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08.10.2021

14:42

Luftfahrt

Gewerkschaften knöpfen sich Eurowings Discover vor – Fernziel ist ein Tarifvertrag

Von: Jens Koenen

Die Vertretungen von Piloten und Kabinencrews wollen bei der neuen Lufthansa-Tochter einen Betriebsrat wählen lassen. Wegen der Pandemie könnte das eine Herausforderung werden.

Die Gewerkschaften des fliegenden Personals wollen bei der neuen Lufthansa-Tochter Betriebsratswahlen durchführen.

Jet von Eurowings Discover

Die Gewerkschaften des fliegenden Personals wollen bei der neuen Lufthansa-Tochter Betriebsratswahlen durchführen.

Frankfurt Für das Lufthansa-Management ist Eurowings Discover das kostengünstige Vehikel, um im hart umkämpften Geschäft auf der touristischen Langstrecke mithalten zu können. Die neue Tochter hat bisher weder eine Arbeitnehmervertretung, noch gibt es einen Tarifvertrag. Doch das könnte sich ändern. Die Vertretungen von Piloten (VC) und Kabinenmitarbeitern (UFO) wollen beim jüngsten Ableger der „Hansa“ einen Betriebsrat wählen lassen. Das gaben beide Gewerkschaften am Freitag bekannt.

„In einem ersten Schritt werden VC und UFO gemeinsam die Kabinen- und Cockpit-Kolleginnen und -Kollegen zu einer Betriebsversammlung einladen“, wird Stefan Herth, der Präsident der Vereinigung Cockpit, in einer Mitteilung zitiert. „Nur durch eine funktionierende Sozialpartnerschaft kann ein Betrieb gesund wachsen“, ergänzt Anja Bronstert, stellvertretende Vorsitzende der UFO.

Eurowings Discover steuert von Frankfurt und München Fernziele für Urlauber an. Aktuell fliegt das Unternehmen mit fünf Airbus 330, doch weitere Jets sollen dazukommen. Das Management von Lufthansa will die Tochter recht schnell wachsen lassen – erst recht, seitdem die USA angekündigt hat, die Grenzen ab November für geimpfte Europäer wieder öffnen zu wollen. So soll im Dezember Tampa in den Flugplan aufgenommen werden.

Damit tritt Eurowings Discover in den direkten Wettbewerb mit Condor. Mithalten kann die Airline allerdings nur, wenn sie sehr günstige Kosten hat. Denn Condor ist traditionell schlank aufgestellt. In der doppelten Krise – erst die Pleite der Mutter Thomas Cook, dann die Pandemie – hat das Condor-Management den Aufwand weiter gedrückt.

Deshalb dürfte die Lufthansa-Spitze die Ankündigung von VC und UFO sehr aufmerksam verfolgen. Denn das Fernziel hinter der Betriebsratswahl ist es, auch bei Discover einen Tarifvertrag auszuhandeln. Das hatten Vertreter von UFO bereits vor einigen Monaten deutlich gemacht.

Interner Wettbewerb zwischen den Lufthansa-Airlines

„Es ist möglich, zukunftsfähige Lösungen zu finden, welche die betriebswirtschaftliche Sicht der Arbeitgeber und den Wunsch der Arbeitnehmer nach guten Arbeitsbedingungen und fairer Vergütung gleichermaßen berücksichtigen“, ist Bronstert von der UFO überzeugt.

Ungewöhnlich ist, dass sich die VC und die UFO bei dem Vorhaben zusammengetan haben. Das zeigt, wie groß die Sorgen bei den Vertretungen des fliegenden Personals sind, dass Lufthansa die Tochter stark zulasten der etablierten Flugbetriebe ausbauen wird.

Teilweise kommen Personal und Fluggerät von Sunexpress Deutschland, die Lufthansa zu Beginn der Pandemie geschlossen hatte. Darüber hinaus wurde Personal von Germanwings und dem deutschen Standort von Brussels Airlines von Discover übernommen. Beide Ableger hatte der Konzern ebenfalls geschlossen. Von Unternehmensseite gab es zunächst keine Reaktion auf die Ankündigung von UFO und VC.

Doch auch auf die Gewerkschaften wartet eine Herausforderung. Sie müssen bei Eurowings Discover zunächst Kandidaten für eine Wahl finden und einen Wahlvorstand zusammenstellen lassen. Viele beim fliegenden Personal sind aber wegen der massiven Folgen der Pandemie stark verunsichert, teilweise befinden sie sich zudem noch in der Probezeit.

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