit auf dem bisherigen Rekordniveau von 24,56 Milliarden Euro.

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