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24.05.2022

15:51

Online-Modehändler

About You wächst langsamer – Aktie fällt so stark wie nie seit dem Börsengang

Von: Anja Müller

Der Online-Modehändler schreibt weiter Verluste. Hoffnung machen junge Kundinnen, die wieder ein typisches Verhalten aus der Zeit vor der Pandemie zeigen.

Konzernweit soll der Online-Modehändler im Geschäftsjahr 2023/24 die Gewinnschwelle erreichen. Johannes Arlt für Handelsblatt

About-You-Chef Tarek Müller

Konzernweit soll der Online-Modehändler im Geschäftsjahr 2023/24 die Gewinnschwelle erreichen.

Düsseldorf Ukrainekrieg, Inflation und Konsumzurückhaltung bremsen das Wachstum von About You. Der Onlinemodehändler rechnet damit, dass der Umsatz im seit Anfang März laufenden Geschäftsjahr um 25 bis 35 Prozent auf mehr als 2,1 Milliarden Euro steigt, wie das Unternehmen am Dienstag bei der Vorlage des Geschäftsberichts mitteilte. Im Vorjahreszeitraum kam About You noch auf einen Zuwachs von mehr als 48 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro.

Anleger reagierten enttäuscht auf den Ausblick. Die Aktien des Onlinemodehändlers fielen am Dienstagvormittag um fast 14 Prozent, so stark wie noch nie seit dem Börsengang vor etwa einem Jahr. Am Nachmittag lag das Minus bei zehn Prozent auf 8,21 Euro und damit rund einem Drittel des Ausgabepreises von 23 Euro. Das angepeilte Umsatzwachstum bleibe hinter den Markterwartungen zurück, sagte Analyst Volker Bosse von der Baader Bank.

Tarek Müller, Co-Chef von About You, erklärte, das Unternehmen habe vor allem in den an die Ukraine grenzenden EU-Ländern kriegsbedingte Effekte gesehen. „Dort sind wir auch Marktführer. Nachdem der Umsatz dort erst einmal heruntergegangen ist, haben wir wieder eine Erholung gesehen, auch in Deutschland“, sagte Müller dem Handelsblatt.

Die gute Nachricht sei: „Wir haben wieder ein Kundenverhalten wie vor der Pandemie, die typische Kundin zwischen 25 und 35 kauft anlassbezogen, und die Anlässe gibt es jetzt wieder.“

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    Der Start in das neue Jahr sei solide verlaufen, und About You sei zuversichtlich, auch sein Ergebnis zu verbessern, hieß es von dem Unternehmen. Schwarze Zahlen sind aber noch nicht in Sicht. Beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) peilt About You einen Wert auf Vorjahresniveau an. Damals lag der bereinigte Betriebsverlust bei knapp 67 Millionen Euro. Co-Chef Müller bestätigte das Ziel, konzernweit im Geschäftsjahr 2023/24 die Gewinnschwelle erreichen zu wollen.

    Auch Zalando steht unter Druck

    Zwei Aspekte stimmen ihn dabei optimistisch. Zunächst wächst die sogenannte Global Shipping Plattform von About You. Über diese Plattform sind 100 Länder in englischer Sprache erreichbar, auch wenn About You dort noch keine nationalen Plattformen betreibt. Die Global Shipping Plattform wachse gerade sehr stark, sagte Müller: „Vor allem erfüllt sie die Idee, Daten zu sammeln, um zu entscheiden, ob wir mit einer eigenen Plattform in die Märkte gehen.“

    Darüber hinaus erwirtschaftete About You mit der Software Scayle für andere Onlineshops – zum Beispiel die von Liebeskind, Quelle oder Bayern München – 67 Millionen Euro Umsatz und 25 Millionen Euro Gewinn. Dieses Geschäft sei komplett losgelöst vom eigenen Endkundengeschäft.

    Analyst Bosse erklärte, About You erwecke den Eindruck, als ob der Ukrainekrieg bereits überstanden sei. Die Effekte aus Lieferketten-Verzerrungen und insgesamt höheren Kosten seien als „handlebar“ eingestuft worden.

    Die deutliche Kursreaktion lege die Vermutung nahe, ergänzt Bosse, dass der Markt die aktuelle Gesamtmarktsituation für den Textileinzelhandel eher kritischer sehe. Der größere Konkurrent Zalando steht ebenfalls seit Monaten unter Druck und musste im ersten Quartal den ersten Umsatzrückgang der Firmengeschichte hinnehmen. Für 2022 peilt das Unternehmen ein Erlösplus von maximal 19 Prozent an. Am Dienstag fiel die Zalando-Aktie um mehr als vier Prozent.
    Mit Agenturmaterial

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