Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

14.11.2022

19:43

Online-Händler

Entlassung von 10.000 Mitarbeitenden bei Amazon erwartet

Von: Katharina Kort, Stephan Scheuer

PremiumDer weltgrößte Online-Händler Amazon soll vor dem größten Stellenabbau in seiner Geschichte stehen. Davon soll auch der Dienst Alexa betroffen sein.

Einige Sparten des Online-Händlers schwächeln. Reuters

Amazon-Versand

Einige Sparten des Online-Händlers schwächeln.

New York, San Francisco Der weltgrößte Online-Händler Amazon steht vor einer Zäsur. Das Unternehmen wolle womöglich noch in dieser Woche mit der Entlassung von mehr als 10.000 Mitarbeitenden beginnen, wie übereinstimmend die US-Medien „New York Times“, Bloomberg und „Washington Post“ berichten. In den Tagen zuvor hatten bereits die Technologiefirmen Meta, Twitter und Salesforce den Abbau tausender Jobs angekündigt.

Bei Amazon sollen laut den Berichten vor allem Bürojobs wegfallen. Dabei soll der Abbau von Stellen bei Amazon-Geräten wie dem smarten Lautsprecher Echo und anderen Produkten mit dem Sprachassistenten Alexa im Vordergrund stehen. Weiter soll Personal im Handelsbereich und in der Personalabteilung reduziert werden. Die Cloud-Sparte AWS soll weniger von Kürzungen betroffen sein.

Besonders in der Logistik wie der Paketzustellung oder den Lagerhäusern beschäftigt Amazon viele Menschen, die auf Stundenbasis bezahlt werden. Oft arbeiten die Mitarbeitenden dort nur wenige Monate, bevor sie wieder kündigen. Daher kann Amazon in diesem Bereich Personal abbauen, ohne Kündigungen auszusprechen.

Zwischen April und September hatte Amazon bereits mehr als 80.000 Stellen reduziert, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht. Der Abbau sei vor allem im Logistikbereich gewesen, berichtete die New York Times.

Bislang hatte Amazon jedoch vor allem in der wichtigen Feiertagssaison zum Jahresende viel Personal gebraucht und auch das wichtigste Geschäft im Online-Handel gemacht. Nach dem Thanksgiving-Feiertag organisiert Amazon mit dem „Cyber Monday“ das größte Online-Shopping-Event der USA. Vor allem in Europa ist zudem das Geschäft rund um die Weihnachtsfeiertage besonders wichtig.

Online-Händler

Amazon will 10.000 Mitarbeiter entlassen

Online-Händler: Amazon will 10.000 Mitarbeiter entlassen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

In diesem Jahr könnten die Feiertage jedoch für Amazon so schwach wie noch nie ausfallen. Finanzchef Brian Olsavsky hatte Analysten gewarnt: „Wir sind uns darüber im Klaren, dass es verschiedene Faktoren gibt, die die Geldbörsen der Menschen belasten, und wir sind nicht sicher, wie hoch die Ausgaben für die Feiertage im Vergleich zum letzten Jahr sein werden.“

In der Umsatzprognose für das Schlussquartal dieses Jahres ging Amazon von einem Wachstum von rund zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus. Analysten hatten deutlich mehr erwartet.

Während der Corona-Pandemie hatte Amazon sein Geschäft massiv ausgebaut. Als Ladengeschäfte wegen Kontaktbeschränkungen schließen mussten, machte Amazon im Online-Handel Umsätze in ungekannter Höhe. In dieser Zeit verdoppelte das Unternehmen seinen Personalbestand.

Amazon investierte massiv in neue Datenzentrum, Büros, Lagerhäuser, Logistikzentren und andere Projekte wie neue Lieferwagen. Die Investitionsausgaben sprangen von knapp 17 Milliarden Dollar im Jahr 2019 auf 66 Milliarden Dollar alleine in den ersten neuen Monaten diesen Jahres.

Im Juli 2021 übergab Gründer Jeff Bezos den CEO-Posten an Andy Jassy. Dieser hatte die Cloud-Spare von Amazon aufgebaut. Investoren zeigten sich jedoch skeptisch gegenüber dem Kurs unter dem neuen CEO. Seit Jassy die Führung des Unternehmens übernahm, hat die Firma rund eine Billion Dollar an Marktkapitalisierung verloren.

Es sei ein positives Signal, sollte Jassy nun stärker auf die Kosten des Unternehmens schauen, meinte Analyst Brian Nowak von der Großbank Morgan Stanley. Die Zahl von 10.000 zur Disposition stehenden Stellen sei eher eine symbolische Größe angesichts des hohen Personalstandes bei dem Unternehmen.

Aber Jassy könnte Amazon nun stärker auf das Kerngeschäft konzentrieren, vermutete Nowak. Dafür könnte der Amazon-CEO andere Wetten wie Alexa, die Satellitenfirma Kuiper, die Tochterfirma für selbstfahrende Autos Zoox, Computerspiele oder den Gesundheitsbereich zurückfahren. Diese „Wetten“ verursachten derzeit Kosten von 10 Milliarden Dollar bis 15 Milliarden Dollar, schätzte Nowak.

Die möglichen Entlassungen bei Amazon kommen nur wenige Wochen vor der wichtigen Feiertagssaison. Sie zeigen, wie sehr auch der E-Commerce-Riese in Seattle von der sich abkühlenden Wirtschaft betroffen ist. Das hatte zuletzt auch das enttäuschende Quartalsergebnis gezeigt, das den Aktienkurs auf Talfahrt geschickt hat.

Amazon hatte während der Pandemie massiv expandiert und investiert. Doch nun ist das Geschäft schneller eingebrochen als erwartet. Amazon ist nach Twitter und der Facebook-Mutter Meta bereits der dritte Tech-Konzern, der in diesen Wochen Entlassungen plant. Eine Anfrage an Amazon blieb bis zur Veröffentlichung dieses Artikels unbeantwortet.  

Die 10.000 Jobs entsprechen drei Prozent der Büro-Mitarbeiter in den USA und weniger als ein Prozent der 1,5 Millionen Mitarbeiter weltweit. Erst zu Beginn des Jahres hatte Amazon noch die Bezahlung für seine Tech-Arbeiter verbessert, um sie zu halten. Nun könnten auch sie von den Entlassungen betroffen sein.

Anlässlich der Quartalszahlen hatte Finanzchef Olsavsky erklärt, dass Amazon die Inflation stark zu spüren bekommt, und gewarnt, dass sich das Wachstum deutlich verlangsamen wird. Auch die sonst immer lukrative Cloud-Sparte schwächelte zuletzt, weil auch Unternehmenskunden in dem unsicheren Umfeld vorsichtiger agieren.

Daraufhin war der Aktienkurs um rund ein Fünftel eingebrochen. Auch am Montag verlor der Aktienkurs nach einer Erholung in der vergangenen Woche wieder an Wert. Mit rund 99 Dollar liegt der Kurs weit unter dem Höchstkurs von 183 Dollar, den die Aktie während der Pandemie erreicht hatte.  

Auch verschiedene neue Geschäftsfelder wie physische Läden und Gesundheitsdienste haben nicht den erhofften Erfolg gebracht – genauso wie die margenschwachen Alexa-Lautsprecher, die laut laut „New York Times“ nicht die erhofften zusätzlichen Käufe lieferten.

Amazon hatte ursprünglich erwartet, dass mehr Kunden auch mündlich bestellen und nicht nur ihre Lieblingsmusik abspielen lassen oder nach dem Wetter fragen. Diese Sparte galt daher intern schon länger als mögliches Ziel von Kosteneinsparungen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×