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03.11.2022

13:56

Modehandel

Zalando wächst erstmals in diesem Jahr – und ist trotzdem vorsichtig

Von: Nadine Schimroszik, Anja Müller

Europas größte Modeplattform trotzt der hohen Inflation und schlechten Konsumlaune. Der Dax-Konzern hat so viele Kunden wie nie zuvor.

Ein erneuter Kundenzustrom und die Einführung eines Mindestbestellwerts bescheren Zalando einen Gewinnsprung. imago images/Michael Gstettenbauer

Zalando-Outlet an der Königsallee in Düsseldorf

Ein erneuter Kundenzustrom und die Einführung eines Mindestbestellwerts bescheren Zalando einen Gewinnsprung.

Berlin, Düsseldorf Zalando wächst wieder: Im dritten Quartal sind die Erlöse um knapp drei Prozent auf 2,35 Milliarden Euro gestiegen. Das teilte das Unternehmen am Donnerstagmorgen mit. Es ist das erste Mal in diesem Jahr, dass die Berliner keinen Rückgang verbuchen.

„Wir haben Wachstum geliefert“, sagte Firmen-Co-Chef Robert Gentz. Zudem knackte Zalando die Zahl von 50 Millionen Kunden. Gentz sprach von einem Meilenstein für die 2008 gegründete Firma. Damit bleibt Zalando das größte Onlinemodeportal Europas.

Von den konjunkturellen Herausforderungen abkoppeln können sich die Berliner dennoch nicht. „Der Gegenwind für das Wachstum wird stärker“, sagte Gentz. Die Inflation erreiche Höchststände und die Konsumlaune Tiefstwerte.

Gentz: Ziel von 30 Milliarden Euro Bruttowarenwert schwerer zu erreichen

Deswegen ist Zalando mit Prognosen für 2023 vorsichtig und hinterfragt zudem seine vom Kapitalmarkt genau beobachteten Mittelfristziele. Zalando plant weiterhin, den Bruttowarenwert im Jahr auf mehr als 30 Milliarden Euro hochzuschrauben, sagte Gentz.

Im Moment sei es allerdings weniger wahrscheinlich, dieses Ziel bereits 2025 zu erreichen. Für 2022 rechnet Zalando mit einem Bruttowarenwert von rund 15 Milliarden Euro und damit lediglich rund der Hälfte der Zielvolumina.

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„In diesem herausfordernden Marktumfeld werden wir weiterhin umsichtig handeln und Maßnahmen zur Verbesserung der Profitabilität vorantreiben“, erklärte der Co-Chef. Um Kosten zu sparen, hat Zalando seine Marketingausgaben reduziert und einen Mindestbestellwert in allen 25 Ländermärkten eingeführt.

Gebühren für Retouren will das Unternehmen weiterhin nicht nehmen. Die Mitarbeiterzahl ging erneut leicht zurück auf nunmehr weniger als 17.000. Erst kürzlich hat Nachhaltigkeitschefin Kate Heiny den Dax-Konzern verlassen.

Zalando hält an der Gesamtprognose fest

Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) stieg von Juli bis September aufgrund der jüngsten Maßnahmen um fast 38 Prozent auf 13,5 Millionen Euro. Unter dem Strich weitete Zalando allerdings seinen Verlust wegen Sondereffekten aus, von 8,4 auf 35,4 Millionen Euro.

Zalandos größter Konkurrent, das britische Unternehmen Asos, kämpft mit ähnlichen Problemen. Asos musste im abgelaufenen Geschäftsjahr zu Ende August sogar einen Einbruch des Ergebnisses um 105 Prozent verkraften und landete so in den roten Zahlen. Die Briten stellen nun ihr Geschäftsmodell auf den Prüfstand.

Zalando hält hingegen zumindest am noch im Sommer gesenkten Ausblick für das Gesamtjahr fest. Demnach rechnet das Unternehmen für 2022 weiterhin mit einem Wachstum zwischen null und drei Prozent und mit einem bereinigten operativen Ergebnis zwischen 180 und 260 Millionen Euro – allerdings nur noch am unteren Ende der Spanne.

Finanzchefin Sandra Dembeck sagte: „Das Konsumklima ist an einem neuen Tiefpunkt angekommen und die Inflation weiterhin hoch.“ Zugleich dämpfte sie die Erwartungen für das für die Modebranche wichtige Schlussquartal mit dem Weihnachtsgeschäft: „Es ist unklar, wie sich die Verbraucherausgaben im vierten Quartal entwickeln werden.“ Aktuell schauen Kunden Zalando zufolge vor allem nach günstigen und rabattierten Waren, allerdings auch nach Luxuskleidungsstücken. Der Wert des durchschnittlichen Warenkorbs war im dritten Quartal um zwei Prozent auf 56,20 Euro zurückgegangen. Die Zahl der durchschnittlichen Bestellungen legte hingegen leicht zu. Auch Amazon ist vorsichtig mit Blick auf das Weihnachtsquartal.

Zalando-Aktie steigt zwischenzeitlich auf mehr als 24 Euro

Analyst Volker Bosse von der Baader Bank erklärte, Zalando habe in der aktuellen Krise, die durch externe Faktoren wie den Ukrainekrieg, die hohe Inflation und die Kaufzurückhaltung geprägt sei, die „richtigen Maßnahmen eingeleitet“. Dazu zählte der Analyst die Plattformstrategie und die Zusammenarbeit mit dem stationären Handel.

Zudem profitiere Zalando auch von den aktuellen Herausforderungen, weil sich immer mehr Partner dem Zalando-Fulfillment-System anschlössen. Die Analysten der DZ Bank hoben hervor, dass der Partnerprogrammanteil am Bruttowarenvolumen um sieben Prozentpunkte gestiegen sei.

Manche der kooperierenden stationären Händler, die nicht namentlich genannt werden wollen, kritisieren, dass Kosten und Nutzen der Plattform für sie in keinem guten Verhältnis stünden. An anderer Stelle herrscht wiederum Zufriedenheit bei einem bedeutenden Partner: Die Bekleidungskette C&A hatte zuletzt die Zusammenarbeit mit Zalando weiter ausgebaut. Auf die Frage, ob die Modekaufhauskette mehr über Zalando verkauft, antwortete C&A-Digitalchef Joris Van Rooy: „Wir sind sehr zufrieden mit unserer Partnerschaft mit Zalando.“ Seit Beginn der Zusammenarbeit sei das Geschäft anhaltend gewachsen. Zalando kommt inzwischen auf 7300 stationäre Geschäfte, die an die Plattform angebunden sind, wie das Unternehmen mitteilte.

Am Donnerstag stiegen die Aktien gegen den Markttrend zwischenzeitlich um mehr als vier Prozent auf mehr als 24 Euro, lagen damit allerdings noch fast 67 Prozent unter dem Niveau von Anfang 2022. Im Dezember entscheidet sich, ob Zalando weiter im Dax gelistet wird. Börsenneuling Porsche drängt aktuell in Deutschlands wichtigsten Börsenindex.

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