Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.04.2017

12:15 Uhr

Handelsblatt Deutschland Dinner mit Joe Kaeser

Der iPhone-Vergleich des Siemens-Chefs kam bei Trump nicht gut an

VonFranz Hubik

Siemens-Chef Joe Kaeser schreckt vor unbequemen Wahrheiten nicht zurück. Beim Deutschland-Dinner lobte er die USA, kritisierte aber Präsident Donald Trump. Für die deutsche Flüchtlingspolitik fordert er klare Regeln.

Kaesers Kritik an Donald Trump: „Wenn so viele Mercedes an der 5th Avenue stehen sollen wie die Deutschen iPhones haben, dann müssten wir noch ziemlich viel an Premiumautos nach Amerika exportieren.“

Siemens-Chef Joe Kaeser mit Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart

Kaesers Kritik an Donald Trump: „Wenn so viele Mercedes an der 5th Avenue stehen sollen wie die Deutschen iPhones haben, dann müssten wir noch ziemlich viel an Premiumautos nach Amerika exportieren.“

HannoverFür Joe Kaeser könnte es derzeit kaum besser laufen. Unter seiner Führung schwebt die Siemens-Aktie auf einem Allzeithoch. Die Gewinne bei dem Münchener Konzern sprudeln, der Umbau des rund 360.000 Mitarbeiter zählenden Unternehmens wirkt. Ein Mitglied des Handelsblatt Wirtschaftsclubs wollte daher wissen, ob Kaeser sich auch für Höheres berufen fühlt, zum Beispiel für die Spitzenposition im Bundeskanzleramt? 

Kaeser schmunzelte, hielt inne und antwortete trocken: „Es gibt nichts Größeres als Siemens“. Von einer Politikerkarriere will der Top-Manager also nichts wissen. Dennoch fällt auf, dass kaum ein anderer Unternehmenslenker in Deutschland zu weltpolitischen Belangen so klar Stellung bezieht wie der Siemens-Vorstandschef – nicht besserwisserisch, aber deutlich. Das zeigte sich auch beim Handelsblatt Deutschland-Dinner in Hannover.  

Gastgeber und Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart traf auf einen blendend gelaunten Siemens-Chef. Am Vormittag hatte der Dax-Manager auf der weltgrößten Industriemesse, der Hannover Messe, noch die Bundeskanzlerin mit einer dreidimensionalen Mini-Merkel-Figur aus dem 3D-Drucker erheitert. Nun erzählte er vor 350 Gästen Details über seinen Besuch bei Donald Trump im Weißen Haus. 

„Ich habe ihm gesagt: Wenn so viele Mercedes an der 5th Avenue stehen sollen wie die Deutschen iPhones haben, dann müssten wir noch ziemlich viel an Premiumautos nach Amerika exportieren“. Der Siemens-Chef wollte Trump bei seinem Besuch im Weißen Haus damit klar machen, dass die Debatte über die deutschen Handelsbilanzüberschüsse zu kurz greift. Bei dem US-Präsidenten kam diese Anspielung aber „nicht so gut an“, wie Kaeser wahrheitsgetreu berichtete. 

Prinzipiell glaubt der Manager, der selbst fünf Jahre lang in den USA gelebt hat, dass Trump nur das Beste für Amerika will. Leider gebe er sich dabei aber Illusionen hin. Denn die Jobs, die amerikanische Unternehmen einst aus den USA nach Mexiko oder China verlagert hätten, kämen nie wieder zurück. Alles andere sei „Träumerei“, sagte Kaeser. Der Grund: Diese einfachen Jobs existieren vielfach gar nicht mehr. Die Arbeitsweise in den Fabriken ändere sich durch die Digitalisierung rasant und radikal.   

Der Rat von Kaeser an Trump: Um tatsächlich neue Jobs zu schaffen, müsse der US-Präsident dafür sorgen, dass die Menschen die nötigen Fertigkeiten für die Arbeitswelt von morgen mitbringen. Die Voraussetzungen dafür seien einerseits ein duales Ausbildungswesen wie in Deutschland. Und anderseits eine massive „Re-Qualifizierung der Millionen von Menschen, die heute in den Fertigungen arbeiten“, meinte Kaeser. Protektionismus sei dagegen die falsche Antwort. Sie sei vor allem bürger- und kundenfeindlich, denn diese hätten sich bewusst für das in Übersee hergestellte Produkt entschieden. 

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Ciller Gurcae

25.04.2017, 12:50 Uhr

Es ist nicht Aufgabe von Herrn Josef Käser, der sich jetzt untertänigst Joe Kaeser nennt, seine Vorfahren zu kritisieren. Wo soll das auch aufhören? Bei Kaiser Wilhelm, Martin Luther oder Armin, dem Cherusker?

Es genügt, wenn er seine Arbeit ordentlich macht.

Herr Hofmann Marc

25.04.2017, 12:51 Uhr


Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Frau Edelgard Kah

25.04.2017, 13:03 Uhr

Sehr geehrter Herr Hubik,

wenn es um das Thema "mehr Jobs für Amerika" geht, irren die Ghostwriter von Herrn Kaeser. Natürlich kann es nicht darum gehen, Jobs, die nach China oder Mexiko verlagert oder der Rationalisierung zum Opfer gefallen sind, nach Amerika zurückzuholen. Dass Arbeitsplätze verloren gehen, ist unvermeidlich. Nicht nur in den USA, sondern in jedem Land der Welt.

Aber es ist die Aufgabe der Regierung, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass neue Arbeitsplätze entstehen. Das weiß auch Trump. Beispiele aus seinem wirtschaftspolitischen Programm sind die Lockerung der Umweltschutzauflagen oder die Halbierung der Unternehmenssteuern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×