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06.04.2022

14:25

Safthersteller

Granini plant Preiserhöhungen – Konflikt mit Edeka kostet Marktanteile

Von: Florian Kolf

Der Safthersteller Granini klagt über deutlich gestiegene Kosten. Preissteigerungen, etwa für Hohes C, seien „unvermeidlich“, sagt CEO Tim Berger.

Granini: Preisstreit mit Edeka kostet Markanteile in Deutschland dpa

Saft wird teurer

Getränkehersteller Granini will die gestiegenen Kosten an die Kunden weitergeben.

Düsseldorf Der Chef von Eckes-Granini versucht es gar nicht erst schönzureden: „Der Streit mit Edeka hat uns hart getroffen“, erklärt Tim Berger. Ein Streit über die Preise war eskaliert. Seit Mai 2021 sind die Säfte des Unternehmens deswegen aus den Regalen von Edeka und der Tochter Netto verschwunden.

Wie viel Umsatz genau das gekostet hat, will Berger auf Nachfrage nicht sagen. Er bezeichnet Edeka jedoch als wichtigsten Kunden in Deutschland. Doch die Entwicklung des Marktanteils von Granini spricht Bände: Im vergangenen Jahr ging dieser um zwei Prozentpunkte auf 10,8 Prozent zurück, wie das Unternehmen bei der Vorlage der Jahresergebnisse bekannt gab.

Insgesamt wurde in Deutschland im vergangenen Jahr nach Einschätzung von Statista Saft im Wert von rund acht Milliarden Euro verkauft. Damit dürfte Eckes-Granini einen dreistelligen Millionenbetrag an Umsatz in seinem wichtigsten Markt verloren haben – der immer noch für fast ein Drittel des Geschäfts steht.

Entsprechend ist Berger bemüht, diesen Streit nun endlich beizulegen. „Wir haben jetzt sehr konstruktive Gespräche mit Edeka und sind zuversichtlich, relativ bald eine Lösung zu finden“, betonte er. Edeka wollte sich dazu auf Nachfrage nicht äußern.

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    Dass gerade in der Folge des Ukrainekriegs fast alle Händler auf breiter Front die Lebensmittelpreise erhöhen, könnte das erleichtern. Das Verständnis der Kunden für Preiserhöhungen sei gewachsen. „Der aktuelle Kontext kann die Preisgespräche etwas einfacher machen“, räumt auch der Granini-Chef ein.

    Edeka soll die Granini-Flasche kopiert haben

    Der Handel nutzt die Ausnahmesituation, um Preiserhöhungen in einem Maße durchzusetzen, wie er es sich bisher noch nicht getraut hatte. So sagte Rewe-Chef Lionel Souque, der Händler habe bereits im ersten Quartal auf einen dreistelligen Millionenbetrag bei der Marge verzichtet, um einen noch stärkeren Preisanstieg zu verhindern.

    So waren 2021 die Lebensmittelpreise im Schnitt um rund fünf Prozent gestiegen. Doch nun gibt es massive Erhöhungen auf breiter Front. Den Auftakt machte Aldi. Der Discounter hat bereits für Hunderte Produkte die Preise erhöht, zum Teil im deutlich zweistelligen Prozentbereich, alle anderen Händler ziehen nun nach.

    In der Tat wirkt der Streit zwischen Granini und Edeka in der aktuellen Situation fast skurril. Nach Informationen aus Branchenkreisen soll Granini für seine Produkte wie etwa Hohes C eine Preiserhöhung von sechs Prozent gefordert haben, die Edeka ablehnte.

    Doch in dem Streit ging es nicht nur um die Preise. Edeka hatte eine Eigenmarke in Flaschen abgefüllt, die den Granini-Flaschen so ähnlich sahen, dass der Safthersteller den Händler wegen Markenrechtsverletzung verklagte – und letztlich vor Gericht gewann. „Die juristische Auseinandersetzung hat die Gespräche in die Länge gezogen“, sagt Berger. „Aber da können wir keine Kompromisse machen.“

    Granini blickt darum auf ein „schwieriges Jahr mit Licht und Schatten“ zurück. Das lag auch an den Folgen der Coronakrise und an schlechten Ernten bei zahlreichen Obstsorten. Allein die Kosten für Rohstoffe und Packmaterial stiegen um 15 Millionen Euro. Entsprechend sank das Vorsteuerergebnis 2021 von 71 auf 57,2 Millionen Euro.

    Kosten steigen um rund 50 Millionen Euro

    Die Situation werde sich in diesem Jahr noch mal verschärfen, warnt Berger. Granini rechnet mit zusätzlichen Kosten von rund 50 Millionen Euro. Das dürften auch die Konsumenten zu spüren bekommen. Weitere Preiserhöhungen für die Säfte des Herstellers seien „unvermeidlich“, erklärt der Granini-Chef.

    Eine zeitnahe Einigung mit dem deutschen Marktführer Edeka wäre hilfreich, hat sich Eckes-Granini doch durchaus ambitionierte Wachstumsziele gesetzt. So will das Familienunternehmen im Jahr 2025 erstmals eine Milliarde Euro Nettoumsatz erzielen.

    Der Chef von Eckes-Granini blickt auf ein „Jahr mit Licht und Schatten“ zurück.

    Tim Berger

    Der Chef von Eckes-Granini blickt auf ein „Jahr mit Licht und Schatten“ zurück.

    Diese Marke hatte der Hersteller 2018 mit 985 Millionen Euro fast schon mal erreicht. Seitdem ist der Umsatz kontinuierlich auf zuletzt 856 Millionen Euro gesunken. Bei seinen Wachstumsplänen setzt Granini insbesondere auf die stark wachsenden skandinavischen Märkte und auf neue Produktkategorien.

    So führte das Unternehmen unter den Marken Hohes C und Joker sogenannte Shots ein, hochkonzentrierte Säfte mit Ingwer oder Kurkuma, die das Immunsystem stärken sollen. Weiterer Wachstumstreiber soll der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit werden.

    Graninis Antwort darauf: Konzentrate, die der Kunde zu Hause mit Wasser verdünnt. So soll durch weniger Verpackung und geringeres Gewicht die CO2-Emission bei Granini-Säften um mehr als 60 Prozent gesenkt werden. Vielleicht schaut der Kunde wegen des guten Gewissens dann über die eine oder andere Preiserhöhung hinweg.

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