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01.03.2022

12:16

Agrar- und Pharmakonzern

Bayer will 2022 Stärke zeigen: Gewinn soll auf zwölf Milliarden Euro wachsen

Von: Bert Fröndhoff

Der Konzern plant mit einem Umsatzplus von fünf Prozent, die geopolitischen Risiken nicht mit eingerechnet. Doch nicht nur die Ukraine bereitet dem Konzern Sorgen.

Nach heftigem Verlust 2020 kehrt der Konzern wieder in die schwarzen Zahlen zurück. dpa

Bayer-Kreuz am Standort Leverkusen

Nach heftigem Verlust 2020 kehrt der Konzern wieder in die schwarzen Zahlen zurück.

Düsseldorf Die Bayer AG ist im vergangenen Jahr deutlich gewachsen: Der Umsatz legte 2021 um 8,9 Prozent auf 44,1 Milliarden Euro zu, was über den Erwartungen der Analysten lag. Allerdings drückten teure Vorprodukte und hohe Marketingausgaben für neu eingeführte Arzneien ebenso wie negative Währungseffekte den Gewinn.

Der bereinigte Gewinn (Ebitda vor Sondereinflüssen) sank um 2,5 Prozent auf 11,2 Milliarden Euro und traf damit genau die Prognose der Analysten. Im laufenden Jahr verspricht Bayer ein Gewinnwachstum auf mehr als zwölf Milliarden Euro und ein Umsatzplus von fünf Prozent auf 46 Milliarden Euro.

Darin sind allerdings mögliche Verwerfungen durch den Krieg in der Ukraine noch nicht eingerechnet. „Der Ausblick geht von einem stabilen geopolitischen Umfeld in Osteuropa aus, wo sich die Situation inzwischen dramatisch verändert hat“, teilte der Konzern am Dienstagmorgen mit. „Bayer wird diese Risiken genau beobachten und so weit wie möglich minimieren.“

Vorstandschef Werner Baumann nannte den russischen Angriff auf die Ukraine einen „schweren Schlag für die universellen Werte der Freiheit und der Demokratie“. In dieser Situation gelte das Primat der Politik: „Dies ist die Zeit für geschlossenes und entschlossenes politisches Handeln“, sagte er auf der virtuellen Bilanzpressekonferenz.

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    Bayer tue alles, um die Versorgung der Bevölkerung mit lebenswichtigen Medikamenten und landwirtschaftlichen Produkten für die Nahrungsversorgung zu sichern, sagte Baumann. Das gelte auch für den russischen Markt, den Bayer vor allem mit Arzneien beliefert und der rund zwei Prozent des Konzernumsatzes ausmacht. Er hoffe sehr, dass die Finanztransaktionen für diese lebensnotwendige Versorgung aufrechterhalten werden könne.

    Ukraine ist viertgrößter Lieferant von Weizen und Mais

    Baumanns Sorge geht weit über die Ukraine hinaus: „Wir müssen davon ausgehen, dass sich durch die Lage in der Ukraine als dem weltweit viertgrößten Lieferanten von Weizen und Mais die ohnehin schon angespannte Situation bei der globalen Nahrungsversorgung weiter verschärft.“

    Bayer hat in den vergangenen Jahren eine eigene Produktion für Mais-Saatgut in der Ukraine aufgebaut, gut 700 Menschen sind dort beim Konzern beschäftigt. Die zurückliegende Produktionsmenge ist lange ausgeliefert. Was der Krieg für die nächste Ernte im Land bedeutet, werde sich im Verlauf der kommenden Monate zeigen, heißt es bei Bayer. Auf das Land entfällt weniger als ein Prozent des Konzernumsatzes.

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    Die Börse reagierte erfreut auf die optimistische Bayer-Prognose: Die Aktie legte gegen den Trend am Dienstagmorgen um 2,7 Prozent auf 52,90 Euro zu. Doch zeigte sich Finanzvorstand Wolfgang Nickl anhaltend unzufrieden mit der Kursentwicklung. „Der aktuelle Kurs spiegelt trotz der positiven Entwicklung seit Beginn des Jahres den wahren Wert des Unternehmens aus unserer Sicht nicht annähernd wider“, sagte er. Man wolle mit guten Ergebnissen und dem zuverlässigen Erreichen der Ziele die weitere Erholung der Aktie unterstützen.

    Die Analysten des Brokers Stifel sehen bei der Bayer-Aktie ein Kurspotenzial bis 66 Euro und Chancen, dass der Konzern seine Prognose für 2022 im Laufe des Jahres noch erhöhen wird. Die Schweizer UBS nennt sogar ein Kursziel von 85 Euro.

    Die rückläufige Gewinnentwicklung ging 2021 allein von der Pharmasparte aus und kommt nicht überraschend. Bayer richtet derzeit sein Arzneigeschäft neu aus und erhöht die Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Das trifft vor allem das Zukunftsgeschäft mit Zell- und Gentherapien, das im Laufe des Jahrzehnts zum Umsatzträger werden soll.

    Hohe Marketingkosten für neue Arzneien

    Dazu kommen höhere Marketingkosten durch die Einführung neuer Arzneien, die in den nächsten Jahren die Delle durch Patentverluste ausgleichen sollen. Bayer hat das Nierenmedikament Kerendia auf den Markt gebracht, das in der Spitze einen Milliardenumsatz bringen soll. Die neue Arznei Vericiguat gegen chronische Herzinsuffizienz vermarktet Bayer bereits seit Anfang 2021.

    Unterm Strich landete Bayer nach dem verlustreichen Jahr 2020 wieder in schwarzen Zahlen. Damals hatten die milliardenschweren Kosten für die außergerichtliche Beilegung der Glyphosat-Klagen dem Konzern einen Nettoverlust von zehn Milliarden Euro eingebrockt. 2021 erreichte Bayer einen Nettogewinn von gut einer Milliarde Euro.

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    Doch auch 2021 zeigen sich die Spuren der Glyphosat-Rechtslast weiter in der Bilanz. Bayer verbuchte Sonderaufwendungen von 3,9 Milliarden Euro für weitere Rückstellungen in Sachen Glyphosat und für das laufende Restrukturierungsprogramm. In Summe hat der Konzern damit 2020 und 2021 Sonderbelastungen in Höhe von 27 Milliarden Euro wegstecken müssen, die zum überwiegenden Teil auf die Lösung des Glyphosat-Rechtskomplexes entfallen.

    Vor diesem Hintergrund wertet das Bayer-Management die Ergebnisse für 2021 positiv. Wie die Causa Glyphosat am Ende für Bayer aussehen wird, ist aber offen. Der oberste Gerichtshof der USA hat noch nicht entschieden, ob er das Urteil in einem der entscheidenden Glyphosat-Prozesse überprüfen wird.

    Wenn der Supreme Court das Urteil kassiert, hätte Bayer auf einen Schlag das Thema beseitigt und könnte milliardenhohe Rückstellungen auflösen, die Bayer andernfalls für weitere Vergleich bräuchte. „Wir sind für jeden Ausgang unseres Berufungsverfahrens gut vorbereitet“, sagte Baumann.

    Operativ läuft es in der Agrarsparte Crop Science dank höherer Preise und Verkaufsmengen besser. Sie übersprang 2021 die Umsatzmarke von 20 Milliarden Euro und steigerte den bereinigten Gewinn um 3,6 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro – trotz Belastungen durch teure Rohstoffe und negative Wechselkurseffekte. Beide Werte lagen leicht über den Erwartungen der Analysten.

    Ein starkes Gewinnwachstum von 6,8 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro gelang im Geschäft mit verschreibungsfreien Medikamenten (Consumer Health).

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