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04.07.2017

16:01 Uhr

Aktive Investoren

Wie US-Fonds Chemie-Fusionen torpedieren

VonBert Fröndhoff

Großanleger machen Front gegen die Fusion der Chemiekonzerne Clariant und Huntsman. Auch bei einem anderen Zusammenschluss in der Branche dringen sie auf Änderungen. Mit dabei ist ein besonders berüchtigter Investor.

Ihre Fusion attackieren US-Investoren: Clariant-Chef Hariolf Kottmann (rechts) und Huntsman-CEO Peter Huntsman. Reuters

Die Chefs von Clariant und Huntsman

Ihre Fusion attackieren US-Investoren: Clariant-Chef Hariolf Kottmann (rechts) und Huntsman-CEO Peter Huntsman.

DüsseldorfAktive Investoren aus den USA sind in Europa weiter auf dem Vormarsch. Als neues Ziel ist die geplante Großfusion der Schweizer Chemiefirma Clariant mit dem US-Konkurrenten Huntsman ins Visier der Fonds gerückt. Eine Investorengruppe namens White Tale hat in mehreren Schritten 7,2 Prozent an Clariant übernommen. Sie fordert die übrigen Aktionäre auf, bei der anstehenden Generalversammlung gegen den Ende Mai beschlossenen Deal zu stimmen.

Der neue Großaktionär hält Clariant in dem Zusammenschluss für unterbewertet und zweifelt zugleich an dessen strategischem Sinn. Das fusionierte Unternehmen wird nach Angaben von Clariant und Huntsman einen Wert von rund 20 Milliarden Dollar haben, die Schweizer sollen daran einen Anteil von 52 Prozent halten. Die gesamte Transaktion läuft über einen Aktientausch.

Hinter dem Störenfried bei Clariant steckt der als aktiver Investor bekannte Fonds Corvex. Der wird von Keith Messer geführt, einem früheren Mitarbeiter des berüchtigten Investors Carl Icahn. Corvex agiert aber nicht allein, sondern zusammen mit den Fonds 40 North. Der wiederum ist verbunden mit dem US-Baustoffkonzern Standard Industries. Welche strategische Interessen dieses Unternehmen in der Sache hegt, ist nicht bekannt.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

Covestro (Deutschland)
Der Werkstoffhersteller aus Leverkusen verweist den letztjährigen Zehntplatzierten, das US-Unternehmen PPG Industries, in seine Schranken und gehört nun mit einem Verdienst in Höhe von 16,94 Milliarden US-Dollar selbst zu den zehn umsatzstärksten Chemieunternehmen der Welt. Covestro firmierte bis 2015 als Bayer Material Science, spaltete sich dann aber vom Chemiekonzern ab – mit Erfolg.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2018 / Gesamtjahr 2017, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Akzo Nobel (Niederlande)

In der Branche der Farben und Lacke hat der Hersteller mit Sitz in Amsterdam eine marktführende Position inne. Unter allen Chemieunternehmen kann sich Akzo Nobel mit einem Umsatz von 17,46 Milliarden US-Dollar immerhin auf dem neunten Rang positionieren.

Platz 8

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 20,5 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den achten Platz im Unternehmensranking.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmittel, Schönheitspflege und Klebstoffe. 2017 fuhr das Unternehmen einen Jahresumsatz von 23,99 Milliarden US-Dollar ein. Damit konnte Henkel seinen Verdienst zwar im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Fünftel steigern, wird im Ranking aber dennoch von einer anderen Firma überholt.

Platz 6

Air Liquide (Frankreich)
Nach einem Umsatzplus von mehr als einem Viertel ist das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz der neue Sechstplatzierte. 24,38 Milliarden US-Dollar konnten 2017 eingenommen werden. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegaseherstellern der Welt.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 34,48 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabische Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 35,41 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reicht es für den Hersteller von Methanol, Ethanol und Düngemittel weiter nicht für den Sprung unter die Top 3 – gerade in Anbetracht des gesunkenen Verdienstes (minus 11,55 Prozent) rückt das Podium nun auch in weitere Ferne.

Platz 3

Bayer (Deutschland)
Der deutsche Konzern muss seinen zweiten Platz an zwei fusionierte Konkurrenten abtreten. Auch der Umsatz geht auf 41,95 Milliarden US-Dollar zurück (minus 17,28 Prozent). Das Unternehmen mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutischen Industrie plant allerdings weiter selbst eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sind Bayer und Monsanto bereit, milliardenschwere Firmenteile zu verkaufen.

Platz 2

Dow Dupont (USA)
Zum 1. September des vergangenen Jahres wurde die Fusion der beiden US-Unternehmen Dupont und Dow Chemical vollzogen. Das neugeschaffene Unternehmen sichert sich mit einem gemeinsamen Umsatz in Höhe von 62,48 Milliarden US-Dollar zunächst mit weitem Abstand den zweiten Rang im Unternehmensranking. Es ist weiterhin geplant, das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufzuspalten.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 77,24 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder als an Größe an sich gelegt werden.

White Tale kritisierte in einem öffentlichen Schreiben an die Clariant-Führung, dass die Fusion mit Huntsman keinerlei strategischer Ratio folge. Sie sei nicht vereinbar mit der langjährigen Strategie der Schweizer, ein fokussiertes Spezialchemieunternehmen zu bleiben. Tatsächlich ist Huntsman ein Unternehmen, das zum guten Teil aus kapitalintensiven Massenchemie-Geschäften besteht.

Clariant und Huntsman: Ein neuer Konkurrent für deutsche Chemiekonzerne

Clariant und Huntsman

Ein neuer Konkurrent für deutsche Chemiekonzerne

Der nächste Milliardendeal in der Chemieindustrie steht an: Die Schweizer Clariant und der US-Konzern Huntsman wollen fusionieren. Für Evonik und Covestro dürfte so ein gefährlicher Wettbewerber entstehen.

Schon bei Abschluss des Deals hatten Aktionäre und Analysten wenig Begeisterung gezeigt, was sich an der kaum veränderten Aktienkursperformance von Clariant ablesen ließ. Am Dienstag legte die Aktie um mehr als drei Prozent auf 22,30 Schweizer Franken zu. Clariant reagierte gelassen auf die Attacke: Man nehme die Interessen aller Anteilseigner ernst und werde den offenen Dialog mit ihnen weiterführen, hieß es.

White Tale fordert das Clariant-Management auf, strategische Alternativen zu der Fusion zu prüfen. Die Amerikaner dürften letztlich darauf dringen, dass sich die Schweizer für einen hohen Preis an einen größeren Konkurrenten verkaufen. Clariant ist seit einigen Jahren eines der begehrtesten Übernahmeziele in der Spezialchemie, hat sich aber gegen alle Vorstöße bisher erfolgreich wehren können.

Ob die Attacke von White Tale Erfolg haben wird, darf bezweifelt werden.

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Kommentare (3)

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Herr Toni Ebert

04.07.2017, 16:48 Uhr

Mr. trump sollte da einfach ein Machtwort sprechen.

Herr Toni Ebert

04.07.2017, 16:48 Uhr

Mr. trump sollte da einfach ein Machtwort sprechen.

Herr Toni Ebert

04.07.2017, 16:48 Uhr

Mr. trump sollte da einfach ein Machtwort sprechen.

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