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22.02.2022

17:00

Nachhaltiges Fliegen

„Historischer Tag für die Luftfahrt“ – Airbus macht Druck beim Wasserstoff-Jet

Von: Jens Koenen

Der Luftfahrtkonzern testet mit dem Joint Venture CFM ab Mitte dieses Jahrzehnts Wasserstofftriebwerke. Für die Langstrecke setzt Airbus auf andere Lösungen.

Der Großraumjet soll als Demonstrator zum Einsatz kommen. Im hinteren Teil des Flugzeugs soll ein fünftes Triebwerk installiert werden, das mit Wasserstoff gespeist wird. Airbus

Airbus A380 mit Wasserstoffantrieb

Der Großraumjet soll als Demonstrator zum Einsatz kommen. Im hinteren Teil des Flugzeugs soll ein fünftes Triebwerk installiert werden, das mit Wasserstoff gespeist wird.

Frankfurt Airbus will mit einer neuen Partnerschaft Zweifel am ehrgeizigen Plan zerstreuen, bis 2035 ein mit Wasserstoff betriebenes Verkehrsflugzeug auf den Markt zu bringen. Der europäische Luftfahrtkonzern entwickelt zusammen mit dem Triebwerks-Joint-Venture CFM einen Technologiedemonstrator, der bis Mitte dieses Jahrzehnts einsatzbereit sein soll. Das gab Airbus bei einer virtuellen Pressekonferenz in Washington bekannt.

CFM ist ein Zusammenschluss des US-amerikanischen Konzerns General Electric und des französischen Luftfahrtunternehmens Safran. CFM hat bereits Triebwerke für Kurz-, Mittel- und Langstreckenflugzeuge entwickelt. Auf dieser Erfahrung wollen Airbus und CFM nun aufbauen.

„Heute ist ein historischer Tag für die Luftfahrt“, sagte Jeff Knittel, CEO von Airbus Americas, bei der Konferenz. „Wir müssen die Technologie testen, am Boden und in der Luft. Dazu werden wir ein fliegendes Labor entwickeln.“

Als Demonstrator soll der Großraumjet A380 zum Einsatz kommen. Im hinteren Teil des Flugzeugs soll ein fünftes Triebwerk installiert werden – ein herkömmlicher Gasturbinenmotor, der aber mit Wasserstoff gespeist wird. Dazu werden im hinteren Teil des Rumpfs auch vier Wasserstofftanks verbaut. In der Industrie werden schon länger Gasturbinen mit Wasserstoff betrieben. Die Idee ist also nicht neu, birgt im Flugzeug jedoch besondere Herausforderungen. So verbrennt Wasserstoff deutlich heißer als Kerosin.

„Wir haben noch einige Herausforderungen, aber wir sehen keine technologischen Hürden, die wir nicht bewältigen können“, zeigte sich Gaël Méheust, CEO von CFM, zuversichtlich.

Für die Tests wird der Jet von seinen herkömmlichen vier Motoren angetrieben, am fünften Triebwerk können während des Flugs umfangreiche Versuche durchgeführt werden. Sabine Klauke, Chief Technical Officer von Airbus, sagte dazu: „Wir werden jede Menge Daten sammeln können. Die Piloten haben Displays, auf denen sie die zentralen Kennzahlen des Testtriebwerks sehen können.“

Zentrale Technologie auf dem Weg zum klimaneutralen Fliegen

Auch wenn das Unternehmen nicht nur auf diesen Antrieb setzen will: Für Airbus-Chef Guillaume Faury ist Wasserstoff eine der zentralen Technologien auf dem Weg zu klimaneutralem Luftverkehr. Erzrivale Boeing hält sich bei dem Thema dagegen eher zurück und setzt für die geplante Klimaneutralität des Luftverkehrs bis 2050 auf synthetisches Kerosin.

Auch Reiner Winkler, Vorstandschef des Triebwerks- und Wartungsspezialisten MTU Aero Engines, hatte erst vor wenigen Tagen gewarnt, dass es noch sehr lange dauern werde, bis Flugzeuge mit komplett neuen Antriebstechnologien in einer signifikanten Größenordnung auf dem Markt seien.

Kritiker sehen gewaltige Herausforderungen für Wasserstoffantriebe in der Luftfahrt. Wasserstoff werde noch auf längere Sicht knapp sein, zudem fehle die Infrastruktur an den Flughäfen für die Versorgung der Jets. Auch reiche die Energiedichte nicht für Langstreckenflüge aus. Gerade die sind aber für den Hauptteil der globalen Emissionen in Höhe von 2,8 Prozent verantwortlich, die allein aus dem Luftverkehr stammen.

Airbus will bei der Entwicklung von Wasserstoffflugzeugen auch auf die eigenen Erfahrungen in der Raumfahrt setzen. Die Ariane Group ist ein Joint Venture mit dem auch an CFM beteiligten Luftfahrtunternehmen Safran. imago images / Lars Berg

Der Wasserstofftank einer Ariane-6-Rakete

Airbus will bei der Entwicklung von Wasserstoffflugzeugen auch auf die eigenen Erfahrungen in der Raumfahrt setzen. Die Ariane Group ist ein Joint Venture mit dem auch an CFM beteiligten Luftfahrtunternehmen Safran.

Auch Airbus denkt bei seinem Wasserstoffflugzeug zunächst an ein Regionalflugzeug mit 50 bis maximal 100 Plätzen. Auf der Langstrecke bleiben synthetische Kraftstoffe auch für Airbus-Chef Faury auf längere Zeit das Mittel der Wahl.

Dennoch entwickelt Airbus die Wasserstofftechnologie weiter, die von vielen Regierungen in Europa stark gefördert wird, auch in Deutschland.

Airbus erhöht den Druck auf Zulieferer

Airbus-Chef Faury hatte erst kürzlich den Druck auf die Zulieferer beim Thema neue Antriebstechnologien erhöht. Er schloss nicht mehr grundsätzlich aus, dass Airbus selbst in die Entwicklung neuer Flugzeugmotoren einsteigen könnte. Das würde die bisherige Arbeitsteilung in der Branche aufweichen, was bei Zulieferern für heftige Diskussionen sorgte.

Vor wenigen Tagen versuchte Faury dann, die Wogen zu glätten. „Ich habe nicht gesagt, dass wir unsere Strategie ändern werden“, erklärte er bei der Vorstellung der Geschäftszahlen für das Jahr 2021. Auch habe er nicht gesagt, Airbus wolle ein Hersteller von Flugzeugmotoren werden. Er sei lediglich gefragt worden, ob das Unternehmen dazu grundsätzlich fähig sei. Das habe er bejaht.

Außerdem baut das Airbus-Management seit Wochen das Geflecht der konzerneigenen Lieferfirmen um. Das soll das Unternehmen flexibler machen. Der Flugzeugmarkt verändert sich mit den neuen Antriebstechnologien dauerhaft, darauf will Airbus reagieren können.

So haben sich Vertreter des Unternehmens und der Gewerkschaft IG Metall vor Kurzem darauf geeinigt, in Deutschland zum 1. Juli eine neue Firma zu gründen, in der der bisher über das Unternehmen verstreute Komponentenbau gebündelt wird. Für die Fertigung der vorgelagerten Einzelteile der Zuliefertochter Premium Aerotec mit Standorten in Augsburg, Varel und in Rumänien will Airbus gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern ein Übernahmeangebot des deutschen Familienunternehmens Muhr und Bender (Mubea) prüfen.

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