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12.11.2021

17:51

Schnelllieferdienst

Gorillas gliedert nach Streiks die Berliner Lieferlager aus

Von: Christoph Kapalschinski

Seit Wochen legen streikende Fahrer den Lieferdienst immer wieder still. Nun will er die Mitarbeiter an eigenständige Franchisenehmer auslagern.

Lieferdienst: Gorillas gliedert nach Streiks Berliner Lieferlager aus imago images/Mike Schmidt

Proteste von Gorillas-Mitarbeitern in Berlin

Schon kommende Woche will das Unternehmen seine Lager in eigenständige Einheiten ausgliedern.

Berlin Der Schnelllieferdienst Gorillas ist in Berlin seit Monaten in Auseinandersetzungen mit seinen Fahrern verwickelt. Streiks, Entlassungen und Querelen um Betriebsratswahlen drücken auf das Image des Start-ups. Jetzt plant Gorillas einen Schritt, der für neue Unruhe sorgen könnte.

Das Unternehmen wolle seine Lieferlager an selbstständige Franchisenehmer abgeben, sagte ein Unternehmenssprecher dem Handelsblatt am Freitag: „Durch das neue Modell räumt Gorillas den Teams in den jeweiligen Warehouses mehr Eigenständigkeit, Gestaltungsspielraum und Flexibilität ein und stellt sicher, dass sie einen positiven Beitrag für ihre Kieze leisten können.“

Schon kommende Woche will das Unternehmen seine Lager in eigenständige Einheiten ausgliedern – allerdings vorerst nur in der Streikhochburg Berlin. „Alle klassischen Unternehmeraufgaben werden an die neuen Betriebseinheiten übertragen. Dazu gehören Schichtplanungsthemen, Weiterbildungsmöglichkeiten und Einstellungen“, teilte der Sprecher mit. Für die Unternehmenseinheiten seien dann Manager vor Ort verantwortlich. Neue Verträge solle es für die Mitarbeiter nicht geben, verspricht das Unternehmen: „Die Bezahlung, der Urlaub, die Ausstattung und die Versicherung der MitarbeiterInnen ändern sich nicht.“

Tatsächlich hatten die streikenden Mitarbeiter in den vergangenen Wochen kritisiert, dass Schichtpläne oft nicht wunschgemäß gestaltet seien oder Ruhezeiten nicht eingehalten würden. Der zentrale Support für die Fahrer sei schlecht erreichbar. Das soll sich durch dezentrale Verantwortung verbessern. Andererseits könnte Gorillas damit auch die Verantwortung für den Umgang mit den Mitarbeitern auf die Franchiseunternehmer abwälzen.

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    Zudem dürfte das Vorhaben auch die Vorbereitungen für Betriebsratswahlen weiter stören. Zuletzt hatte der „Spiegel“ gemeldet, Gorillas versuche, Betriebsratswahlen gerichtlich unter anderem mit der Begründung zu stoppen, es sei unklar, für welche Betriebseinheit die Wahlen gelten sollten. Mitarbeiter in ausgelagerten Einheiten wären nun womöglich nicht mehr stimmberechtigt.

    Um eine „Pilotphase“ für das Franchisenetz zu starten, suche Gorillas nun „nach Menschen mit unternehmerischem Geist“, teilte das Unternehmen mit. Allein stehen die Berliner mit dem Modell nicht da. Das große Vorbild von Gründer Kagan Sümer, der türkische Anbieter Getir, hat ebenfalls angekündigt, mit einer Mischung aus eigenen Lagern und Franchisenehmern in Deutschland expandieren zu wollen.

    Gorillas wurde von Geldgebern bei der jüngsten Finanzierungsrunde im Oktober mit 1,8 Milliarden Euro vor Geldzufluss bewertet. 860 Millionen Euro frisches Geld flossen an das Unternehmen. Eingestiegen ist damals auch der Dax-Konzern Delivery Hero.

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