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25.07.2022

10:52

Luftfahrt

Mitten in der Feriensaison droht noch mehr Chaos: Bodenpersonal von Lufthansa will streiken

Von: Jens Koenen

Kurz vor der nächsten Verhandlungsrunde Anfang August erhöht Verdi den Druck. Passagiere müssen sich auf Flugausfälle und Verspätungen einstellen.

Lufthansa-Gate am Flughafen dpa

Lufthansa-Gate am Flughafen

Ein erstes Tarifangebot der Lufthansa hatte Verdi abgelehnt.

Frankfurt Die Entwarnung hielt nur kurz. Kaum hatte der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport von geordneten Abläufen am ersten großen Ferienwochenende in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland berichtet, da kündigt sich ein Streiktag an.

Das Bodenpersonal von Lufthansa wird am kommenden Mittwoch für einen Tag die Arbeit niederlegen. Die Gewerkschaft Verdi will mit dem Warnstreik im laufenden Tarifkonflikt den Druck auf das Lufthansa-Management erhöhen.

„Die Beschäftigten, die tagtäglich einem enormen Druck ausgesetzt sind, haben in der zweiten Verhandlungsrunde auf ein starkes Signal gewartet, mit dem man ein gutes Ergebnis hätte erzielen können“, erklärte Christine Behle. Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende ist zugleich Verhandlungsführerin. Das bisherige Angebot reiche aber „vorne und hinten nicht“.

Die Situation auf den Flughäfen eskaliere, die Überlastung der Beschäftigten aufgrund erheblichen Personalmangels, die hohe Inflation und ein dreijähriger Lohnverzicht würden die Beschäftigten immer mehr unter Druck setzen. „Sie brauchen dringend mehr Geld, und sie brauchen Entlastung – für sich selber und für die Passagiere“, sagte Behle.

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    Der Arbeitskampf, so er denn nicht noch durch eine Offerte von Lufthansa verhindert wird, dürfte für große Probleme im Flugbetrieb sorgen. Bis auf Bayern und Baden-Württemberg sind an dem Tag alle Bundesländer in den Sommerferien.

    Der Streikaufruf von Verdi gilt für alle Lufthansa-Standorte, also unter anderem Flughäfen wie Frankfurt, Düsseldorf, Köln, Hamburg, München und Berlin. Gestreikt werden soll von Mittwochfrüh, 3:45 Uhr, bis Donnerstagfrüh, 6 Uhr.

    Folgen auch noch am Donnerstag

    Bei einer entsprechenden Beteiligung der rund 20.000 Lufthanseaten am Boden wird die Abfertigung der Flugzeuge wahrscheinlich empfindlich gestört. Die Folgen dürften sich auch am Donnerstag noch auswirken. An dem Tag beginnen auch in Baden-Württemberg die Sommerferien.

    Behle bat die Passagiere um Verständnis und wies auf die äußerst problematische Situation der Beschäftigten hin, die vor allem durch Missmanagement verursacht worden sei. Man habe frühzeitig über den Warnstreik informiert, damit sich die Passagiere darauf einstellen und möglicherweise umorientieren können.

    Verdi habe nach nur zwei Verhandlungstagen einen Streik angekündigt, den man aufgrund der Breite über alle Standorte hinweg und der Dauer kaum noch als Warnstreik bezeichnen könne, sagte Michael Niggemann, Personalvorstand von Lufthansa: „Das ist umso unverständlicher, als die Arbeitgeberseite bereits hohe und sozial ausgewogene Vergütungserhöhungen angeboten hat, trotz der nach der Coronakrise wirtschaftlich für die Lufthansa weiter angespannten Situation, hoher Schuldenlasten und unsicherer Aussichten für die Weltwirtschaft.“ Nach den enormen Bemühungen zur Stabilisierung des Flugbetriebs bedeute der Streik eine erneute, erhebliche und unnötige Belastung für die Fluggäste und auch für die Mitarbeitenden über den Streiktag hinaus.

    Lufthansa hatte Mitte Juli ein Angebot vorgelegt, das Verdi aber als unzureichend abgelehnt hatte. Es umfasste Festbeträge und eine ergebnisabhängige Komponente bei einer Laufzeit von 18 Monaten. Verdi fordert dagegen bei zwölf Monaten Laufzeit 9,5 Prozent mehr Geld – auch mit Verweis auf die hohe Inflation.

    Die Gewerkschaft will vor allem die unteren Lohngruppen besonders versorgen. Darin ist sich Verdi mit dem Management von Lufthansa auch weitgehend einig. Doch die Lufthansa-Verhandler verweisen darauf, dass angesichts der Milliardenschulden des Lufthansa-Konzerns bei Lohnsteigerungen die Balance gewahrt bleiben müsse. Am 3. und 4. August wollen beide Seiten weiterverhandeln.

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