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04.08.2022

22:29

Luftfahrt

Lufthansa und Verdi einigen sich auf deutliche Lohnerhöhungen für Bodenpersonal

Von: Jens Koenen

Die Lufthansa und die Gewerkschaft Verdi haben sich auf eine Tariferhöhung für die rund 20.000 Beschäftigten der Airline am Boden geeinigt. Die Löhne steigen in drei Stufen.

Einen Warnstreik hatte das Bodenpersonal schon hinter sich. dpa

Lufthansa

Einen Warnstreik hatte das Bodenpersonal schon hinter sich.

Frankfurt Endlich mal eine gute Nachricht für Fluggäste. Die Lufthansa und die Gewerkschaft Verdi haben sich auf eine Tariferhöhung für die rund 20.000 Beschäftigten der Airline am Boden geeinigt. Es seien spürbare Gehaltssteigerungen vereinbart worden, die überproportional für die unteren Vergütungsgruppen seien. Das teilte die Lufthansa am Donnerstag mit.

Bei der Lufthansa kommt es damit nicht erneut zu einem Streik der Beschäftigten an Check-in oder bei der Abfertigung von Flugzeugen. Ungelöst ist weiter der Tarifkonflikt mit den Piloten der Kernmarke Lufthansa und von Lufthansa Cargo.

Um den neuen Tarifvertrag war hart gerungen worden. Verdi hatte mit einem massiven Warnstreik in der vergangenen Woche großen Druck auf das Management aufgebaut. Lufthansa musste wegen des eintägigen Arbeitskampfes rund 1000 Flüge und damit fast das gesamte Flugprogramm an dem Tag streichen. Und das mitten in der Hauptsaison, die Reisenden wegen Störungen des Flughafenbetriebes aufgrund von Personalmangel in Europa ohnehin schon viel Geduld abverlangt.

Auch die bereits auf zwei Tage angesetzte dritte Verhandlungsrunde dauerte lange. Erst am späten Donnerstagabend gelang die Einigung. Diese sieht nach zwei Jahren Verzicht aufgrund der Coronakrise eine Lohnerhöhung von 200 Euro im Monat ab 1. Juli 2022 vor. Ab 1. Januar 2023 steigen die Löhne um 2,5 Prozent und ab 1. Juli 2023 nochmals um 2,5 Prozent.

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    Flugverkehr

    Lufthansa und Verdi einigen sich auf Lohnerhöhung für Bodenpersonal

    Flugverkehr: Lufthansa und Verdi einigen sich auf Lohnerhöhung für Bodenpersonal

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    Der neue Tarifvertrag, dem noch die Gremien und die Verdi-Mitglieder zustimmen müssen, sieht für untere Gehaltsstufen einen stärkeren Lohnzuwachs vor. Konkret bedeutet das: Wer eine monatliche Grundvergütung von 2.000 Euro hat, dessen Lohn steigt über die gesamte Laufzeit von 18 Monaten um 19,2 Prozent. Bei 3.000 Euro sind es 13,6 Prozent und bei 6.500 Euro dann 8,3 Prozent. Verdi hatte wegen der hohen Inflation ein Plus von 9,5 Prozent gefordert.

    Lufthansa sucht 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

    Nach der mittlerweile fast zweieinhalb Jahre dauernden Pandemie steht Lufthansa vor einer großen Herausforderung. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben das Unternehmen verlassen, zum Teil über Freiwilligenprogramme, zum Teil aber auch aus eigenem Antrieb, weil sie keine Chance mehr in der Branche sahen.

    Nun hat der Konzern zu wenig Beschäftigte für das geplante Wachstum. Am Donnerstagmorgen hatte das Management bekanntgegeben, in diesem und im kommenden Jahr insgesamt 10.000 neue Mitarbeiter einstellen zu wollen. Doch der Arbeitsmarkt ist knapp und Lufthansa hat auch wegen der massiven wirtschaftlichen Folgen der Pandemie an Attraktivität verloren.

    Schon die große Unsicherheit während der Pandemie hat viele der Lufthanseaten an ihre Belastungsgrenze gebracht. Hinzu kommen nun noch die aktuellen Probleme im Flugbetrieb. Alles das sorgt in der Belegschaft für großen Frust. Personalvorstand Michael Niggemann hatte in einem bei Lufthansa intern verbreiteten Interview in dieser Woche Verständnis für die schwierige Lage des Personals gezeigt. „Die Herausforderungen für die Beschäftigten sind enorm. Hinter ihnen liegen zwei Corona-Krisenjahre mit großen Unsicherheiten und finanziellen Einschnitten.“

    Gleichzeitig muss das Management aber die Bilanz im Blick behalten. Lufthansa musste mit staatlicher Hilfe gerettet werden. Die ist zwar mittlerweile zurückgezahlt, aber nun muss das Unternehmen einen großen Schuldenberg abbauen.

    Lufthansa Personalvorstand Michael Niggemann und die Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle (rechts) brauchten zwei Tage, um die vielen offenen Punkte zu klären. dpa

    Harte Verhandlungen zwischen Verdi und Lufthansa

    Lufthansa Personalvorstand Michael Niggemann und die Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle (rechts) brauchten zwei Tage, um die vielen offenen Punkte zu klären.

    Nicht nur mit Verdi gibt es einen Tarifkonflikt. Auch mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und der Kabinengewerkschaft UFO spricht das Management. Jetzt rächt sich, dass die Lufthansa-Spitze nicht frühzeitig noch während der Pandemie versucht hat, mit den Tarifpartnern neue Vereinbarungen zu treffen. Bestehende Krisentarifverträge liefen aus und es taten sich an mehreren Stellen gleichzeitig Tarifkonflikte auf – mitten in einer Zeit mit einer sehr hohen Inflation. Personalvorstand Niggemann betonte aber nach dem Kompromiss mit Verdi am Donnerstagabend den Einigungswillen mit der VC und UFO. Er sei zuversichtlich, auch hier gute Lösungen zu erzielen.

    Dass es in der Luftfahrt auch ohne Arbeitskämpfe geht, zeigt das Beispiel Condor. Dort stehen zwar aktuell keine Tarifverhandlungen an, wie eine Sprecherin der Ferienfluggesellschaft auf Anfrage mitteilte. Aber man sei trotz geschlossener Tarifverträge in fortgeschrittenen und guten Gesprächen mit den Gewerkschaften Verdi, VC und UFO für eine Gehaltserhöhung in Höhe von sieben bis neun Prozent über die nächsten zwei Jahre für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

    „Diese Gehaltserhöhung soll insbesondere die Wertschätzung des Unternehmens für das Engagement und den Einsatz der Condorianerinnen und Condorianer in diesem herausfordernden Sommer und den vergangenen Monaten zum Ausdruck bringen.“ Weitere Details nannte die Sprecherin mit Verweis auf die laufenden Verhandlungen nicht.

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