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22.04.2022

15:39

Premier League

Lewis Hamilton und Serena Williams wollen Chelsea FC mitkaufen

Von: Dennis Pesch

Zwei der erfolgreichsten Sportler der Welt bieten auf den Fußball-Champions-League-Sieger. Der ist auf dem Markt, weil Oligarch Abramowitsch sich zurückziehen muss – und von Bietern umkämpft.

Die beiden Sportstars wollen in den Fußballklub investieren. imago images/Motorsport Images

Serena Williams und Lewis Hamilton

Die beiden Sportstars wollen in den Fußballklub investieren.

Düsseldorf Der siebenfache Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton und die 23-malige Grand-Slam-Siegerin Serena Williams wollen sich an einer Übernahme des englischen Fußballklubs Chelsea FC beteiligen. Die Spitzensportlerin und der Rennfahrer sind als Investoren an einem entsprechenden Konsortium beteiligt.

Im Raum steht, dass sie sich mit zehn Millionen Pfund einbringen wollen, berichtete der Sender Sky Sports. Das Konsortium wird vom britischen Multimillionär Sir Martin Broughton angeführt. Dieser war 2010 für kurze Zeit Vorstandsvorsitzender des Liverpool FC.

Der noch amtierende Champions-League-Sieger Chelsea gehört bisher dem russischen Oligarchen Roman Abramowitsch. Der hat nach der russischen Invasion in der Ukraine aber zunächst die Leitung über den Londoner Klub abgegeben und danach von britischen Banken Käufer suchen lassen. Einerseits, um sein eigenes Vermögen vor drohenden Sanktionen der Regierung in London gegen Unterstützer des russischen Präsidenten Wladimir Putin zu schützen, andererseits um die Auswirkungen auf den FC selbst zu begrenzen.

Abramowitsch hatte angekündigt, den Verkaufserlös den Opfern des Ukrainekriegs zu spenden. Inzwischen sind seine Vermögenswerte in Großbritannien aber durch die erwarteten Sanktionen eingefroren, der Verkaufsprozess war unterbrochen.

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    Das Konsortium um Broughton, dem auch der ehemalige Leichtathletik-Olympiasieger Sebastian Coe angehört, ist einer von drei verbleibenden Bietern für den Fußballklub. Dieser soll für geschätzte 2,5 Milliarden Pfund (rund 3 Milliarden Euro) den Besitzer wechseln.

    Am Freitag hat Lewis Hamilton die Beteiligung an der möglichen Übernahme mit seiner früheren Fußball-Leidenschaft erklärt. Er sei Fußballfan seit seiner Kindheit, betonte der Brite: „Als ich davon gehört habe, dachte ich: Wow, das ist eine der größten Gelegenheiten, Teil von etwas Großem zu sein.“

    Zahlen nannte er nicht, betonte aber: „Chelsea ist einer der größten Klubs der Welt.“ Eine offizielle Bestätigung durch Serena Williams steht noch aus. Die erfolgreichste Tennisspielerin der vergangenen 50 Jahre ist allerdings selbst als Investorin aktiv, hat unter anderem einen entsprechenden Fonds aufgelegt.

    Während in Deutschland Einstiege von Privatinvestoren bei Fußballklubs vergleichsweise stark reglementiert sind, ist dieses Vorgehen in der englischen Premier League üblich. Sowohl Einstiege britischer Prominenter als auch von US-Investoren hat dort inzwischen Tradition. Die Eigentümerverhältnisse sind sehr international, mit Fokus auf den USA und China.

    Bank wählt Favoriten unter drei Interessenten

    Eine Übernahme wird allerdings kompliziert. Chelsea darf nur mit einer Sonderlizenz den Spielbetrieb fortführen. De facto wird der Klub derzeit vom Staat verwaltet. Geklärt werden muss auch, welche Verbindlichkeiten mit übernommen werden. Das Stadion an der Stamford Bridge gilt als sanierungsbedürftig. Schulden in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro, die der Klub bei Abramowitsch hat, hat der Oligarch offenbar inzwischen abgeschrieben.

    Außerdem sind Broughton, Williams und Hamilton nicht die einzigen Interessenten. Auch die Familie Ricketts, Eigentümerin des US-Baseball-Teams Chicago Cubs, bietet um den Chelsea FC mit. Und auch der Miteigentümer des NBA-Klubs Boston Celtics, US-Investor Stephen Pagliuca, kündigte ein Gebot an.

    Insgesamt sollen drei Konsortien in der engeren Auswahl stehen. Laut Medienberichten könnte die mit dem Verkauf beauftragte US-Bank Raine Group in dieser Woche noch einen Favoriten auswählen. Der bei den Chelsea-Fans favorisierte britische Milliardär Nick Candy findet sich Medienberichten zufolge nicht auf der Shortlist.

    Der deutsche Coach, der mit Chelsea im Vorjahr die Champions League gewonnen hat, ist mit dem Klub derzeit wirtschaftlich nicht konkurrenzfähig. AP

    Thomas Tuchel

    Der deutsche Coach, der mit Chelsea im Vorjahr die Champions League gewonnen hat, ist mit dem Klub derzeit wirtschaftlich nicht konkurrenzfähig.

    Neben der britischen Regierung muss auch die Premier League dem Deal zustimmen. Sowohl die Betreiber der Fußballliga sowie auch die Regierung werden sich vermutlich nicht einmischen. Fraglich ist auch, wohin der Verkaufserlös für den Fußballklub geht – einzig, dass verhindert werden soll, dass Abramowitsch das Geld in welcher Form auch immer erhält, steht fest.

    Dabei steht der Fußballklub unter enormem Druck, denn wie lange Chelsea angesichts der eingefrorenen Gelder über liquide Mittel verfügt, ist nicht bekannt. Zudem sind die Ausgaben durch strenge Auflagen der Sonderlizenz stark limitiert. Die Spieler könnten bei „erheblichem Verzug der Gehaltszahlungen“ etwa eine Vertragsauflösung erwägen, sagte Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der deutschen Spielergewerkschaft Ende März.

    Mit Agenturmaterial

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