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12.10.2022

18:01

Tourismus

Reiseveranstalter verzeichnen weniger Urlauber bei höheren Preisen

Von: Christoph Schlautmann

Der Deutsche Reiseverband erwartet für dieses Urlaubsjahr ein Minus von zehn Prozent gegenüber 2019. Dass sich die Lage in der kommenden Saison bessert, will er nicht versprechen.

Die Reisebranche kommt nur langsam zurück. dpa

Touristen am Flughafen Düsseldorf

Die Reisebranche kommt nur langsam zurück.

Düsseldorf Reisekonzerne wie Tui, DER Touristik oder FTI haben seit diesem Frühjahr mit Erfolgsmeldungen von sich reden gemacht. Die Mehrheit der Bundesbürger wolle im kommenden Winter verreisen, erklärte etwa Tui-Deutschland-Chef Stefan Baumert noch vor einem Monat auf der Basis einer bei Yougov in Auftrag gegebenen Blitzbefragung. Entsprechend hoch waren die wirtschaftlichen Erwartungen an das Gesamtjahr.

Die Zahlen, die der Deutsche Reiseverband (DRV) am Mittwoch vorlegte, zeugen dagegen von Ernüchterung. Die Reservierungen für den kommenden Winter liegen demnach immer noch um 33 Prozent unter dem Niveau des letzten Vor-Corona-Winters 2018/19. Auch die Gästezahlen für den zurückliegenden Sommer dürften die Branche keineswegs zufriedenstellen.

Nach einem durch Corona-Lockdowns belasteten Saisonstart im Winter 2021/22 stiegen die Umsätze zwar seit März wieder schrittweise an. Bis Ende August, ermittelte die Marktforschungsfirma Travel Data + Analytics (TDA), lagen die im Urlaubsjahr 2021/22 aufgelaufenen Erlöse (ab November 2021) noch 14 Prozent unter dem Niveau vor der Pandemie. „Bis zum endgültigen Saisonende rechnen wir in diesem Urlaubsjahr mit einem Minus von rund zehn Prozent gegenüber 2019“, sagte Verbandspräsident Norbert Fiebig.

Preise um 15 Prozent gestiegen

Da die Durchschnittspreise, die Urlauber pro Nacht und Person in diesem Jahr zahlten, nach Berechnungen von TDA um 15 Prozent nach oben gingen, ergibt sich daraus im Vergleich zum Umsatz ein noch größerer Schwund an Urlaubern.

Die Reisenden hätten sich teilweise luxuriöse und längere Urlaube gegönnt als vor der Pandemie, sagte Fiebig, zum Teil seien aber auch die Angebote teurer geworden. „Die Bedeutung niedriger Preisklassen im Urlaubsmarkt geht eindeutig zurück“, berichtete TDA-Marktforscherin Alexandra Weigand.

Angesichts steigender Heizkosten und höherer Preise im Supermarkt zeigt sich der Deutsche Reiseverband für das kommende Urlaubsjahr zurückhaltend. „Die deutlich angezogene Nachfrage in den vergangenen Monaten zeigt, dass die Reisewirtschaft auf Erholungskurs, aber noch längst nicht über den Berg ist“, sagte er.

Zwar will Verbandspräsident Fiebig nicht ausschließen, dass die Buchungen im kommenden Jahr wieder das Vorkrisenniveau erreichen. „Wir müssen aber abwarten, ob die Konsumenten dafür nach ihren Heizkostenabrechnungen im Januar noch genügend Geld im Portemonnaie besitzen“, sagte er.

Das Angebot vieler Reiseveranstalter, allen voran des Münchener Touristikkonzerns FTI, während der teuren Heizperiode kostengünstig in Tunesien, der Türkei oder in Griechenland zu überwintern, werde von Kunden angenommen, berichtete der Verband. „Einen auffälligen Run sehen wir aber noch nicht“, schränkte Fiebig ein.

Stärker gefragt seien die während Corona eingeführten Flextarife, bei denen Reisen noch kurzfristig storniert oder umgebucht werden dürfen. Das Bedürfnis vieler Reisender nach Sicherheit habe dazu geführt, heißt es beim DRV, dass Pauschalangebote wieder stärker gefragt seien als früher. Sie machten aktuell 70 Prozent des Umsatzes von Reisebüros und Onlineportalen aus.

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