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04.11.2021

11:13

Tierbedarfshandel

Finanzinvestoren nehmen entscheidende Hürde bei der Zooplus-Übernahme

Von: Florian Kolf

Die milliardenschwere Übernahme des Tierspezialisten Zooplus steht vor dem Abschluss. Doch für den Onlinehändler hat das auch negative Folgen.

Der Online-Tierbedarfshändler Zooplus steht vor der Übernahme. dpa

Zooplus

Der Online-Tierbedarfshändler Zooplus steht vor der Übernahme.

Düsseldorf Die Finanzinvestoren Hellman & Friedman (H&F) und EQT haben ihr erstes wichtiges Ziel bei der Übernahme des Onlinehändlers Zooplus erreicht. Wie sie mitteilten, konnten sie sich mehr als 50 Prozent der Anteile sichern.

Nachdem sie sich zunächst einen heftigen Übernahmekampf geliefert hatten, schlossen sich H&F und EQT zusammen und legten den Aktionären ein gemeinsames Übernahmeangebot vor. Sie boten 480 Euro pro Aktie und bewerteten damit Zooplus insgesamt mit 3,7 Milliarden Euro.

Bis zuletzt war nicht sicher, ob die Offerte erfolgreich sein würde. Obwohl der gebotene Preis mehr als 80 Prozent über dem volumengewichteten Drei-Monats-Durchschnittskurs der Zooplus-Aktie vor dem ersten Übernahmeangebot lag, konnten sich die Investoren bis einen Tag vor Ende der Annahmefrist erst gut 30 Prozent der Anteile sichern.

Das genaue Ergebnis, wie viel Prozent der Anteile den Investoren bereits angedient wurde, wird voraussichtlich am 8. November bekannt gegeben. Das Angebot war an eine Annahmequote von 50 Prozent plus einer Aktie geknüpft. Die Annahmefrist endete in der Nacht zum 4. November.

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    H&F und EQT planen, Zooplus mittelfristig von der Börse zu nehmen. Dafür haben sie mit der Übernahme der Mehrheit den ersten wichtigen Schritt getan. Aktionäre, die ihre Aktien noch nicht angedient haben, haben nun die Möglichkeit, das Angebot von 480 Euro pro Aktie in einer weiteren Annahmefrist noch zu akzeptieren. Diese Frist wird voraussichtlich vom 9. bis zum 22. November laufen.

    Zooplus reduziert die Ergebnisprognose

    Während die Aktionäre profitieren, zieht der Erfolg des Angebots für Zooplus zusätzliche Kosten nach sich: Wie das Unternehmen mitteilte, werden ihm als Folge des voraussichtlichen Vollzugs des Übernahmeangebots einmalige Transaktionskosten in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags im Geschäftsjahr 2021 entstehen.

    Deshalb reduziert der Vorstand seine Ergebnisprognose und erwartet derzeit ein Ebitda für das Gesamtgeschäftsjahr 2021 in der Bandbreite von 20 bis 35 Millionen Euro. Zuvor hatte er ein Ebitda in einer Bandbreite von 40 bis 80 Millionen Euro prognostiziert. Die Umsatzprognose für das Gesamtgeschäftsjahr 2021 liegt unverändert in der Bandbreite von 2,04 Milliarden bis 2,14 Milliarden Euro.

    Mitte August hatte Zorro Bidco, eine Holdinggesellschaft, die durch von Hellman & Friedman beratene Fonds kontrolliert wird, ihre Absicht angekündigt, ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für Zooplus zu unterbreiten. Anfang Oktober wurde das Angebot von Pet Bidco, einer indirekt von EQT Private Equity gehaltenen Holdinggesellschaft übertroffen, dann zog H&F einen Tag später gleich.

    Nun ziehen beide Finanzinvestoren gemeinsam die Übernahme durch, was in der Investorenbranche durchaus selten vorkommt, wenn sie zuvor konkurriert haben. Der letzte bekannte Fall war ein Übernahmekampf um den Heizungsablesedienst Techem Anfang 2007. Die beiden damaligen Investoren, die australische Bank Macquarie und der Finanzinvestor BC Partners hatten zunächst konkurriert und sich danach verbündet.

    Was viele Zooplus-Aktionäre letztlich überzeugt hat: Das aktuelle Gebot liegt weit jenseits dessen, was Analysten Zooplus vorher als Potenzial zugetraut hatten. So hatte Barclays Mitte Mai noch ein Kursziel von 185 Euro ausgerufen.

    Markt für Tierbedarf wächst rasant

    Analyst Christian Salis von Hauck & Aufhäuser hatte als Kursziel ursprünglich 225 Euro genannt und entsprechend schon die erste Offerte von H&F in Höhe von 390 Euro als attraktiv bezeichnet – und zur Annahme geraten. Doch dann stieg der Kurs weiter.

    Einig sind sich alle Fachleute, dass Zooplus noch großes Potenzial hat. „Es ist langfristig durchaus realistisch, dass sich der Onlineanteil im Handel mit Tierbedarf von heute rund 15 auf bis zu 50 Prozent erhöht“, prognostizierte Volker Bosse, Handels- und Konsumgüterexperte der Baader Bank.

    Der Markt für Tierbedarf wächst jedes Jahr um sechs bis sieben Prozent, vor allem getrieben von den Onlineverkäufen. Aus Sicht von EQT ist Zooplus dafür gut positioniert. Das Unternehmen habe in Europa expandiert und verfüge über eine führende Stellung in den jeweiligen Märkten, heißt es.

    Beide Investoren hatten in ihren Offerten angedeutet, dass sie bereit wären, auch nach dem Kauf weitere Mittel in Zooplus zu stecken, um dieses Wachstumspotenzial zu nutzen. „Kurzfristig wird das viele Investments nach sich ziehen“, heißt es in Bieterkreisen. Um Zooplus auf höhere Wachstumsraten zu bringen, müsse noch viel Arbeit geleistet werden.

    Auch deshalb konnten sich H&F und EQT ein weiteres Wettbieten mit einem noch höheren Kaufpreis nicht erlauben. Mit dem Erreichen der Annahmeschwelle für ihr gemeinsames Angebot haben sie nun die Möglichkeit, ihren Anteil weiter aufzustocken.

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