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27.04.2022

10:18

Warenhauskette

Der Umbau von Karstadt und Kaufhof zu Galeria stockt

Von: Florian Kolf

Vor einem halben Jahr hat die Warenhauskette von René Benko die Modernisierung nach neuem Konzept angekündigt. Noch ist allerdings nicht viel passiert.

Die Filiale ist das erste neu eröffnete Warenhaus nach dem Konzept „Galeria 2.0“. dpa

Galeria-Filiale in Euskirchen

Die Filiale ist das erste neu eröffnete Warenhaus nach dem Konzept „Galeria 2.0“.

Euskirchen Die Euphorie war groß im vergangenen Oktober. Die Warenhauskette Karstadt Kaufhof hatte unter der Marke Galeria einen Neustart versprochen und drei Pilotfilialen vorgestellt: Kleve als „lokales Forum“, Kassel als „regionaler Magnet“ und Frankfurt als „Weltstadthaus“.

50 bis 60 Häuser sollten komplett umgebaut werden, der Rest der 131 Filialen sollte zumindest angepasst werden. „Wir müssen jetzt schnell in den Rollout kommen“, sagte Galeria-Chef Miguel Müllenbach damals.

Doch ein halbes Jahr hat es jetzt gedauert, bis das erste Haus nach neuem Konzept eröffnet wird. Am Donnerstag öffnet das Haus in Euskirchen bei Bonn nach monatelangem Umbau wieder. Es ist nicht wirklich spektakulär – ein Nahversorger auf leicht reduzierter Verkaufsfläche von 6200 Quadratmetern.

Allzu viele weitere neue Häuser werden dieses Jahr nicht mehr folgen. Fulda wird nach Komplettumbau neu eröffnet, das Haus am Münchener Marienplatz wird immerhin erheblich modernisiert. Dazu kommen dann noch zwei Filialen in Einkaufscentern, eine davon im Centro in Oberhausen.

Dass es schwer wird, die ambitionierten Pläne umzusetzen, hatten Experten schon bei der Verkündung im Herbst vermutet. „Das Konzept ist grundsätzlich interessant, aber es umzusetzen ist eine Herkulesaufgabe“, sagte damals Jörg Funder, Handelsexperte von der Hochschule Worms, dem Handelsblatt. „Bei den Kunden wird eine große Erwartung geweckt, aber sie werden es nicht schaffen, schnell genug alle Häuser umzubauen.“

Allzu viele weitere neue Häuser werden dieses Jahr nicht mehr folgen. dpa

Galeria-Filiale in Euskirchen

Allzu viele weitere neue Häuser werden dieses Jahr nicht mehr folgen.

Die fehlende Geschwindigkeit drohe zum größten Risiko des Neustarts als „Galeria 2.0“ zu werden, erklärten die Experten. Entscheidend sei das dafür fehlende Geld. Die veranschlagte Investitionssumme von 400 Millionen Euro sei viel zu niedrig, sagte Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein.

Fehlende Baustoffe bremsen den Neustart von Galeria

Doch das ist im Moment gar nicht der limitierende Faktor. „Das Kapital haben wir, wir bekommen aber die Materialien nicht für den Umbau“, sagt Galeria-Chef Müllenbach dem Handelsblatt. Die allgemeine Knappheit von Baustoffen bremst den Neustart aus.

Selbst die Wahl von Euskirchen als Standort der ersten Filiale für die Umsetzung des Konzepts „Galeria 2.0“ folgt weniger einem strategischen Ansatz als einer puren Notwendigkeit. So war die Filiale von der Flutkatastrophe im vergangenen Sommer betroffen und musste ohnehin renoviert werden. Das Untergeschoß stand komplett unter Wasser, das Erdgeschoss bis zu einer Höhe von einem Meter.

„Drei Monate mussten wir das Untergeschoss austrocknen lassen“, sagt Filialgeschäftsführer Hans-Peter Neusser. Es sei bis auf die Grundmauern entkernt worden, der Schutt habe mit dem Bagger rausgeschafft werden müssen. Jetzt erstrahlt das Haus mit neuem Boden, neuer Möblierung und viel mehr Tageslicht – zum großen Teil bezahlt vom Geld der Versicherung.

„Wir müssen jetzt schnell in den Rollout kommen.“ dpa

Galeria-Chef Miguel Müllenbach

„Wir müssen jetzt schnell in den Rollout kommen.“

Auch noch nicht vollzogen ist der angekündigte Relaunch des Onlineshops. „An der Fertigstellung arbeiten wir weiter mit hoher Energie“, sagte Müllenbach bei einem ersten Rundgang in Euskirchen. Hilfreich war dabei sicher nicht, dass der 2020 mit viel Vorschusslorbeeren geholte Digitalchef Andreas Hink das Unternehmen im Januar schon wieder verlassen hat. Trotzdem verkündet Müllenbach, der neue Onlineshop werde „branchenweit Maßstäbe setzen“.

Die drei Pilotfilialen hätten sich am Markt bewährt, teilt das Unternehmen mit. Besonders treffe das für Kassel und Kleve zu. Frankfurt leidet immer noch unter dem Ausbleiben ausländischer Touristen, auf die bei Konzept und Sortimentsauswahl besondere Hoffnungen gesetzt wurden.

Kundenfrequenz liegt immer noch bis zu 25 Prozent unter 2019

Insgesamt lägen in den Galeria-Filialen die Kundenfrequenzen immer noch 20 bis 25 Prozent unter den Werten von 2019, räumt der Galeria-Chef ein. Hatten lange Zeit die Folgen der Pandemie die Umsätze gedrückt, ist es jetzt der Ukrainekrieg, der die Konsumstimmung belastet.

Dazu kommt: Der gesamte Handel leidet weiter unter stark gestörten Lieferketten. Rund 20 bis 30 Prozent der georderten Waren seien nicht zum vereinbarten Zeitpunkt lieferbar, viele Produkte überhaupt nicht verfügbar, heißt es im Markt. Viele Händler steuern ihr Sortiment zurzeit nach Verfügbarkeit der Waren.

Doch Galeria will sich den Neustart davon nicht verderben lassen, Eigentümer René Benko hat weiter ehrgeizige Pläne für die Kette. „Gemeinsam mit unserem Eigner sind wir dabei, einige sehr große Entwicklungen voranzutreiben, die nicht nur buchstäblich die Neuerschaffung großer Filialen, sondern auch eine erhebliche Aufwertung der jeweiligen Innenstadt bedeuten“, sagt Müllenbach.

Bei der Neueröffnung der umgebauten Filiale in Frankfurt zeigte sich der Galeria-Eigner zuversichtlich. imago images/STAR-MEDIA

René Benko

Bei der Neueröffnung der umgebauten Filiale in Frankfurt zeigte sich der Galeria-Eigner zuversichtlich.

Was er damit tatsächlich meint, ist eine Abkehr vom klassischen Warenhaus. In großen Städten sollen bisherige Häuser zu gemischt genutzten Immobilien umgebaut werden, mit Wohnungen, Büros – und einer Galeria-Filiale mit erheblich geringerer Verkaufsfläche.

Die Hoffnung ist, dass damit die Rentabilität der Immobilie deutlich steigt. Und das ist ganz im Sinne des Eigentümers Benko. Schließlich gehören seiner Gesellschaft Signa noch 25 der einst stolzen Warenhäuser.

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