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06.01.2022

18:10

Verkehrstechnik

Atlantia-Holding wird zum Favoriten für Übernahme der Siemens-Tochter Yunex

Von: Axel Höpner, Arno Schütze

Die Italiener haben laut Finanzkreisen gute Chancen, den Zuschlag für Yunex Traffic zu bekommen. Siemens kann auf knapp eine Milliarde Euro hoffen.

Yunex Traffic passe in die eigene neue Strategie, heißt es einer Mitteilung der italienischen Holding. Reuters

Atlantia

Yunex Traffic passe in die eigene neue Strategie, heißt es einer Mitteilung der italienischen Holding.

München Siemens steht kurz vor dem Verkauf seiner Verkehrstechnik-Tochter Yunex Traffic. Die italienische Infrastruktur-Holding Atlantia, die von der Unternehmerfamilie Benetton kontrolliert wird, hat nach eigenen Angaben am Mittwoch ein verbindliches Gebot hinterlegt.

Nach Informationen des Handelsblatts aus Finanzkreisen hat Atlantia gute Chancen auf den Zuschlag, Siemens dürfte der Verkauf knapp eine Milliarde Euro einbringen.

Yunex passe in die neue Strategie von Atlantia, hieß es in der Mitteilung der Holding weiter. Die Abspaltung von Siemens Mobility bietet Lösungen für die intelligente Straßenverkehrssteuerung an, von Mautsystemen bis zu Ampelsteuerungen. Siemens zählte das Unternehmen nicht mehr zum Kerngeschäft seiner Bahntechnik-Sparte.

Der Umsatz von Yunex lag laut Siemens zuletzt bei mehr als 600 Millionen Euro, der Auftragseingang sei in den vergangenen Jahren im Schnitt um acht Prozent gewachsen. Das Unternehmen arbeitet inzwischen profitabel.

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    Siemens wollte die Informationen nicht kommentieren. In Industriekreisen hieß es, der Verkauf stehe unmittelbar bevor, die finale Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

    Atlantia entscheidet Bieter-Wettstreit für sich

    Das Käuferinteresse war in den vergangenen Monaten groß. Siemens hatte fünf Bieter ausgewählt, die bis kurz vor Weihnachten eine verbindliche Offerte vorlegen sollten. Die Interessenten waren neben Atlantia die Finanzinvestoren Bridgepoint und KKR, die tschechische Industrieholding PPF und der Wettbewerber Cubic, der den Beteiligungsfirmen Veritas Capital und Evergreen Coast Capital gehört.

    Zuletzt war aus diesem Kreis nach Informationen des Handelsblatts neben Atlantia vor allem noch Bridgepoint interessiert, der Finanzinvestor soll aber inzwischen ausgestiegen sein.

    Die Atlantia Holding war nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua international in die Schlagzeilen gekommen. Sie gehörte zum Straßennetz der früheren Atlantia-Tochter Autostrade per l’Italia (ASPI). Nach jahrelangen Konflikten mit der Regierung hatte Atlantia den Mautstraßenbetreiber Mitte 2021 für gut neun Milliarden Euro an ein Investorenkonsortium verkauft.

    Danach hatte Atlantia erklärt, sich künftig nicht mehr nur an Autobahnen, Flughäfen und Mautsystemen zu beteiligen, sondern auch in verwandte Geschäftsfelder wie intelligente Verkehrslösungen einzusteigen.

    Aus Siemens ITS wurde Yunex – der Verkauf war abzusehen

    Dass Yunex Traffic schließlich verkauft werden könnte, wurde klar, als Siemens im November 2020 dessen Loslösung aus der Siemens-Bahntechniksparte Mobility ankündigte. Man wolle der Sparte in dem überwiegend von mittelständischen Wettbewerbern geprägten Markt „neue Möglichkeiten eröffnen“, sagte der heutige Konzernchef Roland Busch damals.

    Im Februar 2021 schließlich verkündete Busch, die frühere Siemens Intelligent Traffic Systems werde zum 1. Juli in ein eigenständiges Unternehmen ausgegliedert und in Yunex Traffic umbenannt. Yunex solle mit „unternehmerischer Freiheit agieren“, eine eigene Wachstumsstrategie verfolgen und aktiv zur Konsolidierung des Markts beitragen. Seitdem war der Verkauf der Sparte abzusehen.

    Das Kerngeschäft von Siemens Mobility, zu der Yunex zuvor gehörte, ist der Bau von Zügen und Signaltechnik. Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser hatte das Portfolio stark umgebaut und unter anderem die margenschwache Energietechnik abgespalten und als Siemens Energy an die Börse gebracht. Auch über eine Trennung von der Bahntechniksparte wurde zu dieser Zeit immer wieder spekuliert – besonders nach der gescheiterten Fusion mit Alstom.

    Siemens Mobility bleibt Teil des Kerngeschäfts

    Busch betonte nach seinem Start aber, dass er das Unternehmen nicht immer weiter aufspalten wolle. Gerade die Bahntechnik sei ein gutes Beispiel, wie Siemens Hard- und Software verbinden könne. Unter dem neuen Siemens-Chef Busch soll die Bahntechniksparte laut Unternehmenskreisen auch langfristig Kerngeschäft bleiben.

    Im vergangenen Geschäftsjahr 2020/21 steigerte Mobility den Umsatz um drei Prozent auf 9,2 Milliarden Euro. Mit einer operativen Marge von 9,3 Prozent erfüllte Mobility die neuen Mittelfristziele von zehn bis 13 Prozent zwar noch nicht. Allerdings war der Bahnsektor zwischenzeitlich stärker von den Auswirkungen der Coronapandemie betroffen. Inzwischen steigt die Nachfrage wieder. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2020/21 steigerte Mobility den Auftragseingang um ein Drittel auf 2,8 Milliarden Euro.

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