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28.10.2022

00:51

Quartalszahlen

Amazon legt enttäuschenden Ausblick vor – Aktie bricht zeitweise 20 Prozent ein

Von: Katharina Kort, Stephan Scheuer

PremiumWegen der hohen Inflation rechnet Amazon mit einem schwachen Weihnachtsgeschäft. Ausrechnet die wichtige Cloud-Sparte läuft deutlich schwächer als erwartet.

Amazon kann die Anleger mit seinen Bilanzen nicht beeindrucken. dpa

Amazon

Amazon kann die Anleger mit seinen Bilanzen nicht beeindrucken.

Der weltgrößte Online-Händler Amazon hat Anleger mit einer schwachen Umsatzprognose für das Weihnachtsquartal überrascht. Der Konzern erwartet Erlöse zwischen 140 Milliarden und 148 Milliarden Dollar, wie er am Donnerstag mitteilte.

Analysten hatten mit deutlich mehr gerechnet. Der Aktienkurs brach nachbörslich zeitweise um mehr als 20 Prozent ein. Auch die Gewinnprognose – Amazon stellt ein Ergebnis zwischen null und 4,0 Milliarden Dollar in Aussicht – fiel enttäuschend aus.

Finanzchef Brian Olsavsky kündigte an, Amazon werde künftig stärker sparen: „Wie zu ähnlichen Zeiten in unserer Geschichte, haben wir auch jetzt Maßnahmen ergriffen, um den Gürtel enger zu schnallen, einschließlich eines Einstellungsstopps in bestimmten Geschäftsbereichen.“

Zudem plane Amazon, manche Produkte und Dienstleistungen einzustellen, sagte Olsavsky. Konkrete Produkte nannte er nicht. „Unser Ziel ist es, das richtige Gleichgewicht zwischen langfristigen Investitionen für unsere Kunden zu finden und gleichzeitig die betriebliche Effizienz zu verbessern.“

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    Im abgelaufenen dritten Quartal verdiente Amazon 2,9 Milliarden Dollar. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es noch 3,2 Milliarden Dollar gewesen. Der Umsatz wuchs um 15 Prozent auf 127,1 Milliarden Dollar, blieb aber ebenfalls unter den Markterwartungen.

    Cloud-Sparte AWS hinter Erwartungen

    Zuletzt war die wichtige Cloud-Sparte AWS ein Umsatz- und Gewinn-Treiber für das Unternehmen gewesen. Doch in beiden Bereichen blieb die Konzerntochter im abgelaufenen Jahr hinter den Analystenprognosen zurück.

    AWS wies die geringste Wachstumsrate für den Bereich in der Firmengeschichte aus. Seit dem Jahr 2014 schlüsselt Amazon Wachstumszahlen für das Cloudgeschäft auf.

    Im abgelaufenen Quartal stieg der Umsatz von AWS zwar im Jahresvergleich um 27,5 Prozent auf 20,5 Milliarden Dollar. Analysten hatten jedoch mit rund einer Milliarde Dollar mehr an Umsatz gerechnet.

    AWS steuert rund 16 Prozent zum gesamten Umsatz von Amazon bei. Das Betriebsergebnis der Sparte lag bei 5,4 Milliarden Dollar. Analysten hatten knapp 6,4 Milliarden Dollar erwartet.

    Die Cloud-Sparte ist eigentlich ein Gewinn-Treiber für das Unternehmen. Reuters

    AWS

    Die Cloud-Sparte ist eigentlich ein Gewinn-Treiber für das Unternehmen.

    Amazon ist weltweit Marktführer im Cloudgeschäft. Doch das Unternehmen verliert Marktanteile. Das schätzt zumindest der Marktforscher Gartner. Demnach lag der globale Marktanteil von AWS im Jahr 2021 bei 39 Prozent, nachdem es im Vorjahr noch 41 Prozent waren. Hingegen hätten die Rivalen Google und Microsoft bei den Marktanteilen aufgeholt.

    Geschäftskunden von AWS machten derzeit Druck, weniger Geld für ihre Dienste zu bezahlen, sagte Olsavsky. „Wir arbeiten mit Kunden zusammen, um deren Rechnungen zu senken.“

    Olsavsky führte weiter aus: „Wie alle Unternehmen wollen sie ihre Ausgaben senken, wenn sie mit der Unsicherheit auf dem Markt konfrontiert sind.“ Ob AWS Rabatte gewährt, um Kunden zu halten, ließ Olsavsky offen.

    Amazon verliert im klassischen Versandhandel

    Der Analyst Matt Britzman von Hargreaves Lansdow, nannte die Amazon-Ergebnisse enttäuschend. Die Investoren seien vor allem „wegen der Prognose für das vierte Quartal besorgt, dem traditionell wichtigsten Quartal für den E-Commerce“. Amazon habe seine Expansion in der Pandemie „zu früh und zu stark“ vorangetrieben und musste dann „die Bremse ziehen, um die Kosten unter Kontrolle zu bekommen.

    In den USA hat Amazon im klassischen Versandhandel im dritten Quartal diesmal auch Geld verloren: Unterm Strich stand ein operativer Verlust von 412 Millionen Dollar, wo vor einem Jahr noch ein Gewinn von 880 Millionen Dollar verzeichnet wurde. Im internationalen Geschäft hat sich der Verlust fast verdreifacht auf etwa 2,5 Milliarden Dollar.

    Wirklich positiv ist derzeit nur das Werbegeschäft. Da konnte Amazon den Umsatz um ein Viertel steigern auf 9,55 Milliarden Dollar. Das war mehr als Analysten erwartet hatten.

    Julian Skelly vom Beratungshaus Publicis Sapient kann den Ergebnissen daher auch etwas Positives abgewinnen: „Obwohl Amazon ein schwieriges Jahr 2022 hinter sich hat, zeigen die Ergebnisse des dritten Quartals die Stärke eines diversifizierten Unternehmens“, kommentiert Skelly.

    Mit Agenturmaterial.

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