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05.05.2022

17:09

Modeplattform

Kurs der Zalando-Aktie stürzt wegen Millionenverlust ab

Von: Anja Müller

PremiumEuropas größtes Modeportal meldet für das erste Quartal einen Verlust von 52 Millionen Euro. Der Versandhändler hält aber an den Jahreszielen fest.

Zalando imago images/Christian Kielmann

Zalando

Der Dax-Konzern mit Firmensitz in Berlin legte am Donnerstag Quartalszahlen vor. Die diesjährige Hauptversammlung findet am 18. Mai virtuell statt.

Düsseldorf Europas größtem Mode-Onlinehändler Zalando weht kräftiger Gegenwind entgegen. Im ersten Quartal ging der Umsatz erstmals zurück, und zwar um 1,5 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro, wie der Berliner Dax-Konzern am Donnerstag mitteilte. Nach einem außerordentlich starken Wachstum im Vorjahresquartal stieg das Bruttowarenvolumen im ersten Quartal 2022 nur um ein Prozent auf 3,2 Milliarden Euro.

Aus dem Nettogewinn wurde ein Nettoverlust. Wegen der weiterhin hohen Investitionen in das Logistiknetz rutschte Zalando in die roten Zahlen. Von Januar bis März wies das Unternehmen einen bereinigten Betriebsverlust (Ebit) von knapp 52 Millionen Euro aus. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2021 waren es noch plus 93 Millionen Euro. Auch die Ebit-Marge sank von 4,2 auf 2,4 Prozent.

Der Kurs der Zalando-Aktie verlor am Donnerstagnachmittag zwischenzeitlich mehr als 13,5 Prozent zum Vortag und fiel auf 32,10 Euro. Aus dem Handel gingen die Anteilsscheine des Dax-Konzerns 10,6 Prozent im Minus bei 33,21 Euro (Xetra). Der Kurs war bereits in den vergangenen Wochen immer weiter gesunken.

Co-Vorstandschef Robert Gentz sieht dafür vor allem die erwarteten Veränderungen des Konsumverhaltens nach der Pandemie als einen Grund – also dass die Kunden auch wieder einen Teil ihres Geldes im stationären Handel ausgeben.

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    Hinzu kämen die Inflation und der Krieg. Beides führe dazu, dass man entweder weniger und dafür hochpreisiger einkaufe oder eben preiswerter. Lieferkettenprobleme würden sich hingegen nur gering auswirken.

    Als wichtigste Maßnahmen verkündete Gentz, dass sowohl der Einkauf als auch die Kostenstruktur optimiert würden. Darüber hinaus würden die gestiegenen Logistikkosten an die Logistikdienstleister weitergegeben. Gründe für die schlechte Marge lägen vor allem in dem höheren Marketingaufwand und den zugleich gestiegenen Logistikkosten.

    Zalando will weiter an Zielen festhalten

    Trotz der Normalisierung will Zalando sowohl an den kurzfristigen als auch an den langfristigen Zielen weiter festhalten. So hält die Modehandelsplattform an ihrer Prognose für das Geschäftsjahr 2022 jeweils am unteren Ende fest.

    Das Bruttowarenvolumen sollte danach zwischen 16 und 23 Prozent wachsen, der Umsatz zwischen zwölf und 19 Prozent. Das bereinigte Ebit soll sich am unteren Ende der Spanne zwischen 430 bis 510 Millionen Euro befinden, die Investitionen eher bei 400 als 500 Millionen Euro liegen. Zalando will vor allem die Logistik ausbauen, unter anderem mit dem Bau neuer Logistikzentren in Frankfurt.

    Während das Bruttowarenvolumen leicht stieg, ist der Umsatz gefallen. Finanzvorständin Sandra Dembeck erklärte das damit, dass inzwischen 32 Prozent des Umsatzes durch das Partnergeschäft erwirtschaftet werden, dabei bekommt Zalando nur eine Gebühr für die Präsentation auf dem Portal und die Kosten erstattet, trägt aber auch das Risiko der Waren nicht so sehr. Gentz ergänzte, dass Zalando im Sortiment schneller reagiert habe als die Partner.

    Im Jahr 2021 hatte Zalando 10,35 Milliarden Euro umgesetzt, das Bruttowarenvolumen war auf 13 Milliarden Euro geklettert, und Zalando hatte 2021 die Erwartungen erfüllt. Das Ebit stieg 2021 um elf Prozent auf 468,4 Millionen Euro. Für 2022 stellt Zalando eine große Bandbreite zwischen 430 und 510 Millionen Euro in Aussicht.

    Die Profitabilität hingegen war 2021 leicht zurückgegangen. Die bereinigte Ebit-Marge sank 2021 von 5,3 auf 4,5 Prozent. Für 2022 wird eine Marge zwischen 3,7 und 4,1 Prozent erwartet. Der durchschnittliche Warenkorb schrumpfte leicht um 1,3 Prozent, obwohl Kunden im Vergleich zum Vorjahr im Schnitt 5,2-mal so oft bestellten – und damit so oft wie nie zuvor.

    Bei der Vorlage der Jahreszahlen im März rechnete das Unternehmen für das Jahr 2022 mit einem Umsatzzuwachs von zwölf bis 19 Prozent auf maximal 12,3 Milliarden Euro.

    Aktienkurs ist weit vom Höchststand entfernt

    Anfang Juli 2021 hatte die Zalando-Aktie ihren höchsten Kurs mit 105,90 Euro erreicht, der bisherige Tiefststand lag bei 35,12 Euro.

    Das mittlere Kursziel sehen Analysten bei 84,27 Euro. Im Herbst war das seit 2014 an der Börse notierte Unternehmen in den nun erweiterten Dax 40 aufgestiegen. In den vergangenen Tagen gehörte Zalando zu den Schlusslichtern im Leitindex.

    Volker Bosse, Analyst bei der Baader Bank, sieht auf der Habenseite bei Zalando, dass die Kundentreue und das Plattformgeschäft zugelegt haben. Im Soll sieht er dagegen die im Vergleich zu den vergangenen Pandemie-Jahren höheren Rücklaufquoten und die Überbestände in Produktkategorien wie T-Shirts und Wäsche. Das gilt auch für den um zwei Prozent auf 56,5 Euro gesunkenen durchschnittlichen Wert des Warenkorbs.

    Vor allem aufgrund der erhöhten Retouren und den gestiegenen Kosten für Fracht und Energie sind im ersten Quartal die Kosten für die Lieferung um zehn Prozent gestiegen. Die Baader Bank sieht Zalando aber weiter auf einem guten Weg, da Online-Shopping weiter Marktanteile gewinnen wird. Allerdings haben der Wettbewerb und die Marktunsicherheiten zugenommen. Vor allem die nachhaltige Reaktion der Konsumenten auf die gestiegenen Lebenshaltungskosten bleibt schwer vorhersehbar.

    Grafik

    Im April war das Unternehmen in die Schlagzeilen geraten, weil der im Sommer 2021 ausgeschiedene Vorstand Rubin Ritter eine Vergütung von 89 Millionen Euro erhalten hatte. Er hatte Aktienoptionen ausgeübt, die er in den Jahren 2011, 2013 und 2014 erhalten hatte.

    Die beiden Gründer und Co-Vorstandschefs Robert Gentz und David Schneider erhielten jeweils 45,5 Millionen Euro. Inzwischen hat das seit 2014 an der Börse notierte Unternehmen eine Deckelung für die Vergütung von Vorstandschefs von 15,75 Millionen Euro eingeführt, für weitere Vorstände liegt sie bei 10,5 Millionen Euro.

    Dembeck, die im März vom Caterer Compass Group zu Zalando kam, legte zum ersten Mal als neue Finanzvorständin die Zahlen vor. Der bisherige Finanzchef David Schröder ist nun COO. Die 47-Jährige ist nach Personalchefin Astrid Arndt die zweite Frau in dem sechsköpfigen Vorstand.

    Die Ziele von Zalando sind ambitioniert: Bis 2025 soll die Hälfte des Bruttowarenvolumens über Partner generiert werden, derzeit sind es 30 Prozent. Fast 7000 Läden verkauften europaweit über die Plattform Zalando.

    Aktuell können in 13 von 23 Märkten, in denen Zalando aktiv ist, Läden ihre Kleidungsstücke über Zalando verkaufen. Nach einer Phase während der Pandemie, wo diese keine Kommission bezahlen mussten, und einer Übergangsphase mit geringeren Gebühren werden heute wieder die kompletten Kommissionen an Zalando gezahlt.

    Auch beim Thema Nachhaltigkeit kommt Zalando voran, so seien inzwischen 140.000 Artikel nachhaltig, das sind knapp 22 Prozent des Bruttowarenvolumens, 2020 waren es 16 Prozent. Im Bereich Secondhandmode sind es inzwischen 400.000 Produkte im Angebot.

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