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05.09.2019

17:33

Abspaltung

Verkauf des Aufzuggeschäfts könnte Thyssen-Krupp 15 Milliarden Euro bringen

Von: Kevin Knitterscheidt

Nicht nur der finnische Rivale Kone interessiert sich für die Aufzugsparte von Thyssen-Krupp. Der große Andrang bietet eine klare Chance – und wohl viel Geld.

Noch ist offen, in welcher Form die Trennung von der Aufzugsparte am Ende tatsächlich erfolgt. AFP

Thyssen-Krupp

Noch ist offen, in welcher Form die Trennung von der Aufzugsparte am Ende tatsächlich erfolgt.

Düsseldorf Dass ihm der Abstieg aus dem wichtigsten deutschen Aktienindex nicht gefällt, daraus machte Thyssen-Krupps Vorstandschef Guido Kerkhoff kein Geheimnis. „Dass uns der Abstieg enttäuscht, steht außer Frage“, erklärte der Manager nach der Bekanntgabe der Entscheidung der Deutschen Börse am Mittwoch – und übte sich in Selbstkritik: „Man muss aber auch ehrlich sein: Unsere Performance war zu schwach, daher ist der Gang in den MDax die logische Konsequenz.“

Damit sich die Performance verbessert, will sich der Konzern von seiner profitabelsten Sparte, dem Aufzugsgeschäft, trennen. Ursprünglich hatte Kerkhoff einen Börsengang favorisiert, bei dem Thyssen-Krupp eine Mehrheit an der Sparte behalten könnte. Doch am Mittwoch wurde bekannt, dass der Vorstand parallel auch potenzielle Kaufinteressenten per Brief dazu aufgefordert hat, ihre Angebote abzugeben.

Nicht nur der finnische Rivale Kone, auch die anderen beiden großen Aufzugshersteller Schindler und Otis dürften sich für Thyssen-Krupp Elevator interessieren. Lang ist auch die Liste von Finanzinvestoren, die bereits ihr Kaufinteresse bekundet haben – und zu denen illustre Namen wie CVC, Advent und KKR gehören sollen. Vor allem Kone interessiert sich schon lange für das Geschäft der Essener: Mehrmals gab es in den vergangenen Jahrzehnten Gespräche, die wegen unterschiedlicher Interessenlagen in den Eigentümerkreisen allerdings bislang zu keinem Ergebnis geführt haben.

Für Thyssen-Krupp bietet der neuerliche große Andrang eine Chance: Schon lange leidet der Konzern unter hohen Schulden und Pensionsverpflichtungen, die sich mit dem Erlös weitgehend decken ließen. So heißt es in Finanzkreisen, die Offerten der Interessenten dürften die 15-Milliarden-Euro-Marke überschreiten.

Damit wären die Netto-Finanzschulden des Konzerns von gut fünf Milliarden Euro sowie die Pensionslasten von derzeit knapp acht Milliarden Euro fast vollständig vom Tisch. Es bliebe sogar noch genügend Geld über, um damit Zukäufe im Kerngeschäft zu finanzieren – etwa den des Stahlhändlers Klöckner, mit dem sich der Ruhrkonzern derzeit in entsprechenden Gesprächen befindet.

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Doch noch ist offen, in welcher Form die Trennung am Ende tatsächlich erfolgt. Denn neben einem Komplettverkauf stehen auch eine teilweise Veräußerung sowie ein Börsengang zur Debatte. Vor allem Letzterer krankt derzeit daran, dass sich das wirtschaftliche Umfeld derzeit spürbar verschlechtert. Wahrscheinlicher ist es deshalb, dass der Konzern zunächst einen Teil an Finanzinvestoren verkaufen könnte, mit der Option, das herausgelöste Unternehmen in besseren Zeiten an die Börse zu bringen.

So könnte Thyssen-Krupp weiter von stabilen Dividenden profitieren und würde gleichzeitig die stillen Reserven heben, die derzeit in der Bilanz versteckt sind. Dort ist die Aufzugsparte nämlich nur mit rund 1,5 Milliarden Euro berücksichtigt – während ihr Analysten etwa den zehnfachen Wert zumessen. Das würde immerhin dabei helfen, das schwache Eigenkapital des Konzerns zu stärken – auch wenn dabei nur ein geringer Einfluss auf den hohen Schuldenstand des Unternehmens zu erwarten ist.

Insgesamt gebe es viele Möglichkeiten, wie es mit dem Industriekonzern weitergehen könne, schrieb Morgan-Stanley-Analyst Alain Gabriel in einer Untersuchung vom Dienstag. Er warte aber im Moment auf mehr Klarheit, bevor er eine neue Einschätzung zur Perspektive des Unternehmens abgeben könne.

Mehr: Der Chef des finnischen Kone-Konzerns will die Aufzugsparte von Thyssen-Krupp kaufen. Im Interview erklärt Ehrnrooth, warum er einen Zusammenschluss der bisherigen Konkurrenten für die beste Lösung hält.

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