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24.11.2022

19:09

Sportartikelindustrie

Adidas prüft neue Vorwürfe rund um Kanye West – Investoren machen Druck

Von: Axel Höpner

Der US-Rapper soll in Meetings Pornos gezeigt haben – und intime Fotos seiner Ex-Frau Kim Kardashian. Adidas wird vorgeworfen, das jahrelang gewusst zu haben. Das alarmiert Großanleger.

Der umstrittene Rapper und Unternehmer soll schon länger durch krasses Fehlverhalten aufgefallen sein. Reuters

Kanye West bei einer Wahlkampfveranstaltung

Der umstrittene Rapper und Unternehmer soll schon länger durch krasses Fehlverhalten aufgefallen sein.

München Adidas prüft neue Vorwürfe im Zusammenhang mit der inzwischen gestoppten Partnerschaft mit dem umstrittenen US-Rapper Kanye West. In einem anonymen Brief ist der Vorwurf erhoben worden, Manager des Sportartikelkonzerns hätten von Fehlverhalten Wests in den vergangenen Jahren gewusst, aber nicht reagiert.

Der Brief soll von Mitarbeitern aus dem Team der „Yeezy“-Kooperation zwischen Adidas und West stammen. Investoren fordern nun Aufklärung.

Der „Rolling Stone“ hatte berichtet, dass sich West über Jahre intern unangemessen verhalten haben soll, insbesondere gegenüber Frauen. Er habe bei Meetings auch Pornografie und intime Fotos seiner damaligen Frau Kim Kardashian gezeigt, zudem Mitarbeiter schlecht behandelt. In dem Brief wird Adidas-Vertretern nun ein fehlender moralischer Kompass vorgeworfen, weil sie von dem Fehlverhalten gewusst hätten, aber nicht eingeschritten seien.

Adidas erklärte dazu am Donnerstag: „Es ist derzeit unklar, ob die in einem anonymen Brief erhobenen Vorwürfe den Tatsachen entsprechen.“ Man nehme die Anschuldigungen sehr ernst und habe daher „die Entscheidung getroffen, unverzüglich eine unabhängige Untersuchung der Angelegenheit einzuleiten, um den Vorwürfen entsprechend nachzugehen“.

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    Adidas hatte die lange sehr profitable Kooperation mit West, der sich inzwischen schlicht „Ye“ nennt, nach antisemitischen Äußerungen des US-Rappers beendet. Die Äußerungen und Handlungen West seien „inakzeptabel, hasserfüllt und gefährlich“.

    Union Investment will Antworten von Adidas

    Zum Bruch mit dem Künstler und Unternehmer kam es erst nach massiven internationalen Protesten. Andere Unternehmen wie Gap hatten schneller als Adidas reagiert und die Zusammenarbeit mit West bereits beendet. Der Rapper war bereits zuvor mit Entgleisungen aufgefallen.

    Angesichts der neuen Vorwürfe erhöhen nun auch wichtige Investoren den Druck. „Adidas muss offenlegen, wann Vorstand und Aufsichtsrat erstmals über die internen Vorwürfe informiert wurden“, forderte Janne Werning von Union Investment. Darüber hatte auch die „Financial Times“ berichtet. Unklar ist auch, wie sich Wests Ex-Frau Kim Kardashian, selbst Unternehmerin mit einem von „Forbes“ geschätzten Vermögen von rund einer Milliarde Dollar, in der Causa verhalten wird.

    Die Kooperation hat Adidas viel Geld eingebracht – inzwischen ist sie geschäftsschädigend. AP

    Yeezy-Schuhe

    Die Kooperation hat Adidas viel Geld eingebracht – inzwischen ist sie geschäftsschädigend.

    Der zweitgrößte Sportartikelkonzern der Welt hatte Schuhe unter der Marke Yeezy herausgebracht, die gemeinsam mit West entwickelt worden waren. West warf dem Konzern zeitweise vor, das Design der von ihm entworfenen Schuhe kopiert und für eigene Adidas-Modelle verwendet zu haben.

    Der Multimillionär hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mit radikalen Äußerungen provoziert. Kürzlich erschien er mit der rechten schwarzen Influencerin Candace Owens auf der Pariser Fashion Week. Beide trugen Pullover mit der Aufschrift „White Lives Matter“ – eine bewusste Abgrenzung gegen „Black Lives Matter“.

    In einem Interview mit dem ultrakonservativen Sender Fox News machte der Musiker anschließend die schwarze Sängerin Lizzo für „den Völkermord an der schwarzen Rasse“ verantwortlich. Schließlich führte die antisemitische Drohung, „Death con 3“ auf „jüdische Menschen“ zu gehen, dass er etwa auf Twitter zeitweise gesperrt wurde. „Defcon 3“, auf das er anspielt, ist ein Code für einen erhöhten Alarmstatus, der vom US-Militär verwendet wird.

    Nach eigenen Angaben wurde bei Kanye West eine bipolare Störung diagnostiziert, eine psychische Erkrankung, bei der Betroffene zwischen euphorischen und depressiven Zuständen schwanken.

    Adidas kommt die Trennung teuer zu stehen. In guten Zeiten hatte der Konzern weit mehr als eine Milliarde Euro Umsatz mit den Produkten gemacht. Das Ende der Kooperation drückt den Gewinn allein in diesem Jahr um 250 Millionen Euro. Auch deshalb musste Adidas die Prognose für das laufende Jahr erneut senken.

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