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05.05.2020

10:52

Modebranche

Wie Boss aus der Coronakrise kommen will

Von: Georg Weishaupt

Der Modekonzern muss sparen – beim Marketing, in seinen Läden und bei den Aktionären. Nur ins Online-Geschäft investiert Vorstandschef Langer weiter.

Die Modemarke musste ihre Geschäfte über Wochen schließen. Reuters

Hugo Boss

Die Modemarke musste ihre Geschäfte über Wochen schließen.

Düsseldorf Hugo Boss trifft die Coronakrise schwer. „Rund 75 Prozent unserer eigenen Geschäfts sind weltweit derzeit geschlossen“, sagte Vorstandschef Mark Langer in einer Telefonkonferenz zu den Zahlen für das erste Quartal 2020. Die fallen dann auch entsprechend schlecht aus: Der Umsatz sackte währungsbereinigt um 17 Prozent auf 555 Millionen Euro ab. Der operative Gewinn (Ebit) rutschte von plus 57 Millionen auf minus 14 Millionen Euro ab.

Und auch in den nächsten Monaten rechnet Langer nicht mit einer Erholung: „Wir erwarten, dass sich unser Umsatz in den Monaten von April bis Juni mindestens halbieren wird“, sagte Langer. Denn es kommen derzeit „viel weniger Kunden in die Geschäfte, die in Deutschland wieder geöffnet haben“, berichtet Langer. Deshalb muss er massiv gegensteuern, um Deutschlands größten Herrenschneider durch die Coronakrise zu führen.

Mark Langer, der Ende September abtritt, ist in seinen letzten Monaten an der Spitzes von Deutschlands größtem Herrenschneider als Krisenmanager gefordert. So will er die Kosten des Konzerns um mindestens 150 Millionen Euro drücken. Für einen Großteil der Beschäftigten in Deutschland hat Boss Kurzarbeit bis Ende Mai vereinbart. Der Konzern stockt das Kurarbeitergeld freiwillig auf mindestens 80 Prozent auf. Der Vorstand verzichtet von April bis Mai freiwillig auf 40 Prozent seiner Grundvergütung. Außerdem will Langer den Vertriebs- und Marketingaufwand verringern. Dazu gehören Gespräche mit den Vermietern, um die Mieten für die Boutiquen zu reduzieren.

Das wird aber nicht reichen, um die derzeitigen Probleme des Konzerns zu lösen. Langer hat die geplanten Renovierungen und Neueröffnungen eigener Geschäfte ausgesetzt. Das gesamte Investitionsbudget von ursprünglich 150 Millionen Euro will er so um ein Drittel kürzen. Gleichzeitig hat Boss die eigene Produktion heruntergefahren sowie die Lieferungen seiner Zulieferer reduziert, um seine Liquidität zu sichern. Auch die Aktionäre sollen bis auf die gesetzliche Mindestdividende von 0,04 Cent auf die Ausschüttung für 2019 verzichten.

Mit dem Sparprogramm will Langer insgesamt für 600 Millionen Euro zusätzliche Liquidität sorgen. Im ersten Quartal verfügte Boss über liquide Mittel von 102 Millionen Euro. Zusätzlich hatte der Konzern 122 Millionen Euro aus einem Konsortialkredit von 450 Millionen Euro in Anspruch genommen.

Persönliche Worte zum Abschied

Bislang brauchte Langer kein Personal abzubauen. „Das ist zur Zeit noch kein Thema“, sagte der Boss-Chef. „Aber wir können eine Personalanpassung in unserem weltweiten Geschäft in den nächsten Monaten nicht ausschließen.“

Langer will aber trotz aller Sparprogramme weiter ins Onlinegeschäft investieren. Denn da wächst Boss seit vielen Quartalen zweistellig, in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 39 Prozent. „Der Anteil des Online-Geschäfts am Umsatz ist auf elf Prozent weltweit gestiegen“, so Langer. In Deutschland liege der Anteil bereits bei „12 bis 15 Prozent“.

Langer wird das Krisenmanagement jedoch nur noch bis Ende September als Vorstandschef erleben. Dann wird Langer, der das Unternehmen seit vier Jahren führt, abtreten. Sichtlich bewegt, betonte er, dass ihm das Unternehmen am Herzen liege. Über die Gründe seines Abgangs „werde und kann ich nicht sprechen“, sagte Langer, der den Modekonzern nach 18 Jahren verlässt. Aufsichtsratschef Michel Perraudin sucht längst einen neuen Boss für Boss.

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