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30.11.2022

07:16

Synthetische Treibstoffe

E-Fuels für Flugzeuge und Schiffe: Bund fördert Projekt in Frankfurt

Von: Jens Koenen

Die Luftfahrt braucht künftig synthetischen Treibstoff. 2024 soll in Frankfurt eine erste industrielle Anlage in Betrieb gehen, unterstützt von der Politik.

Die Luft- und die Schifffahrt  ist auf E-Fuels angewiesen. Elektrische Antriebe kommen für die häufig langen Strecken und das große Gewicht kaum in Frage. dpa

Flugzeuge

Die Luft- und die Schifffahrt ist auf E-Fuels angewiesen. Elektrische Antriebe kommen für die häufig langen Strecken und das große Gewicht kaum in Frage.

Frankfurt Für die geplante E-Fuel-Anlage des Karlsruher Unternehmens Ineratec stellt das Bundesumweltministerium rund sechs Millionen Euro zur Verfügung – Geld aus dem sogenannten Umweltinnovationsprogramm. Ab 2024 sollen in einer Fabrik in Frankfurt-Höchst jährlich 2500 Tonnen des synthetischen Treibstoffs produziert werden. Dieser soll vor allem in der Luft- und Schifffahrt zum Einsatz kommen.

Philipp Engelkamp, Mitgründer und einer der Geschäftsführer von Ineratec, sieht in der Unterstützung aus Berlin mehr als nur einen finanziellen Beitrag. „Die Förderung ist vor allem auch ein politisches Signal, das zeigt: Über alle Parteien hinweg wird mittlerweile akzeptiert, dass E-Fuels eine zentrale Rolle spielen, die Luft- und Schifffahrt klimaneutral zu machen.“

Über 30 Millionen Euro investiere die 2014 gegründete Firma in ihre Anlage in Frankfurt. Läuft alles nach Plan, könnte es die erste weltweite E-Fuel-Anlage im industriellen Maßstab werden.

Zwar wird rund um den Globus an Technologien zur Fertigung des synthetischen Treibstoffs geforscht. Doch bisher stehen lediglich Pilotanlagen. Die Fabrik von Ineratec sei laut Firmenaussage dagegen eine „industrielle Erstanlage“, auf deren Basis dann weltweit eine industrielle Serienproduktion aufgebaut werden könne.

Die Anlage in Höchst sei erst der Anfang, sagt Engelkamp. „Wir wollen weltweit der größte Hersteller von E-Fuels werden.“

Das synthetische Benzin gilt in der Luft- und Schifffahrt als zentraler Hebel, klimaneutral zu werden. Ineratec baut bei Frankfurt eine erste industrielle Anlage. dpa

Begehrter Treibstoff

Das synthetische Benzin gilt in der Luft- und Schifffahrt als zentraler Hebel, klimaneutral zu werden. Ineratec baut bei Frankfurt eine erste industrielle Anlage.

E-Fuels, in der Luftfahrt auch SAF genannt, können auf mehrere Arten produziert werden. Grundsätzlich gilt: Aus nicht-fossilen und nachwachsenden Rohstoffen wird in komplizierten chemischen Verfahren Biokraftstoff hergestellt.

Manche Firmen nutzen dazu Hausmüll oder landwirtschaftliche Abfälle. Auch können mithilfe von grünem Strom Wasser und Kohlenstoffdioxid (CO2) aus der Luft entnommen und zu Kerosin verarbeitet werden. Damit hat E-Fuel eine deutlich bessere Klimabilanz als fossile Treibstoffe.

E-Fuels können auf mehrere Arten hergestellt werden

Gerade die Luft- und die Schifffahrt sind auf E-Fuels angewiesen, damit ihre Transportmittel künftig emissionsärmer werden. Elektrische Antriebe kommen mangels Leistungsfähigkeit der Akkus für die häufig langen Strecken und das große Gewicht, das die Gefährte bewegen müssen, nicht infrage.

In Hoechst greift Ineratec auf das zu, was in dem dortigen Chemiepark schon vorhanden ist. „Frankfurt-Höchst ist in Deutschland der beste Standort. Wir nutzen dort vor Ort verfügbares biogenes CO2 und grünen Wasserstoff“, sagt Engelkamp: „Wir gehen davon aus, ab September kommenden Jahres die Phase der Inbetriebnahme starten zu können. Im ersten Quartal 2024 ist der normale Anlagenbetrieb vorgesehen.“

Ineratec will mit der Anlage zeigen, dass es marktreife Technologie für die Produktion von E-Fuels gibt. Für die Hälfte der dort gefertigten Menge habe die Firma bereits Kooperationspartner, für die andere Hälfte suche man derzeit, sagt Engelkamp: „Uns ist es nicht wichtig, unbedingt den höchsten Preis zu erzielen. Wir wollen die richtigen Partner etwa in der Luftfahrt und der Schifffahrt, um die Anlage auf ein Niveau zu hieven, damit diese dann weltweit vervielfältigt werden kann.“

Die Förderung durch den Bund ist für Engelkamp auch deshalb ein gutes Signal, weil die Gefahr droht, das Know-how in diesem Geschäft ans Ausland zu verlieren. „Wir befinden uns beim Thema E-Fuels in Europa technologisch dank der umfassenden EU-Förderung von Forschung und Entwicklung in einer unglaublich guten Situation“, sagt er.

Mittlerweile hätten aber auch die USA und Asien erkannt, welches Marktpotenzial in synthetischen Kraftstoffen steckt, und dort umfassende Förderprogramme aufgelegt. Engelkamp sagt: „Ich sehe die Gefahr, dass deshalb Technologie im entscheidenden Moment abwandert. Hier muss die Bundesregierung reagieren.“

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