Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

25.09.2019

17:44

Anklage gegen VW-Chef

Tesla-Gründer Elon Musk verteidigt Volkswagen-Chef Herbert Diess

Von: Stefan Menzel

Dass sich der VW-Aufsichtsrat hinter den Konzernchef stellen würde, galt als ausgemacht. Doch auch Tesla-Gründer Musk tritt für Herbert Diess ein.

Tesla-Gründer Elon Musk verteidigt VW-Chef Herbert Diess dpa

Hans Dieter Pötsch (links) und Herbert Diess

Der Aufsichtsrat stellt sich hinter die beiden angeklagten VW-Funktionäre.

Düsseldorf Eigentlich werden Tesla und Volkswagen immer stärker zu Konkurrenten. Jahrelang hatte der kalifornische Hersteller von Elektroautos fast eine Monopolstellung, weil sich die klassischen Vertreter der Branche mit der neuen Antriebsart extrem schwer taten.

Doch jetzt treten auch andere Autokonzerne verstärkt mit ihren eigenen Elektrofahrzeugen an und setzen den Branchenvorreiter Tesla gehörig unter Druck. Allen voran Volkswagen unter seinem Konzernchef Herbert Diess schickt sich an, die düstere Dieselvergangenheit vergessen zu lassen – mit einem umfassenden Umbauplan für den gesamten Konzern, der Volkswagen zum Marktführer bei Elektroautos machen soll. Der VW-Konzern will Tesla Marktanteile abnehmen. Die Töchter Audi und Porsche bringen ihre ersten E-Autos bereits auf den Markt, die explizit gegen Tesla-Modelle positioniert sind.

Tesla-Chef Elon Musk müsste also nicht unbedingt gut auf Herbert Diess zu sprechen sein. Aber das genaue Gegenteil ist der Fall, der umtriebige Gründer aus den USA sichert dem seinerseits unter Druck geratenen Wolfsburger Konzernchef seine Unterstützung zu.

Zu Wochenbeginn hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig ihre Anklageschriften im Verfahren wegen Marktmanipulation gegen mehrere Volkswagen-Manager verschickt. Im Sommer 2015 könnte die VW-Konzernführung ihre Aktionäre zu spät über die drohenden Milliardenschäden aus der Dieselaffäre informiert haben, was später mit massiven Kursverlusten an der Börse endete. Zu den drei VW-Managern, die von der Staatsanwaltschaft Braunschweig entsprechende Post bekommen haben, gehört auch Konzernchef Herbert Diess.

Wenige Stunden, nachdem die Anklage gegen den Vorstandsvorsitzenden von Volkswagen bekannt geworden ist, meldet sich ausgerechnet Tesla-Gründer Elon Musk zu Wort. „Herbert Diess unternimmt mehr als jeder andere große Autohersteller, um elektrisch zu fahren. Das Wohl der Welt sollte an erster Stelle stehen. Für das, was es wert ist, hat er meine Unterstützung“, schrieb Musk auf dem Nachrichtendienst Twitter.

Trotz der neuen Anklage bekennt sich also ausgerechnet der aktuell stärkste kommerzielle Opponent zu Herbert Diess und zu dessen strategischem Umbau des gesamten VW-Konzerns in Richtung Elektromobilität. Musk erkennt damit allzu deutlich an, dass er es völlig richtig hält, was sein Kontrahent Herbert Diess in Wolfsburg derzeit unternimmt. Wahrscheinlich sieht er im VW-Vorstandschef sogar einen Mitstreiter, mit dem er gemeinsam für den Durchbruch der Elektroautos sorgen kann.

Nach eigenen juristischen Erfahrungen dürfte Musk mit der Anklage gegen Herbert Diess wahrscheinlich eher weniger Probleme haben. Denn vor einem guten Jahr hatte sich Musk selbst durch ungeschickte Twitter-Formulierungen in Bredouille gebracht. Per Tweet hatte er angedeutet, dass er Tesla komplett von der Börse nehmen könnte, was zunächst für einen schnellen Kursanstieg sorgte.

Rückendeckung für Diess

Es dauerte nicht lange, da hatte Musk damit schon die US-Börsenaufsicht SEC auf den Plan gerufen. Denn mit dem angedachten Rückzug an der Börse war es nicht besonders weit her, die Kurssteigerungen waren auch schon bald wieder verschwunden. Durch unbedachtes Twittern könnte Musk also eine Marktmanipulation ausgelöst haben. Für Musk ist die ganze Sache am Ende vergleichsweise unproblematisch ausgegangen, strafrechtliche Konsequenzen hat es nicht gegeben. Vielleicht hatte der Tesla-Gründer mit seinem Tweet für Herbert Diess schon gedanklich vorempfunden, dass der Volkswagen-Chef aus seiner Sicht keine Verurteilung befürchten müsse.

Die Unterstützung durch Elon Musk mag für Herbert Diess eine größere Überraschung gewesen sein. Weniger überraschend ist es, dass sich auch der gesamten Volkswagen-Aufsichtsrat am Mittwoch für den Verbleib des Vorstandsvorsitzenden ausgesprochen hat. Am Dienstag hatte sich bereits das Präsidium, der engste Führungszirkel des VW-Kontrollgremiums, dafür ausgesprochen, dass Herbert Diess bleiben soll. Gleiches gelte auch für den aktuellen Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch, der ebenfalls Post von der Braunschweiger Staatsanwaltschaft bekommen hatte.

„Der Aufsichtsrat kann aufgrund der seit Herbst 2015 durchgeführten umfangreichen und unabhängigen eigenen Untersuchungen auch aus heutiger Sicht weiterhin keine vorsätzlich unterlassene Information des Kapitalmarkts erkennen. Dies hat sich auch nach Prüfung der Anklageschrift nicht geändert“, lautete die Stellungnahme des Aufsichtsrates. Dass Diess und Pötsch auf ihren Posten bleiben dürfen, habe der Aufsichtsrat in einer außerordentlichen Sitzung einstimmig beschlossen.

Eine fast inhaltsgleiche Reaktion kam aus Stuttgart. Dort hat die Familienholding Porsche SE ihren Sitz, in der die Familien Porsche und Piëch ihre Anteile am VW-Konzern gebündelt haben. Beide Familien halten 53 Prozent der Stimmrechte und sind damit die einflussreichsten Aktionäre von Volkswagen.

„Aufsichtsrat und Familiengesellschafter stehen uneingeschränkt hinter Hans Dieter Pötsch und Herbert Diess in ihren Funktionen bei der Porsche SE und bei der Volkswagen AG.“ Mit diesen Worten reagierten Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch, Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Familienholding, auf die Anklage aus Braunschweig. Hans Dieter Pötsch ist zugleich auch Vorstandsvorsitzender der Porsche SE.

„Sollte es zu einem Verfahren kommen, sind wir davon überzeugt, dass die drei Angeschuldigten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft entkräften werden“, ergänzte Wolfgang Porsche. „In Übereinstimmung mit der heutigen Erklärung des Aufsichtsrats der Volkswagen AG sind wir der Auffassung, dass die Volkswagen AG ihre kapitalmarktrechtlichen Informationspflichten vollumfänglich erfüllt hat. Die Anklagen halten wir deshalb für unbegründet“, fügte Hans Michel Piëch hinzu.

Mehr: Im Prozess gegen drei VW-Funktionäre blenden diese so manches Argument aus, findet Kapitalmarktrechtler Klaus Ulrich Schmolke.

Handelsblatt Premium

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×