Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

16.06.2021

15:42

Onlinehandel

Coronakrise verdoppelt das Wachstumstempo der Paketdienste

Von: Christoph Schlautmann

Eine Studie des Paketverbands BIEK zeigt, dass die für 2025 angepeilte Sendungsmenge wohl drei Jahre früher erreicht wird, als erwartet. Allein der Brexit bremst.

Den größten Zuwachs verzeichneten die Zusteller im Paketgeschäft mit privaten Haushalten. ZB

Paketzusteller in Brandenburg

Den größten Zuwachs verzeichneten die Zusteller im Paketgeschäft mit privaten Haushalten.

Düsseldorf Der Bestellboom in der Coronakrise macht Deutschlands Kurier-, Express- und Paketbranche (KEP) zum am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweig des Landes. Das geht aus einer Studie hervor, die der Logistikverband BIEK am Mittwoch gemeinsam mit der Beratungsfirma KE-Consult veröffentlichte.

Danach setzten die Zusteller im Jahr 2020 mit 23,5 Milliarden Euro insgesamt 10,5 Prozent mehr um als im Vor-Corona-Jahr 2019. Auf Zehnjahressicht wird die KEP-Branche, die damit jährlich im Schnitt um 5,3 Prozent zulegte, aktuell nur noch von der Baubranche überflügelt. Der Spitzenreiter Bau meldete im Jahresdurchschnitt seit 2010 ein Plus von 6,2 Prozent, verlor aber – anders als die Zustellbranche – zuletzt deutlich an Schwung.

Den größten Zuwachs verzeichneten die Zusteller im Paketgeschäft – und zwar bei Sendungen von Onlineshops wie Amazon, Zalando oder Ebay an Privathaushalte (B2C). Hier ging das Sendungsvolumen um stattliche 18,6 Prozent nach oben, nachdem zahlreiche Einzelhandelsläden monatelang aus Pandemiegründen schließen mussten.

Einziger Wermutstropfen: Weil das Sendungsvolumen zwischen den Unternehmen (B2B) wegen des Wirtschaftseinbruchs um 5,2 Prozent schrumpfte, wuchs der deutsche Paketmarkt am Ende nur um 12,3 Prozent.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Noch über dieser Marke lag Marktführer Deutsche Post DHL, der im vergangenen Jahr 1,8 Milliarden Pakete auslieferte und damit um 15 Prozent zulegte. Auch Verfolger DPD kam in Deutschland nach eigenen Angaben auf ein Sendungsplus von 13 Prozent.

    Der Onlinetrend wird anhalten

    Für die Verkäufer in der Fußgängerzone hält Studienleiter Klaus Esser eine schlechte Nachricht bereit: „Auch nach der Coronakrise wird die Online-Bestellmenge weiter wachsen“, sagt der KE-Berater. Das Tempo werde sich allenfalls verlangsamen.

    Verantwortlich dafür seien neue Zustelldienste wie Gorillas oder der Rewe-Partner Flink, die sich im Lockdown auf die Lieferung von Lebensmitteln spezialisierten. Auch 2021 sei bei den B2C-Paketen deshalb ein Plus von zehn bis elf Prozent drin.

    „Das sprunghafte Wachstum führt dazu, dass wir unsere Prognosen deutlich nach oben gesetzt haben“, sagt Marten Bosselmann, Vorsitzender des Logistikverbands BIEK. Ursprünglich habe man die Sendungsmenge von 4,7 Milliarden Zustellungen für 2025 angepeilt. Nun aber werde man diese Marke wohl schon drei Jahre früher, nämlich 2022 erreichen.

    4,05 Milliarden KEP-Zustellungen schaffte die Branche 2020, nachdem ihr Verband zum Jahresbeginn lediglich mit 3,8 Milliarden gerechnet hatte. „Der Corona-Effekt hat die Wachstumsgeschwindigkeit verdoppelt“, rechnet KE-Berater Esser vor.

    Brexit belastet das Sendungsvolumen

    Als einzigen Dämpfer bekommt die Branche den Brexit zu spüren, der den Handel mit Großbritannien seit Anfang 2021 massiv erschwert. Bislang florierte das Geschäft, denn 24 Millionen Sendungen gingen jährlich vom Vereinigten Königreich nach Deutschland, 31 Millionen in die entgegengesetzte Richtung.

    Allerdings: Schon vor dem Brexit ging der Außenhandel von Deutschland nach UK um 13,6 Prozent zurück, mit Einführung der Zollkontrollen und Dokumentationspflichten dürfte der Niedergang nun weiter voranschreiten. „Der Aufwand, den die KEP-Unternehmen auf beiden Seiten durch den Brexit zusätzlich erhalten haben“, errechnete KE-Consult, „liegt jährlich zwischen 220 und 240 Millionen Euro.“

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×