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29.12.2021

15:09

Mode

„Träumt groß! Alles ist möglich“ – So will Leena Nair Chanel umbauen

Von: Olga Scheer

PremiumIm Januar bekommt das Modeunternehmen eine neue Chefin. Bereits bei Unilever hat Leena Nair dafür gesorgt, dass die Führungspositionen zur Hälfte mit Frauen besetzt werden.

Zukünftige Chefin Leena Nair: Chanels neue Nummer 1

Leena Nair

Die gebürtige Inderin übernimmt im neuen Jahr den Chefposten von Chanel.

Düsseldorf Wenn Leena Nair eine Bühne betritt, betont sie, dass sie viel Interaktion mit dem Publikum brauche. „In meinem Lebenslauf steht, dass ich die beste Bollywood-Tänzerin in London bin“, sagte sie im Dezember bei einer Veranstaltung in London, bei der sie Schülern Einblicke in ihren Karriereweg gab. „Wenn ihr mir viel Energie gebt, kann ich sogar für euch tanzen.“ Vom ersten Moment an hatte sie das Publikum auf ihrer Seite.

Die gebürtige Inderin war fast ihr ganzes berufliches Leben bei Unilever. Vor drei Jahrzehnten begann die heute 52-Jährige als Trainee in ihrem Heimatland bei dem Konsumgüterhersteller. Im Januar wird sie zum französischen Modeunternehmen Chanel wechseln – und dort CEO. „Hätte mir jemand, als ich aufgewachsen bin, gesagt, dass ich das tun werde, was ich heute tue, ich hätte es ihm nicht geglaubt“, sagte sie bei der Veranstaltung. „Was ich euch damit sagen will: Träumt groß! Alles ist möglich.“

Leena Nair war die erste Frau, die erste Asiatin und die jüngste Personalchefin und Mitglied des Vorstands in der Geschichte von Unilever. „Es ist ein Privileg und eine Bürde, immer die erste Frau zu sein, die etwas tut“, sagt Nair. Als sie in Indien Elektro- und Telekommunikationstechnik studierte, war sie beispielsweise eine von 18 Frauen unter 3000 Männern.

Bei Unilever hat sie dafür gesorgt, dass die Hälfte aller Führungspositionen mit Frauen besetzt sind. Das Unternehmen hatte das Ziel bereits 2010 ausgerufen. Damals lag der Anteil weiblicher Führungskräfte bei 38 Prozent. „Es hat zehn Jahre gedauert, dieses Ziel zu erreichen“, sagt Nair.

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    Der Posten, den sie Ende Januar bei Chanel übernimmt, war lange vakant. Ihre Vorgängerin Maureen Chiquet wurde bereits 2016 entlassen. Offiziell hieß es, es habe unterschiedliche Auffassungen über die strategische Ausrichtung gegeben. Laut Medienberichten gab es aber immer wieder Querelen mit dem damaligen Chefdesigner Karl Lagerfeld, der mittlerweile verstorben ist.

    Eigentümer weiterhin an Führung beteiligt

    Seit 2016 führt Alain Wertheimer das Unternehmen interimistisch, das er zusammen mit seinem Bruder Gérard Wertheimer besitzt. Wertheimer wird mit der Übergabe an Nair Global Executive Chairman.

    Chanel gehört zu den noch familiengeführten internationalen Luxusunternehmen. Dabei hat das Unternehmen nicht nur mit seinen internen Machenschaften, sondern auch mit den Pandemiefolgen zu kämpfen. Im Geschäftsjahr 2020 ging der Umsatz im Vergleich zum Vorkrisenjahr um 18 Prozent zurück, der Gewinn reduzierte sich sogar um rund 41 Prozent. Der Erlös belief sich auf rund neun Milliarden Euro, der Gewinn lag 2020 bei 1,8 Millionen Euro.

    Die Pandemie machte auch dem französischem Modehaus zu schaffen. AP

    Chanel-Boutique in Paris

    Die Pandemie machte auch dem französischem Modehaus zu schaffen.

    Hinzu kommt, dass die Branche ein Diversitätsproblem hat. Für einen Aufschrei sorgte zum Beispiel, als H&M in einer Fotokampagne einen schwarzen Jungen mit einem Pullover mit der Aufschrift „I am the coolest monkey in the jungle“ zeigte. Dass es sich hierbei um Rassismus handelte, war in dem Modekonzern niemandem aufgefallen.

    Bei Chanel soll Nair nun für mehr Diversität sorgen. Bereits bei Unilever erkannte sie, dass Frauen zur Hauptzielgruppe in der Konsumgüterbranche gehören. Dass Frauen daher auch Managementpositionen übernehmen, war für sie nur logisch. Als nächsten Schritt galt es, dafür eine Struktur zu schaffen. Dazu gehörte auch die Möglichkeit, sich Posten zu teilen.

    „Durch die Augen der anderen schauen“

    In einem vor Kurzem erschienenen Interview mit dem Modemagazin „Harper‘s Bazaar“ betonte Nair, wie wichtig Empathie für sie sei. „Du wirst empathisch, wenn du durch die Augen der anderen schaust, deren Leben, deren Kämpfe siehst – dann siehst du, was es ihnen schwermacht, ihre Arbeit zu erledigen“, sagte sie dem Magazin.

    Als sie bei Unilever begann, durchlief Nair verschiedene Stationen. Zunächst verkaufte sie Tee, dann wurde sie Managerin in einem Werk im Süden Indiens. Für sechs Wochen zog sie in ein indisches Dorf, um den durchschnittlichen Konsumenten vor Ort besser kennenzulernen. „Ich lerne jeden Tag“, sagt Nair. Als Ingenieurin arbeitete sie zum Beispiel nur wenige Monate, bevor sie ins Personalwesen wechselte.

    Gerade in einer Welt, die immer digitaler wird, wird Menschlichkeit immer wichtiger, lautet eine ihrer Key-Messages. Mit diesem Ansatz unterscheidet Nair sich grundlegend von ihrer Vorgängerin Maureen Chiquet. In deren Buch „Beyond the Label“, das sie nach ihrem Ausscheiden bei Chanel veröffentlichte, beschreibt sie, wie sie an ihrem ersten freien Tag ihren Kleiderschrank aussortierte. Jahrelang trug sie jeden Tag eine Jeans, ein Top und ein Chanel-Jackett. Zum ersten Mal habe sie an diesem Tag realisiert, dass sich hinter der Uniform ein echter Mensch versteckt.

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