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26.07.2022

14:27

Luftfahrt

Lufthansa muss wegen Warnstreiks fast alle Flüge am Mittwoch streichen

Von: Jens Koenen

Lufthansa annulliert mehr als 1000 Verbindungen, 134.000 Passagiere sind betroffen. Die Wut auf Verdi ist bei Urlaubern und Geschäftsreisenden groß.

Die Airline hat für Mittwoch quasi ihr gesamtes Flugprogramm abgesagt. dpa

Tafel mit Lufthansa-Flügen

Die Airline hat für Mittwoch quasi ihr gesamtes Flugprogramm abgesagt.

Frankfurt Der Warnstreik des Bodenpersonals von Lufthansa wird am Mittwoch massive Folgen haben. Die Airline streicht an den beiden Drehkreuzen Frankfurt und München fast ihr gesamtes Flugprogramm. Das teilte das Unternehmen am Dienstagmittag mit.

Laut Lufthansa müssen in Frankfurt 678 Flüge ausfallen, davon 32 bereits am Dienstag. In München sind es 646 Verbindungen. Betroffen sind nach Schätzung des Unternehmens allein an diesen Standorten 92.000 Fluggäste. In Summe werden mehr als 1000 Flüge ausfallen – mit 134.000 Passagieren.

Fluggäste ohne Umbuchungen sollten nicht zu den Flughäfen kommen, warnt Lufthansa. Es seien nur wenige oder gar keine Serviceschalter geöffnet. Auch sollten Umsteiger, die keinen sicheren Anschlussflug hätten, nicht an die deutschen Drehkreuze fliegen. Sonst würden sie Gefahr laufen, dort für Stunden oder gar Tage zu stranden.

Man arbeite mit Hochdruck daran, den Flugbetrieb wieder so schnell wie möglich zu normalisieren. Dennoch könnten die Streiks noch Folgen am Donnerstag und Freitag haben.

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    „Die frühe Eskalation nach nur zwei Verhandlungstagen in einer bislang konstruktiv verlaufenden Tarifrunde richtet enorme Schäden an“, sagte Michael Niggemann, Personalvorstand von Lufthansa. Das betreffe vor allem die Fluggäste in der Hauptreisezeit. „Und es belastet unsere Mitarbeitenden in einer ohnehin schwierigen Phase des Luftverkehrs zusätzlich stark.“

    Kritik an Verdi – Gewerkschaft verteidigt Streiks

    Der Arbeitskampf trifft die Luftfahrt in einer besonders betriebsamen Reisezeit. Nach zwei Jahren Pandemie wollen die Menschen wieder verreisen. Bis auf in Bayern und Baden-Württemberg sind zudem in allen Bundesländern Sommerferien. In Baden-Württemberg beginnen sie an diesem Wochenende. Gleichzeitig fehlt überall Personal, Lufthansa musste deshalb bereits 6000 Flüge streichen.

    Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat das Bodenpersonal der Lufthansa an Flughäfen wie Frankfurt, Düsseldorf, Köln, Hamburg, München oder Berlin von Mittwochfrüh, 3:45 Uhr, bis Donnerstagfrüh, 6 Uhr, aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Die Gewerkschaft will damit vor der nächsten Verhandlungsrunde in der kommenden Woche den Druck auf das Konzernmanagement erhöhen und spricht offiziell von einem „Warnstreik“.

    Dessen Ausmaß hat jedoch eine Debatte darüber ausgelöst, ob es sich wirklich noch um einen Warnstreik handelt. Personalvorstand Niggemann ist der Meinung, dass der Arbeitskampf kaum noch als solcher bezeichnet werden kann.

    Kommentare in den sozialen Medien zeigen, wie sehr die Nerven der Reisenden mittlerweile blank liegen. „Streikmaßnahmen auf dem Rücken von Familien austragen – das ist völlig daneben“, schreibt Carsten Maschmeyer, Unternehmer, Start-up-Investor und Vielflieger, auf LinkedIn. Dass die Situation an den Flughäfen aufgrund des Fachkräftemangels katastrophal sei und große Managementfehler gemacht wurden, sei unbestreitbar. „Bei allem Verständnis für die Lohnerhöhungen: Ein Streik mitten im bestehenden Urlaubschaos – damit verspielt Verdi jegliches Vertrauen und Unterstützung in der Bevölkerung.“

    Lohnerhöhungen seien in Zeiten der Inflation ein wichtiger Bestandteil der Zielvorgabe der Gewerkschaften, schreibt Daniel Messmer, Director der Swiss Re Europe, auf LinkedIn: „Nur, ehrlich, Lohnerhöhungen lösen das aktuelle Problem weder kurz- noch mittelfristig.“

    Man könne kaum noch von A nach B fliegen, klagt Dirk Kaven, Managing Director bei Kaven Consulting, auf LinkedIn – und sieht Lufthansa in der Pflicht: „Es ist unfassbar, wie unkalkulierbar Geschäftsreisen per Flugzeug geworden sind. Wenn ich mir die derzeitige Performance anschaue, frage ich mich ernsthaft, wieso Lufthansa nur einen Stern verloren hat …“ Jahrelang war Lufthansa Europas einzige Airline mit der 5-Sterne-Qualitätsauszeichnung der Beratungsgesellschaft Skytrax, doch vor Kurzem wurde ihr der fünfte Stern wegen Serviceproblemen entzogen.

    „Typisch Verdi. Anstatt dass sie den Business-Verkehr ins Visier nehmen, versauen sie lieber den Menschen den Start in den Sommerurlaub, als wäre es nicht schon nervig genug“, schreibt Daniel Föst, FDP-Politiker und Mitglied des Bundestages, auf Twitter.

    Dort keilt Verdi zurück: „Der Dank geht an die Lufthansa, die ein unfaires und unzureichendes Angebot vorgelegt hat. Sie hat diesen Streik provoziert und trägt durch ihr Missmanagement die Verantwortung für die Ausfälle.“ Verdi hatte Mitte Juli das Angebot von Lufthansa als unzureichend abgelehnt. Am 3. und 4. August soll weiterverhandelt werden.

    Weitere Flughäfen betroffen – Düsseldorf rechnet mit Ausfällen

    Noch nicht absehbar ist, welche Auswirkungen der Streik auf andere Fluggesellschaften haben wird. So wird auch das Personal der sogenannten Leos nicht arbeiten. Unter dem Namen Lufthansa Engineering and Operational Services übernehmen Lufthansa-Mitarbeiter an Flughäfen wie Düsseldorf einen großen Teil der sogenannten Push-Backs, das Zurückschieben der Flugzeuge vom Gate.

    Ohne diese Dienstleistung können auch Flugzeuge anderer Airlines nicht starten. Der Flughafen Düsseldorf warnt vor „gravierenden Beeinträchtigungen“ und empfiehlt, sich vor Anreise zum Flughafen zu informieren. Lufthansa übernehme dort 70 bis 80 Prozent der Push-Backs, heißt es.

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