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07.09.2022

15:25

Luftfahrt

Kühne will doch mehr Aktien von Lufthansa zukaufen

Von: Jens Koenen

Der Logistikunternehmer hat vor, weitere Aktien von Europas größter Airline-Gruppe zu kaufen. Das ist aus mehrfacher Sicht gut für die übrigen Aktionäre.

Der Logistikunternehmer rückt Stück für Stück in die Rolle eines Ankeraktionärs. Carsten Dammann für Handelsblatt

Klaus-Michael Kühne

Der Logistikunternehmer rückt Stück für Stück in die Rolle eines Ankeraktionärs.

Frankfurt Unlängst hat Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne erklärt, seine Aktienanteile an Lufthansa nicht weiter aufstocken zu wollen. Nun folgt die Kehrtwende: „Ich hatte kürzlich ein konstruktives Gespräch mit den Vorsitzenden von Aufsichtsrat und Vorstand und habe mich daher der Absicht angeschlossen, bei sich bietenden Gelegenheiten weitere Lufthansa-Aktien zu erwerben“, teilte der 85-jährige Milliardär am Dienstagabend überraschend mit. Das ist eine gute Nachricht für Lufthansa-Aktionäre, und das aus mehreren Gründen.

Kühne besitzt 15,01 Prozent an Lufthansa. Damit ist er schon jetzt der größte Anteilseigner bei Europas größter Airline-Gruppe – noch vor dem deutschen Staat, der über den Währungsstabilisierungsfonds (WSF) zuletzt etwas weniger als zehn Prozent an Lufthansa hielt. Die Aussicht auf weitere Aktienkäufe dürfte den Kurs des Konzerns stabilisieren. Die Lufthansa-Aktie stieg dann am Mittwochvormittag auch um knapp ein Prozent.

Kühne sagt zwar nicht, woher er die Papiere bekommen will. Denkbar ist ein Zukauf über die Börse, oder der WSF gibt Aktien an ihn ab. Der Fonds hatte vor wenigen Wochen erklärt, seine verbliebenen Anteile bis spätestens Oktober 2023 veräußern zu wollen.

Analyst Alexander Irving von Bernstein Research verwies vor wenigen Tagen darauf, dass es für die Lufthansa-Aktie aufwärtsgehen könne, wenn die Treibstoffpreise sinken würden – oder eben die Bundesregierung einen Käufer für ihren Anteil fände.

Darüber hinaus rückt Kühne Stück für Stück in die Rolle eines Ankeraktionärs. Firmen, die einen solchen haben, gelten in der Regel als stabil und gesichert. Ein Investor, der viel Geld in ein Unternehmen steckt, hat ein Interesse daran, dass es langfristig erfolgreich ist. Das gilt besonders im Fall von Kühne.

Luftfrachtgeschäft der Lufthansa boomt

Kühne gehört die Schweizer Spedition Kühne+Nagel, er ist zudem Hauptaktionär der Reederei Hapag-Lloyd. Kühne+Nagel ist einer der größten Kunden der Lufthansa-Tochter LH Cargo. Wegen der Verwerfungen in den Lieferketten rücken seit einiger Zeit die verschiedenen Logistikanbieter zusammen. Das Engagement von Kühne bei Lufthansa fügt sich nahtlos in diesen Trend.

So ist der französische Reedereiriese CMA CGM kürzlich bei der Fluggesellschaft Air France-KLM eingestiegen. Die Reederei MSC aus Genf wollte zusammen mit Lufthansa bei der Alitalia-Nachfolgegesellschaft Ita Airways einsteigen. Der Plan scheiterte nur deshalb, weil die Politik in Italien nun doch deutlich mehr Mitsprache haben will. Die dänische Reederei Maersk hat wiederum angekündigt, ein eigene Luftfrachtangebot unter dem Namen „Maersk Air Cargo“ starten zu wollen.

Kühnes Übernahmeabsichten sind für andere Lufthansa-Aktionäre eine gute Nachricht. Bloomberg

Lufthansa

Kühnes Übernahmeabsichten sind für andere Lufthansa-Aktionäre eine gute Nachricht.

Kühne wird vermutlich mit seiner ganzen Erfahrung bei Lufthansa dafür sorgen, dass der Konzern bei der Neusortierung des Logistikmarktes vorn mitmischen kann. Auch das könnte sich für die übrigen Aktionäre als gut erweisen. Denn die Luftfracht boomt. Und derzeit geht kaum ein Experte davon aus, dass die starke Nachfrage bald enden wird. Die Probleme in den Lieferketten werden anhalten.

Um seine Vorstellungen durchzusetzen, dürfte Kühne bald einen Sitz im Aufsichtsrat verlangen. Sein Anteil von aktuell 15 Prozent verschafft ihm aber schon jetzt eine Machtposition. Die Präsenz auf Hauptversammlungen der „Hansa“ bewegte sich zuletzt bei nur etwa 30 Prozent.

Eine nominelle Sperrminorität in Höhe von mehr als 20 Prozent braucht Kühne also zur Einflussnahme gar nicht. Das konstatierte auch das Bundeskartellamt, als es grünes Licht für die Aufstockung von rund zehn auf 15 Prozent erteilte. „Aufgrund einer seit Jahren kontinuierlich geringen Hauptversammlungspräsenz rückt Kühne bei Lufthansa in die Stellung eines Minderheitsgesellschafters mit faktischer Sperrminorität ein“, schrieb die Behörde in der Erklärung.

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