Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

22.05.2021

10:45

Onlinehandel

Warum der König der Nischen-Marktplätze Amazon nicht fürchtet

Von: Florian Kolf

Über die Plattformen von Dominik Benner verkaufen Fachhändler erfolgreich im Netz. Kunden bekommen dort auch Marken, die sie woanders nicht finden.

Der Unternehmer entwickelt Onlineplattformen, über die Fachhändler ihre Waren verkaufen können. benner-holding

Dominik Benner

Der Unternehmer entwickelt Onlineplattformen, über die Fachhändler ihre Waren verkaufen können.

Düsseldorf An Selbstbewusstsein mangelt es Dominik Benner nicht. „Wenn du gut in der Nische bist, brauchst du Amazon nicht zu fürchten“, behauptet der Unternehmer. Und dass er dort erfolgreich ist, hat der Inhaber von The Platform Group längst bewiesen.

Zwölf Onlinemarktplätze für neun Branchen hat er in den vergangenen Jahren aufgebaut oder übernommen. Darüber verkauft er Schuhe, Handtaschen, Fahrräder oder Baumaschinen. Von 118 auf 200 Millionen Euro könnte der Umsatz in diesem Jahr steigen. Und nun nimmt er auch den Möbelhandel ins Visier.

So hat die Platform Group jetzt die Mehrheit an Moebelfirst.de übernommen. Das 2016 von Dennis Franken und Christoph Ritschel gegründete Unternehmen organisiert den Onlinehandel für rund 300 mittelständische Möbelhäuser. Die Plattform verkauft Design-Möbel von Marken wie Rolf Benz, COR, USM Haller, Walter Knoll oder Musterring, die es bei Amazon in der Regel nicht gibt.

Benner hat mit der Neuerwerbung große Pläne. „Das Möbelsegment bietet große Möglichkeiten für zusätzliche Produktgruppen“, sagt er. Das Sortiment will er insbesondere in den Bereichen Wohnen, Garten, Accessoires und Büromöbel ausbauen. Auch soll die Zahl der angebundenen Händler auf rund 500 steigen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Moebelfirst.de passt exakt ins Geschäftsmodell der Platform Group. Sie arbeitet ausschließlich mit Fachhändlern zusammen, denen sie einen Komplettservice für den Verkauf ihrer Waren im Netz anbietet, vom Einstellen der Waren über das Marketing und den Kundenservice bis zur Logistik. Eine Gebühr wird nur bei einem Verkaufsabschluss fällig.

    „Wir nehmen den Händlern alles rund um den Verkauf ab“, sagt Benner. Die Händler könnten ihre Waren sogar bei der Platform Group einlagern, ähnlich wie es Amazon den Marketplace-Händlern anbietet. Der große Unterschied: Der Kunde sieht erst bei der Lieferung, von welchem Fachhändler das Produkt kommt. So haben die Händler keine Diskussionen mit ihren Kunden im Geschäft, wenn sie Waren online preiswerter anbieten.

    „Das ist ein schlaues Konzept“, lobt Marktplatzexperte Marcel Brindöpke die Geschäftsidee. Benner poole Fachhändler und verschaffe ihnen so Reichweite im Netz, erklärt der Geschäftsführer von Heyconnect, einem Dienstleister, der Markenhersteller wie Fila, Hugo Boss oder Cinque bei ihrem Start auf Marktplätzen begleitet.

    „Das Unternehmen fokussiert sich dabei auf Produktgruppen, auf die große Marktplätze wie Amazon nicht eingerichtet sind“, so Brindöpke. Dadurch ergäben sich lukrative Nischen. Produkte wie Möbel beispielsweise seien sehr erklärungsbedürftig. Häufig gebe es Rückfragen von Kunden, ob etwa ein Artikel in einer anderen Ausführung erhältlich sei. Dafür sei eine Plattform wie Amazon nicht geeignet.

    Auch Zalando bindet Fachhändler an die Plattform an

    Zum Plattformbetreiber wurde Benner eher durch Zufall. 2012 erbte er fünf Schuhgeschäfte. Ihm wurde schnell klar, dass das Familienunternehmen ohne E-Commerce keine Zukunft hatte. Weil er sah, dass viele Fachhändler die gleiche Herausforderung hatten, entwickelte er die Plattform Schuhe24.

    Mit Erfolg. 2015 bekam er dafür vom hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir den Gründerpreis des Landes Hessen überreicht. 2018 wurde er von EY als „Entrepreneur of the Year“ ausgezeichnet. Doch erst in der Coronakrise zeigte sich, wie überlebenswichtig der Schritt zur Plattform war.

    Als Erstes expandierte Benner in benachbarte Produktgruppen wie Handtaschen, Schmuck oder Sportartikel. Um das Unternehmen weiterzuentwickeln, richtete er einen Beirat ein, in dem auch Digitalexperten sitzen. Dort entstand die Idee, mit dem Konzept der Spezialplattform auch in ganz andere Branchen zu gehen.

    Hintergrund ist auch, dass im Schuhgeschäft die Konkurrenz härter wird. Denn Branchenriese Zalando hat die Idee übernommen und bindet mit seinem Programm Connected Retail mittlerweile auch stationäre Geschäfte an. In anderen Branchen dagegen ist diese Idee noch weitgehend unbekannt.

    Im November 2020 übernahm Benner die Website bike-angebot.de, über die rund 1000 Fahrradfachhändler ihre Produkte anbieten. Selbst eine Plattform für Gebrauchtmaschinen gehört mittlerweile zur Gruppe.

    Die Folgen der Pandemie gaben seinem Geschäft einen zusätzlichen Turbo. „Alle Onliner haben im vergangenen Jahr eine Sonderkonjunktur erlebt“, sagt Benner. Gerade viele ältere Kunden seien neu ins Netz gekommen. Und von diesem zusätzlichen Geschäft werde auch nach dem Ende der Pandemie einiges bleiben.

    Außerdem war das Interesse von Fachhändlern groß, den fehlenden Umsatz angesichts geschlossener Filialen zumindest teilweise mit zusätzlichem Onlinegeschäft zu kompensieren. „Wir haben 2020 rund 1200 Fachhändler als neue Partner gewonnen“, so Benner. Mittlerweile arbeitet The Platform Group mit 3500 Händlern zusammen.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×