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23.06.2022

17:21

Schienenverkehr

Personalrochade bei der Deutschen Bahn – Huber wird Pofalla-Nachfolger

Von: Daniel Delhaes, Jens Koenen

PremiumPersonenverkehrsvorstand Huber leitet künftig die Infrastruktur, zwei neue Gesichter rücken in den Vorstand. Es ist eine interne Lösung, die umstritten ist.

Berthold Huber (l.) wechselt den Posten, Evelyn Palla und Michael Peterson teilen sich seinen bisherigen Vorstandsposten auf.

Neue Bahn-Vorstände

Berthold Huber (l.) wechselt den Posten, Evelyn Palla und Michael Peterson teilen sich seinen bisherigen Vorstandsposten auf.

Berlin, Frankfurt Die Deutsche Bahn hat einen Nachfolger für den im April ausgeschiedenen Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla. Berthold Huber, im Vorstand des Bahn-Konzerns bisher für den Personenverkehr verantwortlich, wird das Ressort übernehmen. Das habe der Aufsichtsrat in seiner Sitzung am Donnerstag beschlossen, teilte die Bahn mit.

Mit der Nachfolge ist eine kleine Rochade im Topmanagement verbunden. Denn das bisherige Ressort von Huber wird aufgeteilt – in den Fernverkehr und den Regionalverkehr. Evelyn Palla, bisher Finanzchefin der Fernverkehrssparte, zeichnet künftig für das Ressort Regio verantwortlich. Sie rückt als dritte Frau in den Bahn-Vorstand auf. Michael Peterson – er war bisher unterhalb des Vorstands der Chef der Fernverkehrssparte – soll den Job nun als Vorstand machen.

Nach der Aufsichtsratssitzung gab es dann noch eine kleine Überraschung. Aufsichtsratschef Michael Odenwald legt nach zehn Jahren im Kontrollgremium Ende Juli sein Amt nieder. Nach dem Regierungswechsel in Berlin hatte es zunächst geheißen, er wolle weitermachen.

Huber, der am 9. Oktober 1963 in Heidelberg geboren wurde, hatte sein finales Bewerbungsgespräch am Freitag vergangener Woche. Abseits der Öffentlichkeit habe sich der Manager mit seinem Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz sowie dem Vertreter des Alleineigentümers Bund, mit Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) getroffen, berichten Insider. Die drei seien sich schnell einig gewesen, kursiert doch schon seit Monaten der Name Huber als Nachfolger von Pofalla.

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    Die Eisenbahner-Gewerkschaft EVG, die größte im Bahn-Konzern, hatte den Manager ins Spiel gebracht. Allerdings zog sich die Berufung des Diplom-Politologen und früheren Beraters länger als erwartet hin.

    Wissing hatte auch eine externe Lösung auf der Agenda. Doch wie aus dem Umfeld des Unternehmens zu hören ist, waren die Bewerber rar, die dazu bereit waren, den Job kurzfristig zu übernehmen. Denn der ist undankbar.

    Ein undankbarer Job für Huber

    Huber muss das heruntergewirtschaftete Bahn-Netz auf Vordermann bringen, am besten eher heute als morgen. Zugleich muss er aber als Wunschkandidat der EVG für Kontinuität im Unternehmen sorgen. Und dabei auch noch die Fusion der Tochter DB Netz und DB Station und Service in eine neue gemeinnützige Infrastruktursparte unter dem Dach des Konzerns begleiten.

    Wissing hat die Bahn zwar zur „Chefsache“ erklärt und will Einfluss nehmen. Wissings Vorgänger waren damit aber gescheitert. „Wir erwarten eine schonungslose, ehrliche Bestandsaufnahme, erst eine Inventur und dann die Generalsanierung, schnelle und spürbare Verbesserungen im Prozessmanagement und als Sofortmaßnahme die schnelle Kapazitätserweiterung auf dem Netz“, heißt es im Bundesverkehrsministerium.

    Die Berufung von Huber – der Manager ist verheiratet und Vater von vier Kindern – wird bei Bahn-Wettbewerbern äußerst kritisch gesehen. Das hat weniger mit der Person und den Managementleistungen von Huber zu tun als vor allem mit der Frage, ob es bei der geplanten neuen Infrastrukturgesellschaft, die keinen Gewinn mehr erzielen muss, noch einen Infrastrukturvorstand geben muss.

    „Da diese Gesellschaft über Qualität und nicht mehr über einen finanziellen Beitrag zum Konzernergebnis der DB AG gesteuert werden soll, lehnt Mofair die Neubesetzung eines Infrastrukturvorstands in der Nachfolge des im April ausgeschiedenen Ronald Pofalla klar ab“, sagt Matthias Stoffregen, Geschäftsführer des Privatbahn-Verbandes Mofair.

    Bedenken bei europäischem Eisenbahnen-Bündnis

    Auch beim Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) gibt es deutliche Worte. „Die geplante DB-interne Personalrochade ist kontraproduktiv“, sagt Ludolf Kerkeling, der Sprecher der Güterbahnen im NEE: „Das Verkehrsministerium muss die Qualitätssteigerung und den geplanten Umbau der Schieneninfrastrukturgesellschaft als Chefsache selbst mit DB und Branche steuern.“

    Stoffregen von Mofair sieht sogar mögliche rechtliche Probleme, die für Huber zu einer Hypothek werden könnten. Allein aufgrund seines vorherigen Amtes könne die Gefahr nicht ausgeschlossen werden, dass der DB Fernverkehr bei den Infrastrukturplanungen bevorzugt werde.

    In jedem Fall steht Huber unter scharfer Beobachtung des Verkehrsministeriums. Dort soll künftig neben dem Beteiligungsreferat und der Eisenbahnabteilung noch eine Steuerungsgruppe genauer auf den Konzern schauen.

    Anfang Juli kommt es indes zum Schwur, wenn der Bundesfinanzminister seinen Etat für das Jahr 2023 vorlegt: Nur mit spürbar mehr Geld wird auch ein Infrastrukturvorstand Huber in der Lage sein, Tempo im Bahn-Netz zu machen und es nicht nur zu sanieren, sondern auch zu erweitern und gleichzeitig fit fürs digitale Zeitalter zu machen.

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