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13.06.2018

16:15 Uhr

Angeschlagene Sparte

Siemens prüft offenbar Verkauf des Geschäfts mit großen Gasturbinen

Siemens prüft angeblich strategische Optionen für die kriselnde Gasturbinen-Sparte. Auch ein Verkauf werde durchgerechnet.

Siemens soll Verkauf des Geschäfts mit großen Gasturbinen erwägen picture alliance / Ulrich Baumga

Möglicher Verkauf

Der Aktienkurs legte um bis zu zwei Prozent zu.

MünchenSiemens erwägt offenbar strategische Optionen für seine angeschlagene Sparte, die große Gasturbinen für Kraftwerke herstellt, inklusive eines möglichen Verkaufs des Geschäfts, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg aus unterrichteten Kreisen erfuhr. Der Aktienkurs legte zwischenzeitlich um bis zu zwei Prozent zu.

Der deutsche Konzern prüfe alle Möglichkeiten für das einstige Aushängeschild innerhalb des Strom- und Gasbereichs, sagten die Insider. Bisher sei keine endgültige Entscheidung gefallen. Siemens könnte sich auch dazu entscheiden, den Abschwung durchzustehen und das Geschäft zu behalten, hieß es weiter.

Ein Sprecher von Siemens sagte, das Unternehmen äußere sich nicht zu Marktspekulationen. Der Strom- und Gasbereich von Siemens leidet unter einem Einbruch der Turbinenbestellungen, da die Energiebranche auf erneuerbare Quellen wie Windturbinen, Solarmodule und Wasserkraft umstellt.

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Der britische Versorger SSE kauft die Großturbine der neuen HL-Klasse – ein Hoffnungsschimmer für das schwach ausgelastete Siemens-Werk.

Das Münchner Unternehmen gab im November einen Plan bekannt, 6900 Stellen in dem Bereich zu streichen und einige Produktionsstätten zu schließen. Die Suche nach einem Käufer dürfte nicht leicht sein, da Wettbewerber wie General Electric mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben.

Nach Informationen des Handelsblatts aus Industriekreisen gab es vor einiger Zeit Gespräche mit Mitsubishi Electric – sie bleiben jedoch ohne Ergebnis. Weitere mögliche Interessenten sind bislang nicht in Sicht.

Die großen Gasturbinen sind eigentlich der ganze Stolz der Siemens-Energiesparte. Mit Konkurrenten wie General Electric liefert man sich alle paar Jahre einen Wettbewerb um die effizienteste Gasturbine der Welt.

Doch die Sparte hatte dem Konzern im vergangenen Jahr das Ergebnis verhagelt: Der Umsatz war um 21 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro zurückgegangen. Der operative Gewinn brach sogar um 74 Prozent auf nur noch 114 Millionen Euro ein.

Zuletzt hatte Siemens versucht, Optimismus zu verbreiten. Ende Mai hat Siemens die erste Großturbine der neuen HL-Klasse in Europa verkauft. Der britische Versorger SSE bestellte für 350 Millionen Pfund einen neuen Kraftwerksblock bei Siemens – ein Hoffnungsschimmer für das schwach ausgelastete Berliner Werk.

Doch wenn bereits der Verkauf einer einzelnen Turbine zur Nachricht wird, zeigt das vor allem eines: Die Hersteller fragen sich verstärkt, ob sich die Milliardensummen für die Entwicklung der nächsten Turbinengenerationen lohnen, um noch das letzte Quäntchen Effizienz herauszuholen.

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Der Markt insgesamt spielt nicht mehr mit. Zwar sind Gaskraftwerke eigentlich eine recht gute Ergänzung zu erneuerbaren Energien, weil sie sehr schnell abrufbar eine große Menge Grundlast liefern können.

Doch lohnt in Ländern wie Deutschland lohnt sich der Betrieb aus regulatorischen Gründen oft finanziell nicht. Nur in wenigen Ländern betreibt die Politik konsequent den Wandel von Kohle zum CO2-effizienteren Gas.

Die Folge: Die Anbieter haben in Boomzeiten Kapazitäten für mehr als 400 große Gasturbinen aufgebaut. Verkauft werden inzwischen deutlich weniger als 100 im Jahr.

Obwohl sich Siemens zum Bloomberg-Bericht bedeckt hielt, machte sich an der Börse Hoffnung auf eine schnelle Lösung für die Problemsparte breit: Die Siemens-Aktie legte zeitweise um fast drei Prozent zu und war damit am Nachmittag einer der größten Dax-Gewinner.

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