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20.10.2021

04:14

Popikone

Rihanna: Mit Dessous zur Selfmade-Milliardärin

Von: Katharina Kort

Als Musikerin schrieb Rihanna Welthits. Doch den Großteil ihres Vermögens erzielte sie als Unternehmerin mit ihrer Kosmetikfirma und ihrem Unterwäschelabel.

Die Popikone setzt mit ihren Marken auf Diversität. AP

Rihanna

Die Popikone setzt mit ihren Marken auf Diversität.

New York Sängerin, Schauspielerin, Unternehmerin – und: Selfmade-Milliardärin. Auf die 33-jährige Künstlerin Rihanna trifft das alles zu. Mit „Umbrella“, „Diamonds“ oder „Stay“ gelangen der Künstlerin Welthits, doch zur Milliardärin wurde sie vor allem dank ihrer Parfüm- und Modemarken. Und sie ist noch weiter auf Expansionskurs: Demnächst will sie mit ihrer Unterwäsche-Marke Savage X Fenty auch physische Läden eröffnen.

Rihanna, die unter anderem auch im Hollywood-Film „Ocean’s 8“ eine Hauptrolle spielt, ist Teil einer wachsenden Zahl von Berühmtheiten aus Sport, Musik und Hollywood, die sich auch als Unternehmerinnen einen Namen machen. Dazu gehört die Tennisspielerin Serena Williams ebenso wie die Schauspielerinnen Gwyneth Paltrow und Jessica Alba. Doch Rihanna ist mit Abstand die erfolgreichste von ihnen.

Bereits 2011 hat Rihanna ihr erstes Parfüm auf den Markt gebracht. 2015 wurde ihre Beteiligung an dem Streamingdienst Tidal bekannt. Im gleichen Jahr hat die aus Barbados stammende Sängerin eine eigene Schönheits- und Stilisten-Agentur und später auch eine Foto-Agentur gegründet. 2016 gab sie bekannt, dass sie ihre Musik nun unter ihrem eigenen Label Westbury Road Entertainment produzieren wird.

2017 gründete Rihanna mit Fenty Beauty unter dem Dach des französischen Luxus-Konglomerats LVMH ihr eigenes Kosmetikunternehmen, an dem sie die Hälfte der Anteile hält. Bei LVMH ist Rihanna nicht nur die erste Frau, die eine eigene Marke für das Konglomerat kreiert hat, sondern auch die erste farbige Frau, die eine LVMH-Marke leitet.

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    Das Besondere an ihrem Ansatz: Die Farbpalette ihrer Lippenstifte, Lidschatten und Grundierung decken mit 50 Schattierungen alle Hautfarben ab. Auch ihre Werbung spricht gezielt dunkelhäutige Frauen an. Eine Kundschaft, die andere große Marken lange nur als Randgeschäft behandelt haben.

    Kosmetik und Unterwäsche in allen Farben und Größen

    Die Produkte, die es nur online und in den zu LVMH gehörenden Sephora-Läden zu kaufen gibt, waren sofort ein Erfolg. Das lag sicher auch an den mehr als hundert Millionen Followern, die Rihanna auf Twitter und Instagram hat, die sie als Werbe-Plattformen nutzt. Bereits im ersten Jahr setzte Fenty Beauty laut LVMH 550 Millionen Dollar um – mehr als die Marken anderer Celebrities wie „Kylie Cosmetics“ von Kylie Jenner, Kim Kardashian Wests „KKW Beauty“ oder Jessica Albas „Honest“.

    Nach dem erfolgreichen Start ins Kosmetikgeschäft folgte mit Savage X Fenty die eigene Unterwäsche-Marke. Auch hier setzt Rihanna auf den inklusiven Ansatz: von weiß bis schwarz, von dünn bis voll beleibt, von Frau bis Mann zu Transgender. Die Größen der asymmetrischen Spitzen-Catsuits und Tangas reichen von XS bis 4XL.

    Während die Unterwäsche-Marke Victoria’s Secret ihre Schauen mit den perfekten Models mit den Engelsflügeln endgültig eingestellt hat, sorgen nun Rihannas Savage-X-Fenty-Schauen für Furore. Für die erste Schau 2019 wählte Rihanna während der New Yorker Fashionweek das Barclays Center in Brooklyn und nicht eine schicke Location in Manhattan. Die letzten beiden Schauen liefen als eine Art Mega-Musik-Video beim Streamingdienst Amazon Prime.

    Dabei sind die Schauen nicht nur aggressiver, zum Teil grenzen sie an Sadomasochismus. Die Sängerin und Unternehmerin inszeniert die Schauen als Festival der Diversität: Sie lässt nicht nur das Ex-Topmodel Cindy Crawford und Lourdes, die Tochter von Madonna, in Latex-BHs auftreten, sondern auch füllige schwarze und Transgendermodels.

    Die Sängerin Bia rappt darin in grüner Unterwäsche „Whole Lotta Money“, und auch Ricky Martin taucht darin auf. „Rihanna feiert die Diversität“, sagte der homosexuelle Sänger, der sich selbst bei seiner nächsten Tour von Rihanna ausstatten lassen will.

    Savage X Fenty: Vom reinen Onlinehändler zu physischen Läden

    Bisher kann die Kundschaft die Bodys, Strapsen und BHs nur online bestellen. Doch demnächst soll es für die durchaus erschwingliche Unterwäsche auch eigene Läden geben: „Sie werden 2022 auch einige Läden sehen“, sagte die Co-Präsidentin von Savage X Fenty jüngst gegenüber Bloomberg.

    Damit geht Rihanna den gleichen Weg wie andere E-Commerce-Anbieter, die zusätzlich zu ihrem Auftritt im Internet die Menschen auch mit physischen Geschäften erreichen wollen. Amazon hat mit Amazon Go, Amazon 4 Star und Whole Foods gleich mehrere physische Läden unter seinem Dach. Und auch der Online-Brillen-Versand Warby Parker oder die Matratzen-Marke Casper haben längst echte Läden eröffnet, in denen Kunden sich die Produkte angucken und testen können.

    Dass Rihanna heute nicht nur mit Musikgrößen wie Drake, Jay-Z, Paul McCartney, Kanye West und Shakira zusammenarbeitet, sondern sich auch mit Milliardären aus der Geschäftswelt messen kann, war in ihrer Kindheit keineswegs vorauszusehen. Die Sängerin wuchs als eines von drei Geschwistern und drei weiteren Halbgeschwistern in Barbados auf. Ihr Vater war alkohol- und drogenabhängig und schlug Rihannas Mutter. Als junges Mädchen landete sie nach eigenen Angaben immer wieder beim Arzt wegen starker Kopfschmerzen, die erst nach der Scheidung ihrer Eltern nachließen.

    Rihannas Vermögen wird auf 1,7 Milliarden Dollar geschätzt

    Der Durchbruch kam, als ein amerikanischer Talentscout sie bei einem Gesangswettbewerb an ihrer Schule in Barbados entdeckte und sie kurz darauf in die USA holte. Schnell überzeugte sie dort die Produzenten, die sie unter Vertrag nahmen.

    Heute hat sie nicht nur ihre Produktion in eigener Hand, sondern ein ganzes Modeimperium. Rihannas Vermögen wird von „Forbes“ auf 1,7 Milliarden Dollar geschätzt. Damit ist sie die reichste Musikerin der Welt und die zweitreichste Entertainerin nach Oprah Winfrey.

    Laut „Forbes“ stammen 1,4 Milliarden Dollar davon von ihrer 50-prozentigen Beteiligung an Fenty Beauty von LVMH. Weitere 270 Millionen gehen auf ihre Unterwäsche-Linie zurück. Im Februar hat Savage X Fenty 115 Millionen Dollar eingesammelt. Das Unternehmen wird mit einer Milliarde Dollar bewertet.

    Rihanna hatte das Unternehmen 2018 als Joint Venture mit der Techstyle Fashion Group gegründet. Zu ihren Investoren zählt unter anderem Marcy Venture, das dem Rapper, Musikproduzenten und Unternehmer Jay-Z gehört. Auch die Private-Equity-Firma L. Catterton, zu dessen Investoren LVMHs Bernard Arnault gehört, hält Anteile.

    Auf die Frage eines Fotografen, wie es sich anfühlt, Milliardärin zu sein, antwortete Rihanna jüngst lediglich: „Gott ist gut.“

    Aber Rihanna hat auch einen Flop unter ihren Unternehmensgründungen zu verbuchen: Zusammen mit LVMH hatte sie es 2019 auch mit einer Modemarke für das gehobene Segment versucht. Sie sollte edle Kollektionen in allen Größen bieten. Doch der Start der neuen Marke fiel mitten in die Pandemie, als die Nachfrage nach teurer Ausgehkleidung einbrach. LVMH und Rihanna haben das Unternehmen nach der letzten Kollektion im November 2020 wieder eingestellt.

    Für Musik hatte Rihanna zuletzt weniger Zeit. Seit Anti aus dem Jahr 2016 hat sie kein neues Album mehr produziert. Aber das könnte sich bald ändern. In einem Werbe-Interview für ihre Hautpflege-Marke Fenty Skin sagte sie, dass ihre Fans „früher, als sie glauben“ mit ihrem neunten Album rechnen können.

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