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07.01.2022

11:14

Studie zum Onlinehandel

Social Commerce: Shopping auf Plattformen wie Instagram und Tiktok wird zum Billionenmarkt

Von: Katrin Terpitz

Zwei Milliarden Menschen kaufen bereits über soziale Medien ein. Eine Studie prognostiziert nun bis 2025 einen Billionen-Umsatz.

Die chinesischen Influencer Viya (links) und  Li Jiaqi verkaufen auf der App Taobao im Live-Stream Produkte für viele Milliarden Dollar. Reuters

Social Commerce in China

Die chinesischen Influencer Viya (links) und Li Jiaqi verkaufen auf der App Taobao im Live-Stream Produkte für viele Milliarden Dollar.

Düsseldorf In nur zwölf Stunden haben die chinesischen Live-Streamer Li Jiaqi and Viya einen Rekordumsatz erzielt: Im Vorfeld des in China beliebten Shopping-Events Singles’ Day verkauften sie Anfang November per Video Produkte im Wert von umgerechnet drei Milliarden Dollar. Das ist in etwa das Dreifache von dem, was der E-Commerce-Riese Amazon im Schnitt an einem ganzen Tag umsetzt.

488 Millionen Menschen schauten zu, wie die Influencer Produkte von Make-up bis Wimperntusche live anpriesen. Die App von Taobao, Onlineshopping-Tochter der chinesischen E-Commerce-Plattform Alibaba, brach kurzzeitig zusammen.

Der als „Lippenstift-König“ bekannte Streamer Li promotete in den zwölf Stunden 439 Produkte, vor allem Kosmetika der Marken L’Oréal, Shiseido, Guerlain oder Esteé Lauder. Allein L’Oréal bescherte der Social-Media-Star zu diesem Event einen Umsatz von umgerechnet 115 Millionen Dollar.

Ein konkretes Beispiel dafür, wie der Direktverkauf über soziale Medien weltweit massiv zunimmt. Der Umsatz über „Social Commerce“ könnte sich von zuletzt 492 Milliarden Dollar auf bis zu 1,2 Billionen Dollar im Jahr 2025 fast verdreifachen. Das prognostiziert das Beratungsunternehmen Accenture in einer aktuellen Studie.

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    Heute werden etwa zehn Prozent aller E-Commerce-Ausgaben per Social Commerce getätigt. Bis 2025 sollen es knapp 17 Prozent sein. Insgesamt dürften demnach dann rund sieben Billionen Dollar weltweit im Onlinehandel umgesetzt werden.

    Shopping über Social Media (Social Commerce) bedeutet, dass das gesamte Einkaufserlebnis des Kunden von der Entdeckung des Produkts bis zur Kaufabwicklung über Instagram, Tiktok, Facebook, Pinterest oder ähnliche Plattformen stattfindet. Accenture befragte mehr als 10.000 Social-Media-Nutzer in China, den USA, Großbritannien, Indien und Brasilien.

    China ist Vorreiter bei Social Commerce

    Es sind längst nicht nur Influencer, Netz-Sternchen oder Promis, die über Social-Media-Plattformen erfolgreich Produkte verkaufen. Laut Accenture verdienen allein in China 463 Millionen Menschen Geld mit Social Media. Weltweit schätzt die Beratung, dass im vergangenen Jahr fast zwei Milliarden Menschen zumindest einen Kauf über Social Media getätigt haben.

    „Social Commerce kann kleineren Marken und Einzelunternehmern die kreative Kundenansprache erleichtern“, betont David Holtmann, Managing Director von Accenture für Konsumgüter und Services. Denn auch ohne teure Marketingkampagnen sind potenzielle Kunden über Social Media wesentlich gezielter zu adressieren. 59 Prozent der Befragten sagen, dass sie auf Social Media eher von kleinen Firmen kaufen als im Onlinehandel. 44 Prozent geben dort unbekannten Marken eher eine Chance.

    Gleichzeitig seien große Marken gefordert, traditionelle Strategien im E-Commerce zu überdenken, sagt Holtmann. Alpecin-Hersteller Dr. Wolff ist in China mit Social Commerce schon länger aktiv. Während des „818 Trendy Goods Festival“ auf Douyin, dem chinesischen Tiktok-Pendant, wurden mehr als 30.000 Flaschen des Koffein-Shampoos zusätzlich verkauft. Das Asien-Team des deutschen Mittelständlers arbeitete dabei mit 34 Influencern zusammen und verzeichnete vier Millionen Aufrufe von Streams und Kurzvideos.

    Influencer der chinesischen Video-Plattform Douyin bewerben Koffein-Shampoo des deutschen Herstellers Dr. Wolff. Douyin

    Alpecin

    Influencer der chinesischen Video-Plattform Douyin bewerben Koffein-Shampoo des deutschen Herstellers Dr. Wolff.

    „Viele etablierte Marken könnten durch Social-Media-Vertrieb zusätzlichen Schub bekommen“, betont Wanja Oberhof, CEO der Social Chain AG. Das Münchener Social-Commerce-Unternehmen von Georg Kofler vertreibt seine Marken vom Porridge über Fitnesszubehör bis Boxspringbetten hauptsächlich über soziale Medien. 86 Millionen Follower weltweit zählen laut Social Chain Group zur Community. Das Unternehmen, das seit November im Prime Standard in Frankfurt gelistet ist, strebt 2023 einen Umsatz von einer Milliarde Euro an.

    Die Generation Z findet Marken zuerst auf Social Media

    Die Zielgruppe für Social-Media-Shopping wächst. „Vor allem die Generation Z, die täglich mehrere Stunden online ist, findet Marken zuerst über Social Media“, betont Mirko Warschun, Leiter Konsumgüter und Handel Europa der Beratung Kearney. Social Media sei für junge Kunden die Hauptquelle der Inspiration über sämtliche Produktgruppen.

    Die meisten Einkäufe über Social Media werden laut Accenture bis 2025 in den Bereichen Kleidung (18 Prozent), Unterhaltungselektronik (13 Prozent) und Heimtextilien (sieben Prozent) getätigt.

    Die Konsumenten erwarten laut Warschun, dass sie die Produkte sofort kaufen können. „Livestreaming“ oder „In-App-Purchasing“ seien in China längst Standard, gewönnen in den USA und Europa zunehmend an Bedeutung. „Die Direktvermarktung an den Verbraucher über Social Media wird auch hierzulande immer wichtiger“, bestätigt Handelsexperte Gerrit Heinemann, Professor an der Hochschule Niederrhein.

    Auch wenn Shoppen auf Social Media im Trend liegt, bleiben Bedenken. Die Hälfte der weltweit befragten Social-Media-Nutzer ist besorgt, dass Käufe nicht ausreichend geschützt und bei Bedarf rückerstattet werden. Mangelndes Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Anbieter sieht Holtmann als größtes Hindernis für den neuen Absatzkanal – ähnlich wie das in den Anfangszeiten des Onlinehandels der Fall war.

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