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03.03.2022

12:11

Lufthansa-Aktie

Nach der Krise ist vor der Krise: Lufthansa wagt wegen des Kriegs keine Prognose

Von: Jens Koenen

Lufthansa hat 2021 erneut Verluste geschrieben, dennoch sieht die Bilanz wieder besser aus. Doch der Ukrainekrieg könnte die fragile Erholung gefährden.

Lufthansa-Aktie: Lufthansa macht weiterhin Verlust imago images/photothek

Flugzeuge der Lufthansa am Flughafen Frankfurt

Europas größte Airline-Gruppe steht trotz erneuter Verluste im vergangenen Jahr mittlerweile wieder besser da.

Frankfurt Eigentlich wollte Carsten Spohr an diesem Donnerstag das Ende der Krise für die Lufthansa erklären. „Doch wir leben in einer Zeit, in der etwas Unvorstellbares Europa und den Rest der Welt erschüttert“, sagte der oberste Lufthanseat in einer Videokonferenz. An einem normalen Donnerstag hätten die Flugzeuge der Gruppe 4000 Passagiere nach Russland und in die Ukraine gebracht, nun stünden die Jets im Hangar. „Heute ist kein normaler Donnerstag“, sagte Spohr.

Die Pandemie ist noch nicht ganz vorbei, da gibt es schon die nächste Krise. Der Krieg in der Ukraine könnte die weitere Erholung der „Hansa“ erschweren. Das Problem: Noch sind die Folgen des geopolitischen Konflikts für die Luftfahrt nicht in Gänze zu erfassen. Deshalb traut sich Europas größte Airline-Gruppe auch keine konkrete Prognose für das laufende Jahr zu. Entsprechend verunsichert reagierten die Anleger. Die Lufthansa-Aktie verlor bis zum Mittag gut acht Prozent. Daran änderte auch die Versicherung Spohrs nicht, dass die Buchungszahlen immer noch sehr gut seien: „Die Nachfrage ist weiter hoch, aber die enorme Dynamik der letzten Wochen ist seit dem Beginn des Kriegs etwas schwächer geworden.“

2021 ist die Lufthansa in den roten Zahlen geblieben, der Konzern konnte das Minus allerdings deutlich reduzieren. Der Betriebsverlust (operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern) sank von 7,4 auf 2,3 Milliarden Euro. Der Konzernverlust betrug 2,2 Milliarden Euro, nach minus 6,7 Milliarden Euro im Jahr 2020. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um knapp 24 Prozent auf 16,8 Milliarden Euro.

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    Für das laufende Jahr geht das Lufthansa-Management trotz des Ukrainekriegs davon aus, dass sich das operative Ergebnis in den folgenden Quartalen verbessern wird. Ob in diesem Jahr schon schwarze Zahlen erreicht werden, ließ Spohr aber offen.

    Das zeigt die Unsicherheit, die der Ukrainekrieg ausgelöst hat. Der Ausfall der Flüge nach Russland und in die Ukraine ist dabei noch das kleinste Problem. „Es fehlt etwa ein Prozent des Umsatzes, aber was ist das im Vergleich zu dem, was uns in der Ukraine gerade beschäftigt“, sagte Spohr.

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    Größere Folgen hat, dass Flugzeuge in Richtung Asien umgeleitet werden müssen, weil der wichtige Luftraum über Russland gesperrt ist. Das betrifft aktuell vor allem die stark wachsenden und ertragreichen Frachtflüge. Die Jets müssen mehr Treibstoff an Bord nehmen, zulasten der Zuladung. Zwar entfallen im Gegenzug die hohen Gebühren für den Flug über Sibirien, dennoch rechnet der Lufthansa-Chef mit monatlichen Mehrkosten im einstelligen Millionenbereich.

    Noch gefährlicher sind die indirekten Folgen. Experten wie Alex Irving von Bernstein Research sehen vor allem zwei potenzielle Risiken: Zum einen wird der Krieg den Öl- und damit auch den Kerosinpreis weiter nach oben treiben. Am Donnerstag näherte sich der Preis für ein Fass (159 Liter) der Sorte Brent 120 US-Dollar, so viel wie seit vielen Jahren nicht mehr.

    Lufthansa-Finanzchef Remco Steenbergen verwies darauf, dass Lufthansa für dieses Jahr bereits 63 Prozent des Treibstoffbedarfs durch Hedging abgesichert habe. Auch bei den erforderlichen Emissionszertifikaten habe man vorgesorgt. Doch ein Restrisiko beim Kerosinpreis bleibt. Zum anderen steigt die Inflation rasant. In der Euro-Zone erreichte sie im Februar mit 5,8 Prozent einen neuen Rekordwert. Das treibt auch die Kosten der Lufthansa. Hinzu kommen steigende Gebühren an den Flughäfen und bei der Flugsicherung.

    Ticketpreise werden steigen

    Steenbergen richtete deshalb eine klare Botschaft an die Passagiere: „Die Ticketpreise müssen steigen, allein wegen der Treibstoffkosten und der Inflation“, sagte der Finanzvorstand. Das werde auch andere Airlines treffen, ergänzte Konzernchef Spohr.

    Gleichzeitig könnte die steigende Inflation aber auch die Budgets der privaten Haushalte schrumpfen, warnt Irving von Bernstein. Privat- und Urlaubsreisende sind es aber, die aktuell die Jets füllen. Das zeigt sich in den Lufthansa-Zahlen. Umsatztreiber waren im vergangenen Jahr die Billig-Plattform Eurowings mit einem Umsatzplus von 37 Prozent auf 822 Millionen Euro und die Frachttochter LH Cargo mit einem Zuwachs um 38 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro. Die Privatreisen nähern sich viel schneller wieder dem Vorkrisenniveau an als dienstliche Reisen. Davon profitiert vor allem Eurowings.

    Der CEO von Europas größter Airline-Gruppe schaut mit Sorgen auf den Krieg in der Ukraine. imago images/sepp spiegl

    Lufthansa-Chef Carsten Spohr

    Der CEO von Europas größter Airline-Gruppe schaut mit Sorgen auf den Krieg in der Ukraine.

    Lufthansa Cargo profitiert wiederum davon, dass die Lieferketten fragiler geworden sind. Schiffe stauen sich vor großen Häfen, deshalb wird mehr Frachtraum in den Jets gebucht, auch wenn dieser teurer ist. Seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine hat sich diese Situation noch verschärft.

    In Summe ist das Kerngeschäft der „Hansa“ mit dem Transport von Passagieren trotz des Schubs bei Eurowings 2021 in den roten Zahlen geblieben. Die Netzwerk-Airlines verzeichneten einen Betriebsverlust von 3,5 Milliarden Euro, Eurowings flog einen operativen Verlust von 230 Millionen Euro ein.

    Dagegen stechen auf der Ergebnisseite die Ableger jenseits der Passagiersparte hervor. Sie allein sicherten den Gewinn des Konzerns. Die Wartungstochter Lufthansa Technik konnte ihren Vorjahresverlust in einen Gewinn von 210 Millionen Euro drehen. Der Frachtableger steigerte sein Ergebnis auf knapp 1,5 Milliarden Euro, ein sattes Plus von mehr als 90 Prozent. Die Catering-Sparte LSG wandelte einen dreistelligen Verlust in einen kleinen Gewinn von 27 Millionen Euro um.

    Trotz des Konzernverlusts konnte das Lufthansa-Management aber die durch die Krise in Schieflage geratene Bilanz an wichtigen Stellen richten. Ende vergangenen Jahres verfügte der Konzern über eine Liquidität von 9,4 Milliarden Euro. Bis zum Beginn der Krise hielt das Management nur etwa zwei Milliarden Euro für ausreichend, künftig sollen es immer zwischen sechs und acht Milliarden Euro sein. Das belegt, wie sehr die Lufthansa-Spitze nach den Erfahrungen der Pandemie auf Nummer sicher gehen will. Das gilt auch für die Eigenkapitalquote. Sie stieg von 3,5 Prozent auf 10,6 Prozent.

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    Daran zeigt sich, dass die Lufthansa-Gruppe die Krise bisher besser gemeistert hat als die beiden anderen großen Airline-Gruppen in Europa. So musste Air France-KLM im vergangenen Jahr ein immer noch negatives Eigenkapital verarbeiten. Die britisch-spanische IAG mit den Marken British Airways, Iberia, Vueling und Aer Lingus schaffte 2021 nur eine bescheidene Eigenkapitalquote von 2,5 Prozent.

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