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29.03.2022

14:00

Schwierige Personalsuche

Deutsche Bahn: Nachfolge für Ronald Pofalla zieht sich

Von: Jens Koenen, Daniel Delhaes

PremiumIn der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch wird noch kein neuer Infrastrukturvorstand benannt. Vorstand Huber gilt als Favorit, ist aber noch nicht gesetzt.

Deutsche Bahn, Ronald Pofalla imago images/Klaus W. Schmidt

Deutsche Bahn

Ronald Pofalla Pofalla scheidet Ende April aus.

Frankfurt Wenn am Mittwoch das Kontrollgremium der Deutschen Bahn zusammenkommt, um den Abschluss 2021 zu verabschieden und zu genehmigen, müsste eigentlich noch ein anderer wichtiger Punkt auf der Tagesordnung stehen: die Nachfolge für Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla. Doch wie aus dem Umfeld des Aufsichtsrats und des Unternehmens zu hören ist, wird es so schnell keine Entscheidung geben.

Das Thema werde wohl erst auf einer außerordentlichen Sitzung der Kontrolleure im April oder Mai beschlossen werden können, heißt es. Zwar wird von einigen auf Arbeitnehmerseite Personenverkehrsvorstand Berthold Huber favorisiert. Entsprechende Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ werden in Aufsichtsratskreisen bestätigt. Doch es gebe noch einigen Gesprächsbedarf, heißt es. Auf Seiten der Politik habe man die Idee eines externen Nachfolgers noch nicht begraben. Das Unternehmen wollte sich dazu nicht äußern.

Dabei ist der Zeitdruck groß. Pofalla scheidet Ende April aus. Dass sich die Suche nach Ersatz zieht, hat mehrere Gründe. So ist der angebotene Job eher undankbar. Pofalla ist bisher für die Infrastruktur verantwortlich, allen voran für das deutschlandweite Schienennetz.

Das ist marode, weil in der Vergangenheit über viele Jahre nicht oder nur unzureichend investiert wurde. Mittlerweile wird zwar wieder kräftig gebaut. Doch das führt in Kombination mit dem fragilen Netz seit Monaten immer wieder zu großen Behinderungen – und bei Bahnrivalen wie den privaten Güterbahnen für mächtig Ärger.

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    Pofalla musste dafür in der Vergangenheit viel Kritik einstecken. Immer wieder wurde ihm Managementversagen vorgeworfen. Hinzu kam das Megaprojekt Stuttgart 21. Der neue unterirdische Bahnhof wird nicht nur deutlich später fertig als geplant. Die Baukosten haben sich auch vervielfacht und nähern sich der imposanten Summe von zehn Milliarden Euro.

    Infrastruktur ist das Sorgenkind der Bahn

    Das Risiko ist groß, dass auch Pofallas Nachfolger oder Nachfolgerin schnell in die Rolle des Buhmanns gerät. Denn der Investitionsstau ist so enorm, dass er schnell gar nicht behoben werden kann.

    Zudem gesellt sich zum heiklen Job ein eher bescheidenes Gehalt. Die Suche nach einem externen Nachfolger für Pofalla gilt deshalb als extrem schwierig. Zwar klingen die 650.000 Euro, die er laut Geschäftsbericht im Jahr 2020 als Festgehalt erhielt, auf den ersten Blick nicht nach wenig Geld. Doch in der „freien Wirtschaft“ können Manager auf einer vergleichbaren Position deutlich mehr verdienen.

    Hier rächt sich das spezielle Gehaltssystem des Staatskonzerns. Das Fixgehalt der Bahn-Vorstände ist langfristig geregelt. Nur bei Vertragsverlängerungen steigt es. Die Raten werden bereits bei der ersten Berufung festgelegt. Dennoch muss der Aufsichtsrat der routinemäßigen Anhebung noch einmal zustimmen, wenn es so weit ist. Hinzu kommt eine variable Vergütung.

    Bahnchef Richard Lutz stand im Vorkrisenjahr 2019 ein Festgehalt von 900.000 Euro zu, inklusive der Tantieme wurden daraus rund 1,7 Millionen Euro. Das ist in etwa so viel, wie Lufthansa-Chef Carsten Spohr als Basisgehalt bekommt, wobei die Airline-Gruppe in normalen Zeiten weniger Umsatz erzielt als der Bahn-Konzern.

    DB-Chef Richard Lutz Reuters

    Bahn-Chef Richard Lutz

    Der CEO des Staatskonzern darf sich über etwas mehr Festgehalt freuen, muss sich aber bei der Nachfolge für seinen Infrastrukturkollegen Ronald Pofalla gedulden.

    Zwar sollen nun einige Vorstände mehr Festgehalt bekommen. Die Aufsichtsräte werden am Mittwoch für zwei Vorstände ein um zehn Prozent steigendes Fixum beschließen, heißt es im Umfeld der Kontrolleure.

    Doch das ist nur die übliche Routine. Da die Verträge von Bahn-Chef Lutz, Huber und Pofalla im April vergangenen Jahres verlängert wurden, hätte ihnen damals auch ein höheres Fixgehalt zugestanden.

    Wegen der Folgen der Pandemie – die Bahn fuhr 2020 einen Verlust von 5,7 Milliarden Euro ein - wurde die Routine aber ausgesetzt. Nun - mit einem Jahr Verzögerung - wird das Basisgehalt von Lutz wohl von 900.000 auf 990.000 Euro steigen, das von Huber von 650.000 auf 715.000 Euro. Pofalla geht leer aus, da er ausscheidet.

    Wenig wettbewerbsfähige Vergütung bei der Bahn

    Doch selbst mit diesem Plus gelten die Basisbezüge des Vorstands bei der Deutschen Bahn nicht als wettbewerbsfähig. Das ist den Aufsichtsräten bewusst, auch den meisten auf der Arbeitnehmerseite. Ein deutlich höheres Fixgehalt ist aber schwer zu vermitteln – weder aufseiten des Bundes als Eigentümer noch aufseiten der Gewerkschaften.

    Zumal der Staatskonzern ziemlich angeschlagen ist. Zwar konnte die Deutsche Bahn ihren Verlust im vergangenen Jahr deutlich auf rund 910 Millionen Euro reduzieren. Wenn Bahn-Chef Lutz die Zahlen an diesem Donnerstag offiziell vorstellen wird, kann er zudem von einem um etwa 18 Prozent auf 47,2 Milliarden Euro gestiegenen Umsatz berichten.

    Doch daran hat die Logistiktochter Schenker maßgeblichen Anteil. Sie allein steuerte 2021 rund 1,2 Milliarden Euro an operativem Gewinn bei. Schenker soll nach dem Willen der FDP und der Grünen allerdings verkauft werden, der Gewinnbringer würde damit wegfallen. Gleichzeitig schiebt die Bahn Schulden von rund 30 Milliarden Euro vor sich her. Das ist für ein Unternehmen mit dem Staat im Hintergrund zwar weniger problematisch als für eine private Firma. Aber es engt den Handlungsspielraum des Managements stark ein, etwa bei notwendigen Investitionen.

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