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22.06.2021

12:09

Patrick Andrä

Das erste Übernahmeziel für einen Spac: Der Hometogo-Gründer könnte Börsengeschichte schreiben

Von: Christoph Schlautmann

Der Berliner Ferienhausvermittler geht womöglich sieben Jahre nach der Gründung über Umwege an die Börse. Schwarze Zahlen sind aber weiter nicht in Sicht.

Der Unternehmer gründete Hometogo 2014.

Hometogo-Chef Patrick Andrae

Der Unternehmer gründete Hometogo 2014.

Düsseldorf Eine neue Farbe im Logo, ein grafischer Unterstrich hinter dem Firmennamen, der weitere Werbezusätze wie „mit Pool“ oder „am Berg“ ermöglicht – und womöglich bald ein neuer Eigentümer: Der Ferienhausvermittler Hometogo, vor sieben Jahren gegründet von Patrick Andrä, Wolfgang Heigl und Nils Regge, feilt nicht nur an einem frischeren Werbeauftritt. Er könnte demnächst auch Börsengeschichte schreiben.

Am 4. Juni meldete die seit Februar an der Frankfurter Börse gelistete Finanzfirma Lakestar Spac I SE, sie habe mit Hometogo „eine unverbindliche Absichtserklärung bezüglich eines Unternehmenszusammenschlusses“ vereinbart. So sei geplant, dass die Luxemburger Gesellschaft 100 Prozent des ausstehenden Eigenkapitals von Hometogo erwerben oder übernehmen werde.

Die Finanzbranche beobachtet die mögliche Transaktion mit Spannung. Das Kürzel Spac verweist auf eine Special Purpose Acquisition Company, die nichts weiter ist als ein börsennotierter Firmenmantel. Über ihn sammeln Initiatoren Aktienkapital an der Börse ein, um damit im Anschluss Erfolg versprechende Unternehmen zu erwerben.

Was in den USA seit längerer Zeit als Hype gilt, ist am Finanzplatz Deutschland bislang eher schleppend angelaufen. Der aktuell mit 344 Millionen Euro bewertete Lakestar Spac I SE war hierzulande der erste Börsengang einer solchen Firmenhülle seit zehn Jahren.

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    Als Aufsichtsratschef der designierten Käufergesellschaft fungiert Klaus Hommels – kein Unbekannter für die drei Hometogo-Gründer. Der 54-jährige Risikokapitalgeber ist mit seinem Venture-Capital-Fonds Lakestar bei den Berliner Ferienhausvermittlern engagiert, hält dort aber lediglich vier Prozent.

    Lukrativer Deal auch für die Hometogo-Gründer

    Mit dem Deal peilen die Verhandlungspartner der Finanzzeitschrift „Capital“ zufolge einen Unternehmenspreis von rund einer Milliarde Euro an. Hommels könnte seinen Venture-Capital-Anteil an die Mantelfirma verkaufen, an der er selbst weniger als 20 Prozent besitzt.

    Zum Verhandlungsstand will sich Andrä im Gespräch mit dem Handelsblatt nicht äußern. Gegenüber den Mitgesellschaftern bewarb er Hommels’ Offerte allerdings schon schriftlich: „Hometogo und Lakestar Spac sind zuversichtlich“, erklärte er, „dass die geplante Geschäftskombination ein weltweit anerkanntes und branchenprägendes Reisetechnologieunternehmen made in Europe schaffen wird.“

    Andrä, der per Zwischengesellschaft über 2,5 Prozent der Anteile verfügt, erhielte nach dieser Rechnung 25 Millionen Euro ausgezahlt, sollte sich der Verkaufspreis tatsächlich bei einer Milliarde Euro einpendeln. Auch Heigl und Regge, die an Hometogo jeweils acht Prozent halten, würden für ihre siebenjährige Gründertätigkeit reich belohnt.

    Viele weitere Beteiligte müssten dem Deal allerdings zustimmen. Über Venture-Capital-Gesellschaften sind etwa der Verleger Hubert Burda, der ehemalige Nestlé-Deutschlandchef Gerhard Berssenbrügge oder die einstigen Data-Becker-Gründer Achim und Harald Becker indirekt an Hometogo beteiligt. Selbst Rocket Internet zählt mit einem geringen Anteil, verteilt auf mehrere Fonds, mittelbar zu den Gesellschaftern.

    Dass eine Übereinkunft zustande kommt, halten Experten aus der Start-up-Szene allerdings für wahrscheinlich. Hommels genießt in der Branche durch seine bisherigen Engagements bei Skype, Airbnb oder Booking hohen Respekt. Auch das Hometogo-Management ist bestens verdrahtet.

    Hometogo berichtet von deutlich steigenden Buchungszahlen. Diese haben im ersten Quartal 2021 ein Rekordniveau erreicht. dpa

    Ferienwohnungen in Mecklenburg-Vorpommern

    Hometogo berichtet von deutlich steigenden Buchungszahlen. Diese haben im ersten Quartal 2021 ein Rekordniveau erreicht.

    CEO Andrä, der an der Uni Münster in Jura promoviert und selbst mit 40 Jahren die Flapsigkeit aus Studententagen bewahrt hat, arbeitete vor der Unternehmensgründung als „Director of Business Development“ bei Home24. Das Online-Einrichtungsportal wird im Wesentlichen von der Berliner Start-up-Schmiede Rocket Internet dominiert, die später auch zum Geldgeber von Hometogo wurde.

    Mitgeschäftsführer Wolfgang Heigl, 52, baute einst Swoodoo auf, bevor die Flug-Metasuchmaschine 2010 an die heutige Booking-Tochter Kayak ging. Und auch Mitgründer Nils Regge, der anders als die anderen beiden nicht in der Geschäftsführung der Hometogo GmbH sitzt, blickt trotz seiner erst 39 Jahre auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Regge gehört zu den Gründern des Ferienhausvermittlers Casamundo, der – ebenfalls 2010 – von der Leisure Group übernommen wurde. Gemeinsam mit Hometogo kaufte Regge seine einstige Firma im September 2018 wieder zurück.

    Keine schwarzen Zahlen bei Hometogo in Sicht

    Der Exit könnte den bisherigen Gesellschaftern von Hometogo den lange ersehnten Gewinn bescheren. Denn einen positiven Ertrag lieferte die Ferienhausvermittlung bislang in keinem Geschäftsjahr ab. Auch auf Ausschüttungen verzichteten die Anteilseigner, Zinszahlungen für Gesellschafterdarlehen gab so gut wie keine.

    Stattdessen häufte sich der Bilanzverlust zwischen 2014 und Ende 2019 auf fast 67 Millionen Euro. Allein im Jahr vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie schrieb Hometogo bei 73,3 Millionen Euro Konzernumsatz einen Nettoverlust von 22,3 Millionen Euro.

    Schwarze Zahlen sind wohl auch in näherer Zukunft nicht in Sicht. „Wir sind ein Wachstumsunternehmen“, sagt Andrä und verweist darauf, dass man in Zukunft auch weiterhin eine führende Rolle bei der Vermittlung von Ferienwohnungen spielen wolle – weitere Zukäufe nicht ausgeschlossen. „Wenn Investitionen in die Zukunft etwas bringen, werden wir sie machen“, kündigt er an.

    Das gelte auch für neue Geschäftsfelder und neue Regionen. 2018 übernahm das Unternehmen Tripping.com, einen mächtigen Konkurrenten aus dem Silicon Valley. Heute ist Hometogo in 23 Ländern in Europa, Amerika sowie der Asien-Pazifik-Region aktiv.

    Da die Berliner auch Angebote anderer Portale wie Booking, Fewo-direkt, Tripadvisor oder Tui auf ihren Seiten vermarkten, komme man inzwischen auf ein Inventar von mehreren Millionen Ferienhäusern und-wohnungen, berichtet Andrä.

    Wie Hometogo für Kunden noch attraktiver werden will

    Von der Corona-Pandemie erhofft sich Hometogo sogar Rückenwind. „2020 haben wir einen höheren Buchungseingang als im Jahr zuvor gesehen“, erzählt Andrä. Viele Urlauber hätten auf Fernreisen verzichtet und stattdessen ein Ferienhaus in erreichbarer Nähe gebucht. Der Trend setze sich nun fort, sagt der CEO: „Schon die ersten drei Monate 2021 waren ein Rekordquartal. Aktuell liegen wir 80 Prozent über dem Stand von 2019 bei den Suchanfragen.“

    Für den Buchungsandrang schaffte Hometogo in den vergangenen Monaten die notwendigen Voraussetzungen. Auf den Buchungsseiten sorgte man für zusätzliche Flexibilität, ermöglichte Kurzreisen und ergänzte kulante Stornierungs-Features.

    Zudem hat Andrä eine neue Zielgruppe entdeckt. „Viele Manager verlegen, wo sie schon im Homeoffice arbeiten mussten, ihr Büro kurzerhand in sonnigere Regionen und mieten dazu ein Ferienhaus“, erzählt der Firmengründer. Für solche Langzeitvermietungen, meist außerhalb der Hauptsaison, hat er schon eine Wortschöpfung parat: „Workation“. Nur: Unter der neuen Rubrik „Hometogo_Relax“ sollte sie Andrä dann besser nicht vermarkten.

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