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07.04.2022

16:52

Luftfahrt

Fluggäste brauchen Ostern viel Geduld – wenn ihr Flieger überhaupt abhebt

Von: Jens Koenen

Der erste Ansturm im Luftverkehr seit Beginn der Pandemie legt gravierende Probleme in der Branche offen. Warum sich diese nicht rasch beheben lassen.

Flughafen Hamburg dpa

Lange Schlangen am Flughafen Hamburg

Hier war es im März ein Streik des Sicherheitspersonals, der für Chaos sorgte. Das könnte sich wegen des Personalmangels an Ostern wiederholen.

Frankfurt Wer in den kommenden Tagen mit dem Flugzeug verreisen will, sollte viel Zeit und Geduld mitbringen. Überall mangelt es an Personal, Luftfahrtmanager warnen seit Monaten vor Engpässen. Doch erst jetzt, zu Beginn der Osterreisezeit, zeigt sich das ganze Ausmaß der Probleme. Im besten Fall müssen Passagiere länger warten, im schlechtesten fällt ihr Flug ganz aus.

Lufthansa will zum Beispiel eine einstellige Zahl an Flügen im Inland streichen. Weniger Flüge schaffen Luft für die Abfertigung der verbleibenden Verbindungen. Im Inland können die Kunden zudem am ehesten auf die Bahn umsteigen.

Auch andere Airlines werden wohl einzelne Verbindungen aus dem Plan nehmen. So erwartet der Flughafenbetreiber Fraport einige Absagen. Das ginge nicht anders, der Flugbetrieb müsse insgesamt stabilisiert werden.

Noch relativ glimpflich könnten Passagiere davonkommen, die mit den Ferienfluggesellschaften Tuifly oder Condor unterwegs sein werden. Alle Flüge würden wie geplant abheben, auch in Frankfurt, heißt es bei beiden. Dennoch könne es etwa an den Sicherheitskontrollen zu Wartezeiten kommen, warnt Tui. Die Kunden sollten am besten bis zu zweieinhalb Stunden vorher am Flughafen sein.

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    Dass trotz der frühen und zahlreichen Warnungen von Branchenvertretern gleich bei der ersten großen Reisewelle des Jahres ein Chaos droht, mag irritieren. Schließlich war Zeit, sich auf die Situation vorzubereiten. Doch so einfach ist das in der Luftfahrt nicht.

    Während der Pandemie haben viele Mitarbeiter, die an den Flughäfen ihren Dienst verrichten, der Branche komplett den Rücken gekehrt. Die Experten des Flughafenverbandes ADV gehen davon aus, dass bei den Bodenverkehrsdiensten – sie be- und entladen zum Beispiel die Flugzeuge – sowie bei den Sicherheitsdiensten 20 Prozent des Personals fehlen.

    Schwieriger Arbeitsmarkt und lange Schulungen erschweren eine rasche Lösung

    Zwar haben viele Firmen in der Luftfahrt versucht, ihre Mitarbeiter in der Krise über Kurzarbeitergeld zu halten. Doch angesichts des vergleichsweise niedrigen Lohnniveaus habe oft selbst ein aufgestocktes Kurzarbeitergeld nicht gereicht, um den bisherigen Lebensstandard zu finanzieren, sagte Fraport-Chef Stefan Schulte kürzlich dem Handelsblatt. Die Mitarbeiter seien von sich aus gegangen.

    Ersatz zu finden ist schwierig. „Wir treffen wie andere Branchen auch auf einen extrem schwierigen Arbeitsmarkt“, so Schulte. Allein am größten deutschen Drehkreuz Frankfurt sucht der Betreiber in diesem Jahr rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Gefunden hat Fraport bisher erst 300.

    Die, die das Unternehmen anheuern konnte, sind zudem nicht sofort einsatzfähig. So muss das Personal im Sicherheitsbereich erst länger geschult werden. Zwar laufen diese Schulungen in Frankfurt auf Hochtouren, aber es dauert.

    Problematisch sind vor allem der späte Vor- und der frühe Nachmittag. Dann gibt es in Frankfurt erfahrungsgemäß die meisten Starts und Landungen. In Summe erwartet Fraport um die Ostertage etwa 170.000 Reisende täglich, dazu etwa 1100 Starts und Landungen pro Tag. Bei vielen der Fluggäste müssten wegen Corona die Gesundheitsnachweise und andere Dokumente geprüft werden. Das belaste zusätzlich, heißt es beim Flughafenbetreiber.

    Auch der Flughafen München warnt vor längeren Wartezeiten wegen des hohen Verkehrsaufkommens und der Überprüfung etwa der Impf- und Testzertifikate. „Fluggästen wird deshalb empfohlen, einen entsprechenden Zeitpuffer bei ihrer Anreise einzuplanen und nach Möglichkeit bereits vor Reiseantritt online einzuchecken“, teilte der Airport mit.

    Grafik

    Haben es die Passagiere dann durch die Kontrollen am Airport geschafft und sitzen im Flugzeug, drohen neue Probleme. Auch bei der Steuerung des Luftraums gibt es Engpässe. Zum einen hat die französische Flugsicherung DSNA zu Beginn des Monats für Nordfrankreich ein neues System installiert. Das wird, wie immer in solchen Fällen, erst langsam bis auf Volllast hochgefahren. Bis dahin wird ein Teil des Verkehrs in den deutschen Luftraum verlagert. Das belastet die Deutsche Flugsicherung, die bereits vor Verspätungen gewarnt hat.

    Zudem bekommen die deutschen Lotsen zusätzliche Arbeit von polnischen Kollegen, die dortige Flugsicherung kämpft ebenfalls mit Personalproblemen. Zu all dem gesellt sich bei den europäischen Flugsicherungsbehörden auch noch der Mehraufwand durch die Umleitungen, die wegen des Kriegs in der Ukraine geflogen werden müssen. Immerhin: Bisher konnten die Lotsen die Situation laut DFS gut bewältigen.

    Aletta von Massenbach, die Chefin des Berliner Flughafens BER, hat vor wenigen Tagen noch auf ein weiteres Problem hingewiesen: Corona. „Wenn es in der ohnehin angespannten Personalsituation dann auch noch Ausfälle gibt, kann es zu Verzögerungen kommen“, warnte die Managerin. Die Omikron-Welle rollt weiter durch das Land. Immer wieder müssen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Quarantäne begeben.

    Ryanair-Chef fordert den Einsatz des Militärs bei den Kontrollen

    Einen Vorgeschmack auf das, was noch passieren könnte, geben Großbritannien und Irland. Dort haben Airlines wie Easyjet oder British Airways in den vergangenen Tagen zahlreiche Flüge abgesagt. Auch rund um Ostern werden wohl noch viele Flüge gestrichen werden. In Großbritannien sind alle Coronamaßnahmen weggefallen, aktuell infizieren sich dort sehr viele Menschen. So beklagen British Airways und Easyjet einen ungewohnt hohen Krankenstand.

    In Dublin bilden sich am Flughafen seit Tagen lange Schlangen, weil es in der Abfertigung hakt. Das hat Ryanair-Chef Michael O’Leary vor wenigen Tagen so sehr erbost, dass er sogar den Einsatz des Militärs in der Sicherheitskontrolle forderte.

    So weit ist es in Deutschland noch nicht. Die Luftfahrtunternehmen versprechen, die Situation so weit wie möglich unter Kontrolle zu halten. So will Lufthansa das Personal etwa an den Schaltern und den Gates verstärken. Zudem wird empfohlen, die Möglichkeit zu nutzen, seine Coronadokumente vorab für die Prüfung hochzuladen. Möglich sei das ab 72 Stunden vor dem Abflug.

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